St.Gallen

Hans-Christoph-Binswanger-Preis 2023 geht an Andreas Lingg

Hans-Christoph-Binswanger-Preis 2023 geht an Andreas Lingg
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Im Rahmen des internationalen Symposiums «Universities in the Age of Uncertainty» wurde der diesjährige Hans-Christoph-Binswanger-Preis der HSG vergeben. Preisträger ist Andreas Lingg von der Universität Witten/Herdecke.

Text: pd

Alle zwei Jahre vergibt die Universität St.Gallen (HSG) den Hans-Christoph-Binswanger-Preis an Nachwuchswissenschaftler aus sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Glücklicher Preisträger 2023 ist Dr. Andreas Lingg. Er wurde für seine Forschungsarbeit ausgezeichnet, die als Buch mit dem Titel «Die Entdeckung der Wirtschaft» publiziert wurde.

Darin arbeitet er die Geschichte des Silberbergbaus im Erzgebirge auf und zeigt, wie dadurch die Ökonomik des Mittelalters fundamental revolutioniert und so die Bahn für eine moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung geebnet wurde. Andreas Lingg ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WittenLab sowie Gründer und Projektleiter der akademischen Lehr- und Forschungsplattform sieben:viertel.

Ganz im Sinne seines Namengebers, der Ökonom und langjährige HSG-Professor Hans Christoph Binswanger (1929–2018) erinnert der Preis an die Bedeutung der Ökonomik als dem Leben dienende Wissenschaft.

«Professor Binswanger widmete sein gesamtes Berufsleben genau der Frage, die alle unsere Diskussionen über Nachhaltigkeit antreibt: Wie kann ein Wirtschaftssystem, das auf exponentiellem Wachstum basiert, zu einem wirtschaftlichen und ökologischen Gleichgewicht führen?», so HSG-Rektor Prof. Dr. Bernhard Ehrenzeller in seiner Begrüssung.

Höchste Zeit, die Welt neu zu denken

Jury-Mitglied Prof. Dr. Martin Kolmar hielt die Laudatio. «Andreas Lingg ein sehr begabter Forscher, und wir hoffen, dass der Binswanger-Preis dazu beitragen wird, dass seine Arbeit die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient.» Sein Buch passe nicht nur thematisch sehr gut zu den Zielen des Binswanger-Preises, sondern sei auch vom Geist her nahe an Hans Christoph Binswangers Vorstellungen davon, wie Wirtschaft betrieben werden sollte.

Allerdings gab Martin Kolmar zu, dass er zu Beginn skeptisch gewesen sein. «Warum sollte ich mich für den Silberbergbau in Sachsen im 13. Jahrhundert interessieren?», so seine erste Reaktion. Die Auseinandersetzung mit der Materie habe ihn aber rasch eines Besseren belehrt. Denn der Autor zeige in seinem Buch in anschaulicher Weise auf, wie der Silberbergbau in Sachsen ab dem 13. Jahrhundert wesentlich dazu beitrug, die Wirtschaft des Mittelalters grundlegend zu revolutionieren und damit den Weg in die moderne kapitalistische Gesellschaft zu ebnen.

Warum ist das wichtig? Damals war es notwendig, innovative Denkweisen zu entwickeln und die Weltsicht fundamental zu überdenken. Dasselbe gelte auch heute, so Martin Kolmar: «Heute stehen wir wieder an einer Schwelle. Unsere alten Denkweisen haben uns an den Rand einer ökologischen Katastrophe geführt. Vielleicht ist es an der Zeit, unsere Art des Seins, unsere Beziehung zu dem, was man Natur nennen könnte, die erkenntnistheoretischen und ontologischen Voraussetzungen, auf denen wir unser Verständnis der Welt und unserer Rolle darin aufbauen, neu zu überdenken. Den Kapitalismus neu zu denken. Das ist möglich, weil es schon einmal gemacht wurde.»

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