Thurgau

Gigafactory für Feststoffakkus im Thurgau geplant

Gigafactory für Feststoffakkus im Thurgau geplant
SCB-CEO Roland Jung
Lesezeit: 3 Minuten

Die Swiss Clean Battery AG will mit ihrem seriell produzierten Feststoffakku den weltweiten Batteriemarkt revolutionieren. Bis 2024 soll in Frauenfeld eine Gigafactory für deren Produktion gebaut werden.

Um nachhaltig die Energiewende zu schaffen und den CO2-Ausstoss bei der Energiegewinnung zu reduzieren, müsse umweltschonende und bezahlbare Speichertechnologie verwendet werden. Insbesondere zwinge uns die Ukrainekrise dazu, die Unabhängigkeit unserer Energieversorgung neu zu denken, teilt SCB AG mit.

Lithium-Ionen-Akkus haben die Batteriewelt revolutioniert

Mit Leistungsdaten, die jene von Blei- und Nickel-Akkus bei weitem übertreffen, haben sie eine Fülle neuer Anwendungsfelder erschlossen und sind zu einem eminent wichtigen Wirtschaftszweig geworden.

Nun aber, da Produktion und Verwendung von Lithium-Ionen-Akkus in astronomische Höhen schnellen, zeichnet sich die Schattenseite dieser Entwicklung ab: Es werden Rohstoffe benötigt, deren dauerhafte Verfügbarkeit nicht gewährleistet ist und die teils unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen werden. Es bestehen Sicherheitsrisiken, da die Batterien – vor allem bei fortgeschrittenem Alter – zu nur schwer löschbaren Bränden und Explosionen führen können.

Und, vor allem: Es wird schon in naher Zukunft ein gewaltiger Abfallberg wachsen. Denn die Lebenszeit herkömmlicher Lithium-Ionen-Akkus ist eng begrenzt. Spätestens nach wenigen Tausend Ladezyklen haben sie ihr Lebensende erreicht.

Warum ist der Festoffakku wichtig?

Weltweit wird fieberhaft geforscht, um mit dem Feststoffakku als neue Grundlagentechnologie die herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus abzulösen.

Der von der Swiss Clean Battery AG produzierte Feststoffakku hält nahezu unendlich, behält eine nahezu konstante Leistung und ist 50 Prozent besser in der Umweltbilanz als herkömmliche LI-Akkus. Ferner ist er unbrennbar und damit sicher und enthält keine kritischen Rohstoffe,wie Kobalt.

Die SCB AG hat als Produktionsgesellschaft die Lizenz der Entwicklungsgesellschaft High Performance Battery Holding AG aus Teufen zur Produktion der Akkus erworben.

Wo ist das technische Problem?

Ein zentrales Problem besteht darin, den Festionenleiter in den Batteriezellen mit den Elektroden in eine stabile Verbindung zu bringen. Nach mehr als 30-jähriger Grundlagenforschung ist es nun gelungen, dieses Problem zu lösen.

Viele Forschungsvorhaben basieren auf einer „modularen Bauweise“, d.h. es werden Einzelteile ausserhalb der Zelle kombiniert und in das Gehäuse eingeführt. Daher kommt es zu technischen Problemen beim Übergang der Ionen an den Materialgrenzen, d.h. zwischen Anode, Festionenleiter und Kathode. Anders der HPB-Feststoffakku: Hier entsteht der Festionenleiter ähnlich eines „Mehrkomponentenklebers“ in der Batteriezelle selbst. Dadurch werden die Übergangsprobleme überwunden.

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Was macht der Wettbewerb?

Hauptwettbewerber ist QuantumScape, ein an der US-Börse NASDQ gelistetes Unternehmen. VW hat sich für 300 Millionen Euro zu 30 Prozent an QS beteiligt. Der Feststoffakku von QS basiert wie bei vielen Wettbewerbern auf einer modularen Bauweise. Im März 2022 gab der chinesische Hersteller WeLion bekannt, eine Gigafactory für hybride Feststoffakkus in der Stadt Zibo in China bauen zu wollen.

Wie so oft, werden Leistungsdaten, Rahmenbedingen und Kosten nicht genannt. Generell spricht die Fachwelt davon, dass die Serienproduktion eines Feststoffakkus in ca. fünf bis zehn Jahren erwartet wird.

Weder der HPB AG noch der SCB AG ist durch Forschungsquellen, öffentliche Publikationen oder Patente bekannt, dass es einen Feststoffakku gäbe, der an die spezifische Leistungskombination des HPB-Feststoffakkus heranreicht.

Die SCB AG wurde im März 2022 gegründet

CEO ist Roland Jung, CFO Peter Koch, COO Thomas Lützenrath. Der Unternehmesitz ist in Frauenfeld. Es erfolgt ein sukzessiver Aufbau einer Produktionsstätte für Akkus mit einer Kapazität von insgesamt etwa 1,2 Gigawattstunden (darum "Gigafactory") bei einem geplanten Umsatz von 318 Millionen Franken, 246 Millionen Franken Investitionsvolumen, rund 180 Mitarbeitern und einem Unternehmenswert von 1,3 Milliarden Franken.

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