St.Gallen

Erfolg trotz Pandemie: Familienunternehmen zeigen sich krisenresistent

Erfolg trotz Pandemie: Familienunternehmen zeigen sich krisenresistent
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Die 500 grössten Familienunternehmen der Welt florieren wirtschaftlich trotz der Corona-Pandemie. Dies zeigt der neue Global Family Business Index 2021, eine Studie der HSG und des Beratungsunternehmens EY. Allein die Schweizer Familienunternehmen auf dem Index erwirtschafteten 2020 einen Umsatz von 263,9 Milliarden US-Dollar und beschäftigten fast 628‘000 Mitarbeiter.

Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch die Covid-19-Pandemie verursacht wurden, zeigen sich Familienunternehmen widerstandsfähig. Der neue Global Family Business Index des Center for Family Business an der Universität St.Gallen (CfB-HSG) und des Beratungsunternehmens EY zeigt, dass die 500 grössten Familienunternehmen der Welt 2020 einen Umsatz von 7,28 Billiarden US-Dollar erwirtschafteten und 24.1 Millionen Menschen in 45 Ländern beschäftigten. Im Vergleich zu den Fortune Global 500-Unternehmen (mit 33,3 Brd. USD Umsatz und 69,9 Millionen Beschäftigten) zeigt der Index 2021, dass die grössten Familienunternehmen während der jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen stabil geblieben sind.

17 Schweizer Firmen unter 500 grössten Familienunternehmen

Unter den 500 grössten Familienunternehmen der Welt sind 17 Schweizer Familienunternehmen im Index vertreten. Die fünf führenden Schweizer Familienunternehmen sind die Roche Holding AG (68,5 Mrd. USD Umsatz im Jahr 2020), die Gunvor Group Ltd (50 Mrd. USD Umsatz), die Kühne Holding AG (23,3 Mrd. USD Umsatz), Tetra Laval Holdings B.V. (16 Mrd. USD Umsatz) und die Compagnie Financière Richemont SA (15,6 Mrd. USD Umsatz). Zusammen mit den weiteren Schweizer Familienunternehmen auf dem Index erwirtschafteten sie im Jahr 2020 einen Umsatz von 263,9 Mrd. USD und beschäftigten fast 628‘000 Mitarbeiter.

Während Familienunternehmen im Gastgewerbe und in der Tourismusbranche von der Covid-19-Pandemie stark betroffen waren, nutzten viele in anderen Wirtschaftszweigen (insbesondere im Konsumgütersektor) die Gelegenheit, sich neu auszurichten. Einige Firmen verlagerten ihre Produktionskapazitäten, um Produkte wie Gesichtsschutz und Beatmungsgeräte herzustellen.

Beinahe die Hälfte (236) der Familienunternehmen auf dem Index sind in Europa angesiedelt. Insbesondere in Deutschland sind 16 Prozent der im Index aufgeführten Unternehmen ansässig, was die Stärke der deutschen Wirtschaft und die lange Tradition von Familienunternehmen in diesem Land widerspiegelt (mit einem Durchschnittsalter von 109 Jahren; das älteste Familienunternehmen ist die Merck KGaA mit 353 Jahren). Nach Europa entfallen 30 Prozent der in der Liste aufgeführten Unternehmen auf Nordamerika. Sieben der zehn grössten Familienunternehmen auf der Liste sind in den USA ansässig. In Asien erwirtschaften 55 Familienunternehmen auf dem chinesischen Festland, in Hongkong, Taiwan, Japan und Südkorea 87 Prozent (835 Mrd. USD) des Gesamtumsatzes im asiatisch-pazifischen Raum, und drei von ihnen gehören unter die Top 20.

Diversifizierung und Nachhaltigkeitsaktivitäten als Chance

Für den Index 2021 haben CfB-HSG und EY auch das Engagement von Familienunternehmen für Vielfalt und Integration sowie für Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) untersucht. In diesen Bereichen gibt es für Familienunternehmen noch Potenzial. Das Durchschnittsalter der Vorstandsmitglieder von Familienunternehmen liegt bei etwa 60 Jahren. Fast jedes fünfte Familienunternehmen auf dem Index hat ein Mitglied der nächsten Generation im Vorstand oder im Managementteam. Das Fachwissen der nächsten Generation in Bezug auf Technologie und Einblicke in die sich entwickelnde Unternehmenslandschaft werden für ein nachhaltiges Wachstum von entscheidender Bedeutung sein.

Da Familienunternehmen weiterhin nach Diversifizierung streben, hat sich die Zahl der Unternehmen mit mindestens einem weiblichen Familienmitglied im Verwaltungsrat auf 31 Prozent im Jahr 2021 erhöht, obwohl nur drei von 17 Schweizer Familienunternehmen eine Frau in den Verwaltungsrat berufen haben. Allerdings haben nur 5 Prozent (27) der Unternehmen im Index weibliche CEOs (während keines der Schweizer Familienunternehmen einen weiblichen CEO hat), ähnlich wie die 8 Prozent (41) der Fortune Global 500-Unternehmen.

Was das Engagement für Umwelt und Gesellschaft betrifft, so haben 53 Prozent (264) der Familienunternehmen im Index in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten berichtet. Fast die Hälfte davon (44 Prozent) kommt aus Europa (darunter 8 Unternehmen aus der Schweiz, 35 aus Deutschland und 2 aus Österreich). Unternehmen, die keine Angaben machen, haben möglicherweise die Chance verpasst, ihre positiven sozialen Auswirkungen offen zu kommunizieren, neue Talente anzuziehen, Kunden zu gewinnen und eine bessere Marktbewertung zu erzielen.

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Vermögen professionell verwalten und Widerstandsfähigkeit beibehalten

Prof. Dr. Thomas Zellweger (Bild), geschäftsführender Direktor des Center for Family Business an der Universität St.Gallen, und Josh Wei-Jun Hsueh, Assistenzprofessor am Center for Family Business, sagen zu den Ergebnissen der Studie: «Da Familie, Unternehmen und Vermögen über Generationen hinweg wachsen, werden die Herausforderungen, welchen sich Unternehmerfamilien gegenübersehen, immer komplizierter. Wir haben beobachtet, dass Familien zunehmend einen professionellen Ansatz wählen, um ihr Vermögensportfolio und die Anforderungen der verschiedenen Familienmitglieder zu verwalten.»

Helena Robertsson, EY Global Family Enterprise Leader, sagt: «Familienunternehmen haben während der Covid-19-Pandemie eine unglaubliche Widerstandsfähigkeit bewiesen, indem sie der Aufrechterhaltung der Belegschaft Priorität einräumten und sich bei Bedarf auf neue Herausforderungen einstellten. Während sich die Gesellschaft in diesen turbulenten Zeiten weiterentwickelt, sind diese Unternehmen gut aufgestellt, um ihr Vermächtnis fortzuführen.»

Für weitere Informationen und Analysen besuchen Sie die Website des Global Family Business Index.