St.Gallen

Das Smartphone erobert die Ladenkasse

Das Smartphone erobert die Ladenkasse
Das Smartphone setzt sich an der Schweizer Ladenkasse an die Spitze
Lesezeit: 3 Minuten

Mobiles Bezahlen ist in Schweizer Geschäften erstmals das meistgenutzte Zahlungsmittel und verweist Bargeld sowie Debitkarte auf die Plätze. Gleichzeitig erreicht die Ablehnung einer bargeldlosen Zukunft einen neuen Höchststand. Das zeigt der aktuelle Swiss Payment Monitor der Universität St.Gallen und der ZHAW.

Text: pd/stz.

Gemessen an der Anzahl Transaktionen wurden im Mai 2026 erstmals mehr Zahlungen mit mobilen Geräten ausgelöst als mit Bargeld oder einer physischen Debitkarte. Zu dieser breiten Definition des mobilen Bezahlens zählen unter anderem Twint, mobile Wallets und Zahlungen über händlerspezifische Apps.

Im Präsenzgeschäft entfielen 28,2 Prozent aller Transaktionen auf mobile Geräte. Das entspricht einem Zuwachs von 3,4 Prozentpunkten innerhalb eines halben Jahres. Bargeld folgt mit einem Anteil von 27,1 Prozent auf Rang zwei. Die nicht mobile Nutzung der Debitkarte sank um 1,3 Prozentpunkte auf 25,8 Prozent und verlor damit ihre bisherige Spitzenposition. Kreditkarten kamen auf 16,2 Prozent.

Auch über sämtliche Verkaufskanäle hinweg baut das mobile Bezahlen seinen Vorsprung aus. Im Gesamtmarkt stieg sein Anteil um 3,1 Prozentpunkte auf 34,5 Prozent. Bargeld erreichte 23,2 Prozent, die nicht mobile Debitkarte 22,5 Prozent und die nicht mobile Kreditkarte 14,5 Prozent. Das geht aus dem Swiss Payment Monitor 2/2026 der Universität St.Gallen und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hervor.

Debitkarte bleibt im Hintergrund stark

Die Rangliste verändert sich allerdings, wenn nicht das verwendete Gerät, sondern das dahinterliegende Abrechnungsprodukt betrachtet wird. Viele Zahlungen mit dem Smartphone werden letztlich über eine in der Wallet hinterlegte Debit- oder Kreditkarte abgewickelt. In dieser Betrachtung bleibt die Debitkarte im Laden mit einem Anteil von 33,2 Prozent die klare Nummer eins.

Es folgen Bargeld mit 27,1 Prozent und die Kreditkarte mit 23,1 Prozent. Mobile Zahlungen, die direkt einem Bankkonto belastet werden, insbesondere über Twint, erreichen mit 12,7 Prozent einen neuen Höchstwert. Das Smartphone verdrängt die Karte somit nicht zwingend, sondern verändert vor allem die Art, wie sie eingesetzt wird.

Unter den mobilen Bezahllösungen bleibt Twint mit einem Anteil von 55,6 Prozent führend. Der Schweizer Anbieter verlor gegenüber der letzten Erhebung allerdings 7,1 Prozentpunkte. Apple Pay steigerte seinen Anteil dagegen um 4,2 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent. Auch Google Pay und Samsung Pay legten zu.

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Marcel Stadelmann
Marcel Stadelmann

Je digitaler das Bezahlen, desto stärker der Rückhalt für Bargeld

Der Siegeszug des mobilen Bezahlens bedeutet nicht, dass die Schweizer Bevölkerung auf Münzen und Noten verzichten möchte. Im Gegenteil: 79,2 Prozent der Befragten lehnen eine vollständige Abschaffung des Bargelds ab. Das sind 10,4 Prozentpunkte mehr als noch vor einem halben Jahr und der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen.

Allein der Anteil jener, die eine Abschaffung «überhaupt nicht gut» finden, stieg um 11,3 Prozentpunkte auf 58,3 Prozent. Nur noch 10,3 Prozent befürworten eine bargeldlose Schweiz, weitere 10,5 Prozent zeigen sich unentschlossen.

Die Studienautoren bringen diese deutliche Verschiebung mit der öffentlichen Debatte vor der eidgenössischen Abstimmung vom 8. März 2026 in Verbindung. Damals stimmte die Schweiz über die Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit» und den direkten Gegenentwurf ab. Letzterer wurde mit 73,4 Prozent Ja-Stimmen angenommen und verankert die Bargeldversorgung sowie den Schweizer Franken in der Verfassung.

«Die intensive öffentliche Debatte im Vorfeld der Abstimmung dürfte die Haltung der Bevölkerung gegenüber einer Bargeldabschaffung stark geprägt haben», sagt Tobias Trütsch, Zahlungsökonom der Universität St.Gallen. Die Ergebnisse zeichnen damit ein scheinbar widersprüchliches, aber klares Bild: Im Alltag setzt sich das digitale Bezahlen durch, als frei verfügbare Alternative soll Bargeld jedoch erhalten bleiben.

KI darf beraten, aber nicht selbständig bezahlen

Erstmals untersuchte der Swiss Payment Monitor auch die Offenheit gegenüber KI-Assistenten beim Bezahlen. Sprachbasierte KI-Anwendungen werden bereits von 42 Prozent der Befragten mindestens regelmässig genutzt. Rund zwei Drittel könnten sich vorstellen, von einem KI-Assistenten eine Empfehlung für das passende Zahlungsmittel zu erhalten.

Sobald die Technologie selbständig handeln soll, sinkt die Zustimmung deutlich. Eine teilautomatisierte Zahlung findet noch bei rund 43 Prozent Anklang. Eine vollständig automatische Zahlung ohne zusätzliche Bestätigung lehnen dagegen mehr als 80 Prozent ab.

«Die Menschen möchten die finale Entscheidung bei der Wahl des Zahlungsmittels selbst treffen», sagt ZHAW-Zahlungsmittelexperte Marcel Stadelmann. Entscheidend seien Sicherheit, Datenschutz und Vertrauen. Als Anbieter eines solchen Assistenten geniessen Zahlungsdienstleister und Banken das grösste Vertrauen.

Für den 15. Swiss Payment Monitor wurden Ende April und Anfang Mai 2026 insgesamt 1590 Personen aus allen Landesteilen befragt. Anschliessend erfassten 1117 Teilnehmer während vier Tagen sämtliche nicht wiederkehrenden Zahlungen in einem elektronischen Tagebuch. Die Untersuchung wird seit 2018 halbjährlich vom Center for Financial Services Innovation der Universität St.Gallen und dem Swiss Payment Research Center der ZHAW School of Management and Law herausgegeben.

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