Appenzell Innerrhoden

Appenzeller Huus ist GaultMillaus «Hotel des Jahres 2027»

Appenzeller Huus ist GaultMillaus «Hotel des Jahres 2027»
Die Lobby des «Huus Quell» von Appenzeller Huus
Lesezeit: 4 Minuten

Der Gastroführer würdigt damit das rund 120 Millionen Franken teure Resort von Leonteq-Mitgründer Jan Schoch, das regionale Baukultur mit Spitzenküche, sieben Weinkellern und einem 2200 Quadratmeter grossen Spa verbindet. Für Schoch ist die Auszeichnung ein prestigeträchtiger Erfolg in bewegten Zeiten: Im November muss sich der Investor vor dem Bezirksgericht Appenzell Innerrhoden verantworten.

Text: stz.

Die wichtigste Schweizer Hotelauszeichnung des Jahres geht in die Ostschweiz: Das Appenzeller Huus in Gonten ist GaultMillaus «Hotel des Jahres 2027». Ausschlaggebend waren für die Tester das Gesamtkonzept des Resorts, die neue 16-Punkte-Küche, die aussergewöhnliche Weinkompetenz und der Spa-Bereich, der nach Einschätzung des Gastroführers auch im internationalen Vergleich zur Spitzenklasse gehört.

GaultMillau-Chef Urs Heller gratulierte Inhaber Jan Schoch, Küchenchef Michael Gollenz und dem gesamten Team am Montag zur Auszeichnung. Das Appenzeller Huus habe sich als überraschende Entdeckung erwiesen und sei mit grossem unternehmerischem Mut zu einem Hotel der Spitzenklasse aufgebaut worden. Besonders überzeugte die Kombination aus einem wegweisenden Spa und einer konsequent auf Qualität und Regionalität ausgerichteten Kulinarik.

Das Resort beschäftigt laut Blick 133 Mitarbeiter. Schoch führt den Betrieb selbst und wird dabei von der international erfahrenen Hotelmanagerin Alexa Viola Stoschek unterstützt.

Michael Gollenz steigt mit 16 Punkten ein

Für den Guide 2027 erhält die Küche unter Executive Chef Michael Gollenz auf Anhieb 16 GaultMillau-Punkte. Der 31-jährige Oberösterreicher war zuvor unter anderem bei den Spitzenköchen Stefan Heilemann und Christian Kuchler tätig. Im Appenzeller Huus verbindet er klassische französische Kochkunst mit Produkten aus der Region und der übrigen Schweiz.

Auf den Tellern finden sich etwa Appenzeller Weiderind, Ribelmais, Wachteleier aus Gonten, Molke, Appenzeller Heumilchkäse und Siedwurst. Während die «Bärenstobe» für die ambitionierte Gourmetküche steht, werden in der «Löwenstobe» auch bodenständige Klassiker wie Chäshörnli mit Röstzwiebeln, Apfelmus und Siedwurst oder Cordon bleu mit Appenzeller Käse und Mostbröckli serviert.

Im Restaurant Quell wird das kulinarische Angebot durch ein Sharing-Konzept ergänzt. Auch beim Frühstück setzt die Küchenmannschaft auf regionale Bezüge. Die traditionelle Appenzeller Siedwurst erscheint dort im Kleinformat zusammen mit Chäshörnli. Hinter Gollenz stehen unter anderem Souschef Kevin Wilk und Patissier Fabrice Ohlmann.

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Sieben Weinkeller mit 2100 Positionen

Zu den eindrücklichsten Bereichen des Resorts gehören die sieben Weinkeller. Kellermeister Hans Rhyner verfügt auf 350 Quadratmetern über rund 2100 Positionen. Allein im Schweizer Keller sind Weine von 135 Produzenten aus sämtlichen wichtigen Anbaugebieten des Landes vertreten.

GaultMillau bezeichnet die Kellerlandschaft als einen der aufregendsten Orte für Weinliebhaber in der Schweiz. Würde der Gastroführer einen Titel für den «Weinkeller des Jahres» vergeben, wäre das Appenzeller Huus nach Einschätzung der Tester ein ernsthafter Kandidat.

Auch die Botanicum Bar folgt dem regionalen Ansatz. Barchef Elmir Medunjanin und Rafael Alario Girbes arbeiten mit Kräutern, Früchten und weiteren Zutaten aus der Umgebung. Selbst internationale Cocktailklassiker werden mit einheimischen Produkten neu interpretiert.

Spa auf drei Etagen

Ein weiterer Grund für die Auszeichnung ist das 2200 Quadratmeter grosse Quell Spa, das sich über drei Etagen erstreckt. Zum Angebot gehören neun Tauch- und Floating-Becken, Saunen, Dampfbäder, eine Yogaplattform sowie ein Rooftop-Pool mit Blick auf den Säntis.

Hinzu kommen Anwendungen und technische Angebote aus den Bereichen Regeneration, Biohacking und Longevity. Dazu zählen eine Kryokammer und eine hyperbare Sauerstoffkammer. Das Konzept unter dem Namen «L3 – Long Lasting Lifestyle Circle» war bereits vor der Hoteleröffnung mit dem Spa Award 2025 ausgezeichnet worden.

Drei Häuser bilden ein Resort

Das Appenzeller Huus verbindet drei Häuser mit unterschiedlichen Positionierungen. Das Huus Bären ist ein Drei-Sterne-Superior-Hotel und geht auf das Jahr 1602 zurück. Es gilt als ältestes Gebäude Gontens. Das Huus Löwen verbindet als Vier-Sterne-Superior-Hotel Appenzeller Tradition mit modernem Hotelstandard. Das im Oktober 2025 eröffnete Huus Quell bildet als Fünf-Sterne-Superior-Hotel das luxuriöse Flaggschiff des Ensembles.

Zusammen verfügen die drei Hotels über 74 Zimmer. Ergänzt wird das Resort durch 43 Serviced Apartments, mehrere Restaurants, Bars und Lounges, Veranstaltungsräume und das Appenzeller Forum mit Konzerten, Lesungen und Vorträgen.

Beim Bau des Huus Quell setzte Schoch auf die traditionelle Appenzeller Strickbauweise und lokales Mondholz. Stoffe und Textilien im Innern stammen vom St.Galler Traditionshaus Jakob Schlaepfer. Der moderne Hotelbau soll sich dadurch trotz seiner Dimensionen möglichst selbstverständlich in das Gontner Dorfbild einfügen.

Hinter dem Resort steht eine Investition von rund 120 Millionen Franken. Ausgangspunkt war der historische «Bären», den Schoch 2014 übernahm, als dessen Zukunft als Gastronomiebetrieb unsicher war. Mit dem Haus verbindet ihn auch eine persönliche Geschichte: Seine Eltern hatten dort am 11. September 1976 geheiratet. Fast genau 50 Jahre später darf sich das daraus entstandene Resort nun «Hotel des Jahres 2027» nennen.

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Jan Schoch
Jan Schoch

Auszeichnung fällt in juristisch schwierige Zeit

Der bedeutende Erfolg fällt für Schoch in eine juristisch schwierige Phase. Der ehemalige Finanzunternehmer, der 2007 die Derivatefirma Leonteq mitgegründet hatte, muss sich im November vor dem Bezirksgericht Appenzell Innerrhoden verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat wegen insgesamt fünf Straftatbeständen Anklage erhoben und beantragt eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Vorgeworfen werden Schoch versuchter Betrug, Urkundenfälschung, versuchte Nötigung, mehrfache falsche Anschuldigung sowie fahrlässige schwere Körperverletzung.

Ein Teil der Anklage betrifft einen schweren Unfall auf der Baustelle des heutigen Huus Quell. Bei Filmaufnahmen im April 2022 stürzte ein Kameramann rund acht Meter durch mehrere Stockwerke und erlitt schwere Verletzungen an der Wirbelsäule. Laut Anklageschrift dürfte er dauerhaft arbeitsunfähig bleiben. Die Staatsanwaltschaft wirft Schoch vor, als Bauherr und Eigentümer nicht ausreichend auf die Gefahren hingewiesen und gefährliche Bereiche nicht gesichert zu haben.

Weitere Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit einem Streit mit einem ehemaligen Geschäftsführer des Hotels Bären. Dabei geht es unter anderem um mutmasslich falsche Unterlagen, Strafanzeigen und ein Arbeitszeugnis.

Schochs Anwalt weist sämtliche Anschuldigungen zurück. Sein Mandant werde sich vor Gericht gegen alle Vorwürfe zur Wehr setzen. Beim Baustellenunfall sei das Verfahren zunächst eingestellt und erst nach einer Beschwerde des Unfallopfers wieder aufgenommen worden. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für Schoch und die weiteren Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Unabhängig vom bevorstehenden Prozess würdigt die GaultMillau-Auszeichnung die Leistung des gesamten Hotelteams. Für Gonten und das Appenzellerland bedeutet der Titel zusätzliche nationale und internationale Aufmerksamkeit. Das Dorf mit knapp 1500 Einwohnern erhält damit einen prominenten Platz auf der Schweizer Landkarte der Spitzenhotellerie.

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