Rexer bringt Kultur und Unternehmertum auf eine Bühne
Text: stz.
Er war schon einiges: augenzwinkernd der «erste Schweizer Kabarettist aus Deutschland», Preisträger beim 16. Swiss Comedy Award, Kulturpreisträger und zuletzt auch «Thurgauer des Tages». Solche Etiketten erzählen viel über seine öffentliche Wahrnehmung, aber wenig über die Arbeit, die hinter seiner Sichtbarkeit steckt.
Denn bei Florian Rexer lässt sich nur schwer sagen, wo die Kunst aufhört und das Unternehmen beginnt. Seine Karriere besteht nicht aus zwei voneinander getrennten Welten. Bühne und Betrieb bilden vielmehr ein System, in dem kreative Ideen erst dann Bestand haben, wenn sie sich auch organisatorisch und wirtschaftlich umsetzen lassen.
Zwei Berufe bilden ein System
Rexer ist Schauspieler, Regisseur, Comedian und künstlerischer Leiter der Schlossfestspiele Hagenwil. Gleichzeitig führt er eine Eventfirma, die nach eigenen Angaben mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigt, Ensembles disponiert, die Technik organisiert, Kostüme und Bühnenbilder koordiniert und Produktionen an Spielorten in der ganzen Schweiz realisiert.
Der Künstler denkt in Szenen, Figuren und Pointen. Der Unternehmer beschäftigt sich mit Abläufen, Auslastung, Verträgen und Verantwortung. Rexer muss beides gleichzeitig können. Genau das unterscheidet ihn von vielen Einzelkünstlern, die für einen Auftritt anreisen, ihr Programm spielen und wieder weiterziehen.
Bei Rexer beginnt die Arbeit lange vor dem Applaus. Er entwickelt Formate, stellt Teams zusammen, verhandelt mit Veranstaltern, Häusern und Auftraggebern und trägt das wirtschaftliche Risiko. Trotzdem will er seine eigene Bühnenkarriere nicht hinter einem Schreibtisch verschwinden lassen. Sein neues Soloprogramm «Rexersize – vom Telefonanieren und dem kaputten Yoga Hund» zeigt deshalb bewusst die andere Seite seines Schaffens: den Einzelkünstler, der ohne Ensemble und grossen Produktionsapparat vor dem Publikum bestehen muss.
Der Schritt aus dem sicheren Ensemble
Fast zehn Jahre war Florian Rexer am Theater St.Gallen tätig. Dort lernte er den klassischen Theaterbetrieb von innen kennen, zunächst als Schauspieler, später auch als Regieassistent und Abendspielleiter. In dieser Zeit übernahm er mit «Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt» eine erste eigene Regiearbeit.
Die Produktion wurde zum Erfolg, verlängert und später in weiteren Ländern und Sprachen übernommen. Rückblickend war sie weit mehr als eine gelungene Inszenierung. Sie lieferte Rexer den Beweis, dass eine gute Idee, wenn sie präzise entwickelt und professionell umgesetzt wird, ein Eigenleben entfalten kann.
Zum Schritt in die Selbstständigkeit ermutigte ihn auch der St.Galler Unternehmer Jan Martel. Die beiden begegneten sich bei einer Theaterführung. «Er gab mir Raum und die Möglichkeit, Ideen auszuprobieren», sagt Rexer. Der Satz klingt im Rückblick beinahe wie ein frühes unternehmerisches Programm: ausprobieren, beobachten, verbessern und erst dann vergrössern.
Aus einer Idee entsteht ein Unternehmen
Um 2010 entstanden fast gleichzeitig die beiden Säulen, die Rexers Arbeit bis heute tragen: die Schlossfestspiele Hagenwil und die Dinnerevents.
Im Wasserschloss Hagenwil bei Amriswil baute Rexer ein Sommerfestival auf, das Klassiker, Komödien und Familientheater miteinander verbindet. 2026 findet bereits die 17. Spielzeit statt. Auf dem Programm steht Molières «Der Geizige» mit Bruno Riedl in der Rolle des Harpagon. Walter Andreas Müller, WAM, begleitet die Schlossfestspiele als Patron. Mit Produktionen wie «Mord im Orientexpress» gelangen dem Team zudem Inszenierungen mit besonderem Ereignischarakter.
Parallel dazu entwickelte sich aus den Dinnershows ein zweites Unternehmen. Mehr als 1000 Dinnerevents hat Rexer mit seiner Crew nach eigenen Angaben inzwischen konzipiert oder umgesetzt, teilweise auch mehrsprachig. Gespielt wurde nicht nur in Restaurants und Hotels, sondern ebenso an Orten, die selbst bereits eine Bühne darstellen: im historischen Prestige Continental Express, auf Schiffen auf dem Bodensee und dem Zugersee sowie auf Berggipfeln in Arosa und Zermatt.
Rund 17 Partnerlokale gehören heute zum Netzwerk. Die Spielorte reichen von der Ostschweiz über Bern bis nach Davos. Damit aus einer Theateridee ein verlässlich funktionierendes Erlebnis wird, braucht es nicht nur Schauspieler, sondern auch eingespielte Abläufe, geeignete Räume, Technik, Logistik und Gastgeber, die das Format mittragen.
«Professionelles Live-Theater» ist bei Rexer deshalb weniger ein Werbesatz als ein Organisationsprinzip. Dramaturgie, Kostüm, Licht, Ton und Bühnenbild werden nicht für jeden Abend neu erfunden, müssen aber für jeden Spielort neu zusammengesetzt und angepasst werden.
Langjährige Partner wie Kostümdesignerin Barbara Bernhardt, Licht- und Tontechniker Marco Scandola und Bühnenbildner Peter Affentranger geben dem Betrieb Kontinuität. Für Rexer ist dieses Team die Voraussetzung dafür, dass aus einer guten Idee zuverlässig ein guter Abend wird. Kreativität allein genügt nicht. Sie braucht Menschen, die sie mittragen und unter wechselnden Bedingungen in gleichbleibender Qualität umsetzen können.
Die Kunst des Organisierens
Dass Rexer grosse Projekte nicht nur künstlerisch, sondern auch organisatorisch führen kann, zeigte sich 2011 und 2012 beim 100-Jahr-Jubiläum des Suvretta House in St. Moritz. Als Gesamtprojektleiter entwickelte er ein Jubiläumsprojekt, das Show, Film und weitere Formate miteinander verband. Die Bühnenproduktion ging später auf Europatournee.
Für die künstlerische Umsetzung arbeitete Rexer unter anderem mit Ted Scapa sowie Klaus und Nicolas Doldinger zusammen. Solche Aufträge sind für ihn besonders interessant, weil sie seine beiden Welten unmittelbar zusammenführen: die kreative Idee und die belastbare Produktion.
Zu den ungewöhnlicheren Stationen seiner Laufbahn gehören die Gestaltung des 80. Geburtstags von Dieter Hallervorden im Schlosspark Theater Berlin sowie Regie- und Moderationsaufgaben rund um eine 1.-August-Feier auf dem Rütli.
Das mag zunächst wie eine Sammlung prominenter Namen und besonderer Schauplätze klingen. Als Unternehmerbiografie betrachtet, ist es jedoch vor allem eine Folge sehr unterschiedlicher Auftragssituationen. Ein Grandhotel funktioniert anders als ein Theater, ein Firmenjubiläum anders als eine Dinnershow, ein öffentlicher Staatsakt anders als ein Comedyabend. Wer in all diesen Räumen bestehen will, muss sich anpassen können, ohne beliebig zu werden.
Ein Künstler, der sich nicht wegdelegieren lässt
Gerade weil sein Betrieb gewachsen ist, bleibt Rexers eigene Bühnenarbeit für ihn wichtig. Er wurde als «erster Schweizer Kabarettist aus Deutschland» bekannt, gewann beim 16. Swiss Comedy Award den Jurypreis und den zweiten Publikumspreis und wurde als Kulturpreisträger ausgezeichnet.
Sein Regisseur Paul Steinmann ermutigte ihn, weniger nach erfundenen Pointen zu suchen und stärker auf das eigene Leben zu vertrauen. Das Material dafür lag ohnehin direkt vor ihm: Begegnungen mit Roger Federer, Yann Sommer, AC/DC oder Bundesräten, verbunden mit den kleinen kulturellen Missverständnissen eines Schwaben, der Schweizer wurde.
So entstand ein Stil, der nicht von einer erfundenen Kunstfigur lebt, sondern vom genauen Blick auf Situationen. Beim Einbürgerungstest sollte Rexer drei «Gerichte» nennen und antwortete pflichtbewusst mit Fondue, Raclette und Rösti. Gefragt waren allerdings Instanzen der Judikative. Aus einer peinlichen Sekunde entstand später Bühnenmaterial.
Auch sein Satz an den damaligen Bundespräsidenten Alain Berset, «Schaffsch du au do?», gehört in diese Kategorie. Die Komik entsteht als Nebenprodukt einer gewissen Unerschrockenheit und der Fähigkeit, eine Alltagssituation im richtigen Moment als Geschichte zu erkennen.
Im November 2026 zeigt Rexer zwei Try-outs von «Rexersize», bevor das Programm 2027 auf Schweiztour gehen soll. Damit setzt er bewusst einen Kontrapunkt zum grossen Ensemblebetrieb.
Ein Soloprogramm ist wirtschaftlich kleiner, künstlerisch aber gnadenloser. Kein aufwendiges Bühnenbild, keine grosse Besetzung und kein Dinner können einen schwachen Moment überdecken. Für einen Unternehmer, der gewohnt ist, Aufgaben zu verteilen und Teams zu führen, ist dies beinahe die radikalste Form der Rückkehr zum eigenen Handwerk.
Nicht jede Idee muss auf die klassische Bühne
Rexers Unternehmertum beschränkt sich längst nicht mehr auf Theaterproduktionen. Gemeinsam mit Andreas Müller und Kameramann Joel Reisinger entwickelte er «Siijuu – die Scheinwand», eine Idee zwischen Live-Performance, Video und überraschender Begegnung.
Beim Thurgauer Kulturwettbewerb «Ratartouille» gewann das Projekt 2023 den mit CHF 100’000 dotierten Preis. Die Auszeichnung machte sichtbar, dass Rexers Verständnis von Inszenierung weit über die klassische Theaterbühne hinausgeht.
Dazu kommen Coachings und Kommunikationskurse für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Rexer schreibt Reden, entwickelt Konzepte und veröffentlicht eine Kolumne. Das gemeinsame Prinzip bleibt immer dasselbe: Wirkung entsteht nicht allein durch den Inhalt, sondern ebenso durch Dramaturgie, Timing und Präsenz.
Auch Reisen betrachtet Rexer als Arbeitsform. 2026 verbrachte er mit seiner Frau und den drei Kindern mehrere Wochen in Indien. Schreiben und Yoga gehörten dort zum Alltag. Zwei Buchideen seien aus dieser Zeit hervorgegangen.
Für einen Mann, dessen Terminkalender zwischen Premieren, Firmenanlässen, Proben und eigenen Auftritten wechselt, ist das beinahe folgerichtig. Kreativität findet nicht nur im Büro statt. Damit aus einer Idee aber ein Projekt entsteht, muss sie irgendwann in einen konkreten Plan übersetzt werden.
Was Unternehmen bei Florian Rexer buchen
Wer Rexer heute für eine Weihnachtsfeier, ein Jubiläum oder einen privaten Anlass engagiert, bucht deshalb nicht einfach «einen Comedian». Grundsätzlich stehen zwei unterschiedliche Angebote zur Verfügung: der Einzelkünstler Florian Rexer als Comedian, Moderator oder massgeschneiderter Showact sowie das Unternehmen mit Ensemble, Regie und kompletter Dinnershow.
Bei grösseren Anlässen können beide Bereiche ineinandergreifen. Genau darin liegt die Stärke seines Modells: Derjenige, der auf der Bühne aus eigener Erfahrung weiss, wie sich ein Raum anfühlt und wie ein Publikum reagiert, entscheidet zugleich darüber, wie der gesamte Abend aufgebaut wird.
Für 2026 und 2027 sind unter anderem Krimidinner im Umfeld des FC St.Gallen geplant. Für 2027 arbeitet Rexer ausserdem an einem neuen Unterhaltungskonzept im Belle-Époque-Hotel Vitznauerhof am Vierwaldstättersee. Inspiriert wurde das Projekt von Eindrücken aus New York.
Auch dieses Vorhaben ist typisch für seine Arbeitsweise: Am Anfang stehen ein bereits bestehender Ort, eine neue dramaturgische Idee und die Frage, wie daraus ein Erlebnis entstehen kann, das wirtschaftlich funktioniert, ohne wie ein standardisiertes Eventprodukt zu wirken.
Die eigentliche Leistung liegt zwischen den Rollen
Vielleicht erklärt dieses Modell auch, weshalb sich Florian Rexer nie eindeutig einordnen liess. Schauspieler? Ja. Regisseur? Ebenso. Comedian, Theaterleiter, Produzent, Coach, Autor und Unternehmer? Alles richtig und für sich allein doch zu wenig.
Die interessante Geschichte liegt nicht in der Vielzahl der Titel, sondern in der Fähigkeit, zwischen den unterschiedlichen Rollen zu wechseln. Ein Künstler darf im richtigen Moment verschwenderisch denken. Ein Unternehmer muss im richtigen Moment begrenzen. Ein Ensembleleiter muss anderen Raum geben. Ein Solist muss diesen Raum selbst füllen.
Rexer versucht seit Jahren, diese Widersprüche nicht aufzulösen, sondern produktiv zu machen. Daraus sind ein Unternehmen, mehr als 50 Inszenierungen, über tausend Dinnerabende und eine eigene Bühnenkarriere entstanden. Das ist weniger das Ergebnis eines geradlinigen Karriereplans als einer konsequent weiterentwickelten Idee: Menschen zusammenzubringen und ihnen für einige Stunden eine Geschichte zu geben.
Einmal, erzählt Rexer, habe er Pater Anselm Grün während einer kleinen Lebenskrise gesagt, er könne eigentlich nichts anderes, als Menschen zum Lachen zu bringen. Grün habe ihm geraten, genau damit beherzt weiterzumachen.
Florian Rexer hat diesen Rat offenbar wörtlich genommen. Inzwischen hat er allerdings gelernt, für das Lachen nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.
Information und Buchung: www.rexer.ch
Dinnerevents sowie Firmen- und Familienanlässe: www.dinnerevents.ch