Gast-Kommentar

«Angst ist keine Anlagestrategie»

«Angst ist keine Anlagestrategie»
Ein wichtiger struktureller Wachstumstreiber bleibt die künstliche Intelligenz
Lesezeit: 3 Minuten

Iran-Konflikt, Zinsdruck und schwankende Kurse: Wer nur auf die Risiken schaut, übersieht die Chancen. Christian Mair, Partner der St.Galler Sirius Vermögensverwaltung AG, plädiert für einen kühlen Kopf und ein breit aufgestelltes Portfolio. Seine Devise: diszipliniert investiert bleiben, Obligationen gezielt aufbauen und Reserven für Kaufgelegenheiten halten.

Text: Christian Mair

An Gründen zur Verunsicherung mangelt es Anlegern derzeit nicht. Der anhaltende Iran-Konflikt, höhere Ölpreise und der erneute Zinsauftrieb belasten die Stimmung. Gleichzeitig liefern Unternehmen solide Gewinne, und die Wirtschaft erweist sich als widerstandsfähig. Das dritte Quartal 2026 stand damit im Zeichen gegenläufiger Kräfte.

Gerade in einem solchen Umfeld kommt es darauf an, Risiken und Chancen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Wer seine Anlageentscheide allein von den jüngsten Krisenmeldungen abhängig macht, verliert leicht die wirtschaftlichen Grundlagen aus den Augen. Für mich bleiben diese entscheidend.

Die Wirtschaft hält dagegen

Die industrielle Aktivität in den USA und die solide Wachstumsdynamik in Asien sprechen weiterhin für wirtschaftliche Widerstandskraft. Auch aus dem Euroraum kommen ermutigende Signale: Die Einkaufsmanagerumfragen zeigen eine beschleunigte Expansion. Besonders die Industrie erlebt ihre stärkste Wachstumsphase seit mehr als vier Jahren.

Das beseitigt die geopolitischen Risiken nicht. Es erklärt aber, weshalb die Aktienmärkte trotz des schwierigen Umfelds Unterstützung finden. Solange sich keine deutliche Konjunkturabschwächung abzeichnet und die Unternehmen ihre Ertragskraft behaupten, sehe ich gute Gründe, an Aktien festzuhalten.

Entscheidend ist dabei die Bereitschaft, die eigene Einschätzung laufend zu überprüfen. Verdichten sich die Anzeichen einer wirtschaftlichen Eintrübung, muss sich das auch in der Portfoliostruktur niederschlagen.

Autor Christian Mair
Autor Christian Mair

Obligationen verdienen wieder Aufmerksamkeit

Das höhere Zinsniveau hat für Anleger zwei Seiten. Es verteuert die Finanzierung und setzt die Bewertung von Aktien unter Druck. Gleichzeitig eröffnet es bei Obligationen wieder attraktivere Ertragsmöglichkeiten. Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen im September erneut angehoben. Auch die US-Notenbank erhöhte den Leitzins.

Damit lohnt sich ein genauerer Blick auf diesen Portfoliobaustein. Ein gezielter Aufbau von Obligationen kann laufende Erträge liefern und die Abhängigkeit von den Aktienmärkten verringern. Qualität, Laufzeit und Währung müssen dabei zur jeweiligen Anlagestrategie passen.

Die Frage lautet deshalb für mich, welche Mischung unter den veränderten Bedingungen sinnvoll ist. Höhere Zinsen schaffen Spielraum, das Portfolio ausgewogener aufzustellen.

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Hinter dem KI-Boom steckt reale Nachfrage

Ein wichtiger struktureller Wachstumstreiber bleibt die künstliche Intelligenz. Ihre Nutzung nimmt zu, während die Kosten pro Verarbeitungseinheit sinken. Dadurch werden zusätzliche Anwendungen wirtschaftlich interessant. Für die führenden Technologieunternehmen entstehen daraus erhebliche Umsatz- und Gewinnchancen.

Auch für 2027 rechnen Analysten mit weiter steigenden KI-Investitionen. Zugleich erweitert sich das Spektrum der Anwendungen: KI-Agenten übernehmen zunehmend Aufgaben, intelligente Brillen erschliessen neue Einsatzmöglichkeiten. Ein Beispiel ist der von Meta vorgestellte persönliche KI-Agent Muse. Solche Entwicklungen zeigen, wie die Technologie Schritt für Schritt im Alltag ankommt.

Die Kurskorrekturen im Technologiesektor im Juni und Juli bewerte ich vor diesem Hintergrund als Konsolidierung. Die im September wieder anziehenden Notierungen stützen diese Einschätzung. Dennoch ersetzt ein überzeugender Technologietrend keine sorgfältige Prüfung der einzelnen Unternehmen und ihrer Bewertung.

Disziplin schlägt hektische Kurswechsel

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