Gast-Kommentar

«Wo bleiben die Einschusslöcher?»

«Wo bleiben die Einschusslöcher?»
Autor Fredy Hasenmaile
Lesezeit: 2 Minuten

Die Zinsen steigen kräftig, doch die Aktienmärkte zeigen sich erstaunlich unbeeindruckt. Hinter den robusten Kursen wachsen allerdings die Risiken. Höhere Gewinnerwartungen und starke Technologietitel verdecken, wie sehr sich die Bedingungen für Unternehmen und Anleger bereits verschlechtert haben.

Text: Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz

Warum halten sie sich trotzdem so gut?

Weil steigende Gewinnerwartungen bisher vieles auffangen. Anleger bezahlen bereits weniger für jeden Dollar erwarteten Gewinns: Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind gesunken. Dass die Indizes dennoch kaum nachgeben, verdeckt diese Korrektur. Im September überlagerte im S&P 500 die starke Entwicklung der grossen Technologiekonzerne die Schwäche vieler anderer Aktien.

Damit hängt viel an der Hoffnung auf weiter steigende Gewinne. Doch angesichts höherer Kosten wird es schwieriger, die Erwartungen nochmals nach oben zu schrauben. Werden sie enttäuscht, dürften auch die Kurse nachgeben.

Erste deutliche Spuren zeigen sich andernorts. Frankreichs Staatsfinanzen geraten zunehmend ins Visier der Anleger. Hohe Schulden, ein beträchtliches Haushaltsdefizit und politische Unsicherheit nähren Zweifel an der fiskalischen Glaubwürdigkeit. Der wachsende Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen ist ein Warnsignal.

Auch die erneute Flucht in den Schweizer Franken spricht für steigende Nervosität. Anleger suchen wieder Sicherheit. Die bislang robuste Entwicklung der Aktienmärkte sollte deshalb niemanden in falscher Sicherheit wiegen. Die eigentliche Belastungsprobe könnte den Börsen erst noch bevorstehen.

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