Gast-Kommentar

«Grosses Potenzial für Gold beim nächsten Rebound»

«Grosses Potenzial für Gold beim nächsten Rebound»
Der Goldpreis hat nach einem Anstieg gegen Ende August im Verlauf des Septembers wieder nachgelassen
Lesezeit: 7 Minuten

Die Wirtschaftslage in der Schweiz, Europa und den USA ist gar nicht so schlecht. Während die Schweiz noch verschont geblieben ist, hat die starke Inflation dies- und jenseits des Atlantiks aber zu Zinserhöhungen bei den Zentralbanken geführt. Dies hat dem Goldpreis zugesetzt. Der Verlauf der Teuerung hängt nun wesentlich von der Entwicklung des Iran-Kriegs ab. Sobald das Risiko weiterer Zinserhöhungen eingepreist ist, bringt der nächste Rebound neues Potenzial für Gold.

Text: Christian Brenner, Geschäftsführer Philoro Schweiz AG

Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete die Schweiz ein aussergewöhnliches Wachstum des bereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Zusammenhang mit Sportevents, das um beeindruckende 1,5 Prozent anstieg. Infolgedessen hat die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes ihre Prognose für das Schweizer Wirtschaftswachstum angehoben.

Laut einer Mitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) erwartet sie nun für 2026 ein Wachstum von 1,7 Prozent, eine deutliche Steigerung gegenüber der Prognose von 0,9 Prozent im Juni. Die Voraussage für 2027 bleibt mit 1,6 Prozent unverändert.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erwartet in der Schweiz nun ein höheres Wirtschaftswachstum.

Die Ökonomen des KOF-Instituts der ETH Zürich blickten Ende September deutlich optimistischer auf die Schweizer Wirtschaft als noch vor einigen Monaten. Gleichzeitig bleiben die Aussichten für den Arbeitsmarkt ein Unsicherheitsfaktor – auch wegen der zunehmenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz. Gemäss KOF dürfte das Schweizer BIP in diesem Jahr ohne Berücksichtigung internationaler Sportereignisse um 1,9 Prozent wachsen.

Noch im Sommer hatten die Ökonomen lediglich mit einem Wachstum von 0,8 Prozent gerechnet. Für 2027 und 2028 erwarten sie jeweils ein Plus von 1,7 Prozent. Die letzte OECD-Wirtschaftsprognose für die Schweiz erwartet ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,0 Prozent im Jahr 2026 und 1,4 Prozent im Jahr 2027, nach 1,6 Prozent im Jahr 2025.

Benzin und andere Erdölprodukte heizen die Teuerung in der Schweiz an
Benzin und andere Erdölprodukte heizen die Teuerung in der Schweiz an

In der Schweiz sind die Konsumentenpreise im August 2026 gegenüber August 2025 um 0,8 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat Juli 2026 erhöhten sie sich um 0,4 Prozent. Wie in den anderen Ländern verzeichneten Erdölprodukte mit +9,0 Prozent (gegenüber August 2025 +25,2%) den stärksten Anstieg.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins per 25. September erneut unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Aus Sicht der SNB bleibt der Teuerungsdruck gedämpft, zudem soll die heimische Konjunktur und die Stabilität am Devisenmarkt gewährt werden.

OD  OTS 2026  

Die Wirtschaft in Europa zieht derzeit wieder an

Eurostat, das Statistikamt der Europäischen Union, meldet für das zweite Quartal 2026 einen Anstieg des saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal. Im Euro-Raum legte das BIP um 0,6 Prozent, in der gesamten EU um 0,7 Prozent zu.

Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch bei 0,0 Prozent im Euro-Raum und 0,1 Prozent in der EU gelegen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 stieg das saisonbereinigte BIP im Euro-Raum um 1,2 Prozent und in der EU um 1,4 Prozent. Im Vorquartal waren die Zuwächse mit 0,6 Prozent im Euro-Raum und 0,9 Prozent in der EU noch deutlich schwächer ausgefallen.

Die privaten Konsumausgaben haben in Europa stark zum Wirtschaftswachstum beigetragen
Die privaten Konsumausgaben haben in Europa stark zum Wirtschaftswachstum beigetragen

Eurostat stellt fest, dass die privaten Konsumausgaben im zweiten Quartal sowohl im Euro-Raum als auch in der EU positiv zum Wachstum beitrugen, jeweils mit 0,2 Prozentpunkten. Die staatlichen Konsumausgaben spielten in beiden Regionen kaum eine Rolle. Auch die Bruttoanlageinvestitionen waren im Euro-Raum nahezu unverändert; in der gesamten EU stiegen sie um 0,1 Prozentpunkte.

Auf Basis saisonbereinigter Zahlen schätzt Eurostat, dass im zweiten Quartal 221,4 Millionen Menschen in der EU beschäftigt waren, davon 176,4 Millionen im Euro-Raum. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Vergleich zum Vorquartal sowohl im Euro-Raum als auch in der EU um 0,1 Prozentpunkte. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 erhöhte sich die Beschäftigung im Euro-Raum um 0,5 Prozent und in der gesamten EU um 0,4 Prozent.

Die Inflation in der Europäischen Union stieg im August 2026 auf 3,2 Prozent nach 3,0 Prozent im Juli. Im Vorjahr hatte der Anstieg noch 2,4 Prozent betragen. Im Euro-Raum stieg die Inflationsrate im August auf 3,2 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Vor einem Jahr hatte sie bei 2,0 Prozent gelegen.

Lichterzauber  
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im September den Leitzins um 0,25 Prozent erhöht
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im September den Leitzins um 0,25 Prozent erhöht

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrem jüngsten Zinsentscheid vom 10. September 2026 die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Die Zinserhöhung begründete die EZB vor allem mit dem anhaltenden Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten und steigender Energiepreise.

Die EZB geht davon aus, dass die Inflation noch längere Zeit über ihrem Ziel von 2 Prozent liegen wird. Für 2026 erwartet sie inzwischen eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent und ein Wirtschaftswachstum im Euro-Raum von 0,9 Prozent.

Gute Wirtschaftslage der USA vom Konsum getragen

Das U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA) schätzte Ende September für das zweite Quartal 2026 das annualisierte BIP-Wachstum auf 2,2 Prozent. Für das erste Quartal wurde noch ein Wachstum von 2,5 Prozent angenommen. Das jüngste Wachstum wurde vor allem von Konsumausgaben, Investitionen und Exporten getragen. Gleichzeitig stiegen die Importe, die in der BIP-Berechnung als Abzug wirken.

Besonders interessant ist der private Konsum: Die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen im zweiten Quartal annualisiert um 3,8 Prozent. Das deutet darauf hin, dass die US-Konjunktur weiterhin wesentlich vom Konsum getragen wird. Die US-Wirtschaft präsentiert sich aktuell einigermassen robust. Nach dem schwächeren Wachstum Ende 2025 hat sich die Dynamik 2026 wieder etwas stabilisiert.

Auch die US-Notenbank Fed hat sich für eine Leitzinserhöhung um 0,25 Prozent entschieden
Auch die US-Notenbank Fed hat sich für eine Leitzinserhöhung um 0,25 Prozent entschieden

Der erneute Anstieg der Preise fossiler Energieträger im August hat die Inflation erneut angeheizt. Nach Angaben des US Bureau of Labor Statistics (BLS) lag die Teuerung im August bei 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins bei ihrem jüngsten Zinsentscheid vom 16. September 2026 denn auch um 0,25 Prozentpunkte auf eine Zielspanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Es war die erste Zinserhöhung seit Juli 2023.

Die Fed begründete den Schritt mit der weiterhin soliden Entwicklung der US-Wirtschaft und der Tatsache, dass die Inflation nach wie vor über dem Zielwert von 2 Prozent liegt. Gleichzeitig richtet die Notenbank ihren Blick verstärkt auf den Arbeitsmarkt. Der nächste Zinsentscheid steht am 28. Oktober an.

La Culina  

In den USA lag die Teuerung wegen dem gestiegenen Ölpreis im August bei satten 3,4 Prozent.

Auch Ende September zeigten sich keine Anzeichen einer Beruhigung der Krisen rund um die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten. Im Nahen Osten waren die vorrückenden Huthis und ihre Massnahmen gegen Saudi-Arabien sowie gegen die Meerenge am Eingang zum Roten Meer zu einem zusätzlichen Problem geworden.

Auch die Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf Israel und dessen Vergeltungsmassnahmen hielten an. In der Ukraine dominierten weiterhin russische Angriffe mit Drohnen und Raketen auf zivile Ziele, während ukrainische Drohnen ihre Angriffe auf Logistikzentren und Raffinerien im russischen Staatsgebiet verstärkten. Beide Krisen bereiten der Weltwirtschaft zunehmend.

Goldpreis hat sich mit neuem Potenzial aufgeladen

Der Goldpreis hat nach einem Anstieg gegen Ende August im Verlauf des Septembers wieder nachgelassen. Dies hat in erster Linie mit dem Zinsanstieg in den USA zu tun, den Fed-Chef Kevin Warsh durch die Blume schon vorzeitig angekündigt hatte.

Hohe Zinsen sind bekanntlich schlecht für Gold, weil es in Konkurrenz zu zinsbringenden Anlagemöglichkeiten wie Staatsanleihen steht. Ende September kostet eine Unze Gold 3'473.47 Schweizer Franken. Damit hat das Edelmetall binnen Monatsfrist um 3,88 Prozent nachgegeben – eine Grössenordnung, die keineswegs ungewöhnlich ist.

Nicht nur für den Staat, sondern auch im Privatbereich hat Gold in China einen hohen Stellenwert
Nicht nur für den Staat, sondern auch im Privatbereich hat Gold in China einen hohen Stellenwert

Trotz der Schwankungen beim Goldpreis bleiben die Zentralbanken auf der Käuferseite. Im Juli stockten sie ihre Bestände netto um 23 Tonnen auf. Besonders aktiv zeigte sich erneut die People’s Bank of China, die ihre Reserven im Monatsverlauf um 20 Tonnen erhöhte. Chinas Goldbestand beläuft sich damit inzwischen auf 2'366 Tonnen.

Seit Jahresbeginn gehört China damit weiterhin zu den wichtigsten staatlichen Goldkäufern. An der Spitze liegt Polen. Die polnische Nationalbank erwarb im Juli weitere 8 Tonnen Gold und hat ihre Reserven seit Jahresbeginn um 90 Tonnen ausgebaut. Insgesamt hält Polen inzwischen 640 Tonnen Gold.

Auf der Verkäuferseite standen vor allem Russland und die Türkei. Die russische Zentralbank setzte ihre Nettoverkäufe fort und gab im Juli weitere 6 Tonnen Gold ab. Seit Jahresbeginn summieren sich die russischen Verkäufe auf 50 Tonnen; der Bestand sank dadurch auf 2'277 Tonnen. Die türkische Zentralbank verkaufte im Juli 1 Tonne Gold, seit Jahresbeginn belaufen sich die Verkäufe auf 85 Tonnen.

Der Bestand an Gold-ETFs verzeichnete im August wiederum eine deutliche Steigerung.

Gold-ETFs verzeichneten im August deutliche Zuflüsse. In den Vereinigten Staaten erhöhten sich die Bestände um 53,3 Tonnen, in Europa ebenfalls um 53,3 Tonnen. Asien kam auf zusätzliche 13,3 Tonnen. Insgesamt wurden rund 120 Tonnen Gold neu über ETFs abgedeckt.

Trotz einer gewissen Volatilität in letzter Zeit ist Gold nie merklich unter die psychologisch wichtige Marke von 4'000 Dollar je Unze gesunken. Aus charttechnischer Sicht ist das Edelmetall damit interessant. Die Rücksetzer, die Gold seit Anfang dieses Jahres hatte, haben das gelbe Edelmetall mit viel Potenzial nach oben aufgeladen. Die jüngste Zinserhöhung US-Notenbank könnte bald eingepreist sein, womit sich ein Rebound einstellen sollte.

Anleger dürfen sich beim Goldpreis auf den nächsten Rebound freuen – es besteht grosses Potenzial
Anleger dürfen sich beim Goldpreis auf den nächsten Rebound freuen – es besteht grosses Potenzial

Die Grossbanken sind derzeit mit Prognosen zurückhaltend. Goldman Sachs äusserte Ende August eine Prognose von 4'900 US-Dollar pro Feinunze Gold bis Ende 2026. Die Bank begründet sie vor allem mit der anhaltenden Nachfrage der Zentralbanken und einer erwarteten Erholung der privaten ETF-Nachfrage. Man darf gespannt sein, wohin es der Goldpreis bis Ende Jahr schafft.

Apropos gespannt sein: In Deutschland beschäftigt aktuell ein aussergewöhnlicher Spionagefall die Öffentlichkeit, der das Vertrauen in den Staat ins Wanken bringt – und zwar deshalb, weil ausgerechnet ein ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes im Zentrum der Ermittlungen steht. Für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Unabhängig vom Ausgang zeigt der Fall etwas Grundsätzliches: Vertrauen braucht Jahre, um zu entstehen – und manchmal nur einen Augenblick, um verloren zu gehen. Das gilt für Staaten genauso wie für Unternehmen, Partnerschaften und persönliche Beziehungen. Geld kann man zurückverdienen, Vertrauen nicht immer.

Ich wünsche Ihnen eine Woche, in der Sie daran denken: Vertrauen ist vielleicht eine der wertvollsten Währung, die wir besitzen.

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

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