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Goldnachfrage bleibt hoch

Goldnachfrage bleibt hoch
Das World Gold Council rechnet damit, dass Anlagegold auch in der zweiten Jahreshälfte der wichtigste Treiber des Nachfragewachstums bleiben wird
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Die weltweite Goldnachfrage hat sich im zweiten Quartal stabilisiert. Der Wert des gelben Edelmetalls nahm jedoch stark ab. Insgesamt lag die Nachfrage nach Gold im zweiten Quartal bei 1269 Tonnen, was nur leicht über dem Vorjahreswert liegt. Der Wittenbacher Edelmetallhändler Philoro schätzt, dass der Goldpreis nach der jüngsten Abwärtsbewegung nun einen Boden finden und sich schrittweise erholen dürfte.

Text: pd/stz.

Die Zentralbanken tätigten im zweiten Quartal umfangreiche Goldkäufe in Höhe von 289 Tonnen, was satten 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal entspricht. Gold-ETFs standen im zweiten Quartal unter Verkaufsdruck (–45 Tonnen). Die moderaten Mittelabflüsse waren eine Reaktion auf den schwächeren Goldpreis sowie – insbesondere in Nordamerika – auf nach oben korrigierte Erwartungen hinsichtlich Inflation und Zinssätzen sowie auf einen stärkeren US-Dollar, wie das WGC mitteilt.

Die Investitionen in Goldbarren und -münzen blieben im zweiten Quartal mit 307 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr stabil. Dies deutet auf eine Rückkehr zu einem normaleren Kaufverhalten nach zwei aussergewöhnlich starken Quartalen hin. Zu den Ländern mit besonders hoher Nachfrage nach Anlagegold gehören nach wie vor Indien mit 50 Tonnen (+9 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und China mit 107 Tonnen (–7 Prozent).

Auch der Mittlere Osten und Russland sind grosse Abnehmer von Anlageprodukten aus Gold. Im Konfliktland Iran hingegen ist die Nachfrage um 53 Prozent auf 6 Tonnen gesunken. In Europa hat die Nachfrage gemäss Statistik um 27 Prozent auf 22 Tonnen abgenommen, in der Schweiz sogar um 57 Prozent auf 3 Tonnen.

Umfangreichere Warenkörbe und grössere Stückelungen

Der Edelmetallhändler Philoro spürte den vom World Gold Council (WGC) in ihrem aktuellen Report verbuchten statistischen Rücksetzer allerdings nicht. Vielmehr verzeichnete Philoro Schweiz beim Verkauf von Barren und Münzen aus Gold und Silber im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Umsatzsteigerung. Die Anzahl der Transaktionen ging zwar zurück, die Warenkörbe wurden jedoch erheblich grösser. Selbst im Privatkundengeschäft stieg der durchschnittliche Warenkorb um gut 42 Prozent. Auch bei den Stückelungen zeigt sich, dass Gold- und Silberbarren gegenüber Münzen an Bedeutung gewonnen haben.

Gemessen an der verkauften Stückzahl war bei den Goldmünzen das 20-Franken-Goldvreneli am beliebtesten, gefolgt vom Krügerrand und vom Wiener Philharmoniker mit jeweils 1 Unze. Ebenfalls gemessen an der Stückzahl war beim Silber der Maple Leaf mit einer Unze am meisten gefragt.

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Philoro-CEO Christian Brenner
Philoro-CEO Christian Brenner

Privatkunden profitieren beim Verkauf von altem Schmuck

Beim Ankauf von Gold und Silber hat der Anteil von Altgold und Altsilber in Form von Schmuck, Silberbesteck, Dentalgold und Ähnlichem bei Philoro im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen, während der Ankauf von Anlageprodukten in Form von Münzen und Barren zurückgegangen ist. Über einen längeren Zeitraum betrachtet befinden sich die Edelmetallpreise weiterhin auf einem hohen Niveau. Dies wurde von Privatkunden eher dazu genutzt, sich von altem Schmuck zu trennen, als ihre Anlagemünzen zu verkaufen.

Geht es um den Kauf von neuem Schmuck, so fiel die weltweite Nachfrage laut World Gold Council mit 278 Tonnen im zweiten Quartal dieses Jahres auf das niedrigste Quartalsvolumen seit der Pandemie. Ursache dafür waren die hohen Goldpreise und der anhaltende Inflationsdruck, welche die Erschwinglichkeit weiter einschränkten. Der Goldverbrauch in der Technologiebranche legte leicht auf 80 Tonnen zu (+2 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Die steigende Nachfrage im Zusammenhang mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) konnte die Schwäche im Markt für Unterhaltungselektronik ausgleichen.

Das zweite Quartal war für den Goldpreis das schwächste seit über einem Jahrzehnt. Nach einer Rekordserie bis Ende Januar kam es zu einer deutlichen Korrektur, ausgelöst vor allem durch die Erwartung steigender Zinsen und die Auflösung spekulativer Positionen. Die physische Nachfrage nach Gold blieb dabei robust; Zentralbanken und Privatanleger kauften weiter zu. Aus Sicht von Philoro handelte es sich um eine Bereinigung des spekulativ aufgeblähten Papiermarktes in den USA. Physisch blieb die Nachfrage auf einer gesunden Basis.

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Goldpreis dürfte nach Abwärtsbewegung einen Boden finden

Seit dem Junitief hat sich der Preis stabilisiert, und die Marke von 4000 US-Dollar beziehungsweise 3000 Schweizer Franken pro Feinunze konnte sich behaupten. Die Erholung kam ohne geopolitischen Auslöser, also aus einer organischen Nachfrage heraus. «Unsere Einschätzung seit Juni ist, dass die Abwärtsbewegung einen Boden finden könnte», sagt Christian Brenner, CEO von Philoro. «Es könnte bald schrittweise eine Erholung folgen», ergänzt er.

Kurzfristig bleibt die Geldpolitik der bestimmende Faktor, langfristig ist das Bild unverändert: Zentralbanken bauen ihre Reserven weiter aus, und die Verschuldung der grossen Industriestaaten bleibt ungelöst. «Wer Gold als Versicherung hält, darf mit gutem Gewissen bei dieser Strategie bleiben», erklärt Edelmetallexperte Brenner und ergänzt: «Edelmetalle sollte man nicht anlassbezogen kaufen, obgleich jetzt vermutlich ein guter Zeitpunkt für Zukäufe ist.»

«Blickt man auf das vergangene Quartal, zeigt sich zwar eine Abkühlung, doch der Rückblick über ein ganzes Jahr lässt die grundsätzliche Richtung des Goldpreises erkennen», betont Christian Brenner von Philoro. Am Ende des zweiten Quartals 2026 lag der Goldpreis bei 4015.51 US-Dollar beziehungsweise 3241 Schweizer Franken pro Unze. Ein Jahr zuvor war der Wert des gelben Edelmetalls jedoch deutlich tiefer, womit in US-Dollar eine Rendite von 21,6 Prozent resultierte und in Schweizer Franken sogar eine solche von 23,5 Prozent. «Aktuell sehen wir noch keine Trendwende, aber eine Normalisierung auf einem weiterhin hohen Marktniveau», so Brenner.

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Grossbanken rechnen langfristig mit steigendem Goldpreis

Die Grossbanken haben ihre Goldpreisprognosen zwar etwas zurückgestuft, erwarten aber auf lange Sicht einen Preisanstieg beim gelben Edelmetall. Die Spanne für das Jahresende liegt grob zwischen 4300 und 4900 US-Dollar pro Feinunze, für 2027 zwischen 5000 und 5600 US-Dollar, wobei es einzelne deutlich optimistischere Stimmen gibt.

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