40'000 feiern 100 Jahre Flugplatz Altenrhein
Text: pd/fam
100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein – dieses Jubiläum wurde drei Tage lang mit einem Programm gefeiert, das der Geschichte und der Bedeutung des Standorts mehr als gerecht wurde.
Am Samstag und Sonntag strömten die Menschen in grosser Zahl nach Altenrhein: Knapp 40'000 Besucher wurden auf dem Flugplatzgelände gezählt, am Samstag meldeten die Veranstalter um Raphael Widmer-Kaufmann vom Verein «100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein» und OK-Präsident Roland Müller «ausverkauft».
Zahlreiche Menschen verfolgten das Geschehen in der Luft auch ausserhalb des Veranstaltungsgeländes – auf den umliegenden Hügeln, am See oder zu Hause im Garten oder auf dem Balkon.
Tor zur Welt
Dass der Flugplatz weit über die Region hinaus Bedeutung hat, zeigte sich auch bei den zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Führende Vertreter aus der Ostschweiz, Vorarlberg und Liechtenstein unterstrichen bei ihrem Besuch die grenzüberschreitende Bedeutung des Standorts. «Er liegt in einer Region, die stark nach aussen orientiert ist und viel Export sowie Handel treibt.
Altenrhein ist ein Tor zur Welt und doch überschaubar und nah», sagte der Ostschweizer Regierungsrat Beat Tinner. Auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner und Liechtensteins Landtagspräsident Manfred Kaufmann würdigten die herausragende Bedeutung des Flugplatzes für die Region.
Was einst als Arbeitsplatz in schwierigen Zeiten begann, hat sich in den vergangenen 100 Jahren zu einem wichtigen Umschlagplatz für Wirtschaft, Politik und Bevölkerung entwickelt. Das Jubiläum machte diese Entwicklung sichtbar – und zeigte gleichzeitig, wie eng der Flugplatz mit den Menschen in der Region verbunden ist.
Faszinierende Patrouille Suisse
Diese Verbundenheit war während der Festtage überall spürbar. Besonders eindrücklich wurde sie bei den Flugvorführungen. Wenn die Patrouille Suisse mit ihren präzisen Formationen und perfekt choreografierten Manövern über dem Flugplatz ihre Kreise zog, blieb den Zuschauern buchstäblich der Atem weg.
Für die Schweizer Luftwaffe und ihre zahlreichen Fans war der Auftritt in Altenrhein zugleich ein emotionaler Moment: Die Patrouille Suisse war letztmals in ihrer gewohnten Formation in der Ostschweiz zu sehen. Umso grösser war die Begeisterung des Publikums.
Nach ihrem Auftritt waren die Piloten bei einer Autogramm- und Selfiestunde ganz nah bei den Besuchern. Sie mischten sich unter das Publikum und sorgten damit für Begegnungen, die vielen Gästen ebenso in Erinnerung bleiben dürften wie die spektakulären Bilder am Himmel.
Der Super Puma der Schweizer Luftwaffe zeigte eindrücklich, wie wendig und präzise er trotz seiner Grösse eingesetzt werden kann. Er erreicht eine Geschwindigkeit von rund 250 km/h, bietet Platz für bis zu 24 Menschen und kann bis zu viereinhalb Tonnen Aussenlast tragen. Angetrieben wird er von zwei Triebwerken mit je ca. 1'700–1'900 PS. Noch zwei weitere beeindruckende Zahlen: 18,7 Meter Länge und 15,6 Meter Rotordurchmesser.
Internationale Akzente setzten unter anderem die Flying Bulls mit ihren historischen Flugzeugen. Die North American P-51 Mustang und die kunstflugfähige Bo 105 gehörten zu den besonderen Attraktionen. Ebenfalls für Begisterung sorgte die Classic Formation mit der legendären DC-3 und drei Beechcraft Model 18.
Geschichte, die fliegt
Wer verstehen möchte, weshalb Altenrhein seit einem Jahrhundert ein besonderer Ort der Luftfahrt ist, findet die Antworten nicht nur am Himmel. Sondern dort, wo diese Geschichte Tag für Tag bewahrt und weitergetragen wird: im Fliegermuseum Altenrhein. Das Fliegermuseum ist weit mehr als eine Sammlung historischer Flugzeuge. Es ist das Gedächtnis des Flugplatzes.
Hier werden nicht nur Maschinen erhalten, sondern Erinnerungen, Wissen und fliegerische Traditionen. Ein Jahrhundert Schweizer Aviatik wird anhand jener Flugzeuge erzählt, die Altenrhein und seine Geschichte geprägt haben.
Das Besondere: Im Fliegermuseum bleibt Geschichte nicht am Boden. Die historischen Maschinen werden mit grosser Sorgfalt restauriert, gewartet und regelmässig geflogen. Deshalb gilt Altenrhein seit Jahren als eines der bedeutendsten fliegenden Museen Europas. Viele der fliegenden Perlen waren auch beim Jubiläum in der Luft zu erleben.
Geduld bei der Anreise
Lange Schlangen bildeten sich vor dem Flugzeug- und Fahrzeugmuseum von Bernhard Vonier, wo mit einer Sonderausstellung das Jubiläum gewürdigt wird. Lange Schlangen gab es auch bei der Anreise. Am Samstag brachte das Verkehrsaufkommen die Infrastruktur in der Region an ihre Grenzen. In guter Zusammenarbeit mit der Polizei gelang es, die Situation Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen. Am Sonntag konnte der Besucherandrang problemlos bewältigt werden.
Die Geduld lohnte sich. Darbietungen der Extraklasse waren ein sehr würdiges Geschenk zum 100. Geburtstag. Am Wochenende wurde in Altenrhein nicht nur ein Jubiläum gefeiert, sondern auch ein Stück regionaler und Schweizer Luftfahrtgeschichte.
Die grosse Beteiligung und die Begeisterung des Publikums machten dabei eines besonders deutlich: Der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein ist weit mehr als ein Ort zum Starten und Landen. Der Flugplatz gehört zur Region – und die Region steht hinter ihrem Flugplatz.