Zwischen Volksfest, Festival und Wirtschaftsmotor
Die Ostschweiz kann Grossanlässe. Von der Traditionsmesse über internationale Musikfestivals bis zum Weltklasse-Reitsport reicht das Spektrum jener Veranstaltungen, die Jahr für Jahr Zehntausende oder gar Hunderttausende Besucher anziehen. Unsere Auswertung für die Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden zeigt: Mit 335’000 Besuchern ist die OLMA die mit Abstand grösste wiederkehrende Einzelveranstaltung der Region. Als landwirtschaftlich geprägte Publikumsmesse mit starkem Erlebnischarakter vereint sie Tradition, Konsum, Politik und Networking.
Zur isolierten Wertschöpfung der OLMA liegen keine separaten Zahlen vor. Eine HSG-Wirkungsstudie bezifferte jedoch 2019 die volkswirtschaftliche Bedeutung des gesamten Portfolios der OLMA Messen St.Gallen AG auf 294 Millionen Franken Umsatz, davon 177 Millionen Franken in der Ostschweiz, sowie rund 1350 Vollzeitstellen. Die OLMA ist damit nicht nur Publikumsmagnet, sondern auch ein gewichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor.
Messen als stabile Wirtschaftssäulen
Auf Rang zwei folgt die WEGA in Weinfelden mit rund 140’000 Besuchern. Sie ist eine der wenigen Veranstaltungen, die ihre wirtschaftliche Wirkung beziffert: Rund 6,5 Millionen Franken regionaler Primär- und Sekundärumsatz pro Jahr werden kommuniziert. Damit ist sie ein zentraler Impulsgeber für Gewerbe, Detailhandel und Gastronomie im Thurgau.
Mit rund 123’000 Besuchern gehört das St.Galler Fest zu den grössten innerstädtischen Anlässen der Ostschweiz. Als frei zugängliches Stadtfest generiert es hohe Frequenzen in der Innenstadt und stärkt Gastronomie sowie Detailhandel.
Die OFFA als grosse Frühlingsmesse in St.Gallen erreichte zuletzt rund 90’000 Besucher. Die Rhema Rheintalmesse in Altstätten bewegt sich stabil im Bereich von 40’000 bis 45’000 Besuchern. Auch wenn konkrete Wertschöpfungszahlen fehlen, sind diese Formate für regionale Ausstellerkontakte, Standortbindung und Identität von zentraler Bedeutung.
Mit der Tier&Technik mit rund 32’000 Besuchern verfügt die Region zudem über eine bedeutende Fachmesse im Agrarbereich mit klarer Branchenrelevanz.
Festivals mit internationaler Strahlkraft
International am sichtbarsten ist das Openair Frauenfeld. 2025 wurden rund 102’000 Besucher gezählt, in früheren Jahren lagen die Ticketzahlen sogar noch höher. Der Veranstalter beziffert die jährliche Wertschöpfung auf rund 15 Millionen Franken. Als einer der grössten Hip-Hop-Events Europas trägt das Festival erheblich zur internationalen Wahrnehmung der Region bei.
Ebenfalls fest etabliert ist das OpenAir St.Gallen im Sittertobel mit rund 96’000 Besuchern im Jahr 2025. Mit einem Budget von rund 13 Millionen Franken bewegt sich das Festival in einer wirtschaftlichen Grössenordnung, die seine Bedeutung für Hotellerie, Gastronomie und zahlreiche Zu-lieferer unterstreicht.
Knapp ausserhalb der absoluten Spitzenränge liegt das SummerDays Festival in Arbon mit rund 24’000 Besuchern. Es gehört damit zu den grössten Musikveranstaltungen im Thurgau.
Sport und Bewegung als Publikumsmagnet
Ein fester Bestandteil der Ostschweizer Eventlandschaft ist der CSIO St.Gallen. Das internationale Reitturnier zieht zwischen 25’000 und 30’000 Zuschauer an und zählt zu den bedeutendsten Sportanlässen der Region. Neben sportlicher Exzellenz bietet der Anlass auch eine Plattform für Hospitality und Networking auf hohem Niveau.
Der slowUp Bodensee Schweiz verzeichnete zuletzt rund 38’000 Teilnehmer. Als motorfreier Erlebnistag verbindet er Tourismus, Bewegung, Sponsoring und regionale Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg.
Klare Saisonspitze zwischen April und Oktober
Auffällig ist die starke saisonale Bündelung der Grossanlässe. Zwischen April und Oktober reiht sich ein Event an den nächsten: OFFA und Rhema im Frühling, OpenAir St.Gallen und CSIO im Juni, Openair Frauenfeld im Juli, Stadtfeste und slowUp im August, WEGA im September und schliesslich die OLMA im Oktober.
Für Tourismus, Hotellerie, Eventdienstleister und Sicherheitsorganisationen entsteht so eine klar definierte Hochsaison mit planbaren Spitzen.
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Wirtschaftskraft oft schwer vergleichbar
Die grössten Events der Ostschweiz sind weit mehr als Freizeitangebote: Sie sind Imagefaktor, Netzwerktreiber und Wirtschaftsmotor zugleich und ein nicht zu unterschätzender Bestandteil der regionalen Wertschöpfungskette.
Sie sind keine isolierten Wochenenderlebnisse. Sie sind Teil eines wirtschaftlichen Ökosystems. Sie generieren Um-sätze, sichern Arbeitsplätze, schaffen Netzwerke und positionieren die Region national und international.
Wer als Unternehmen Sichtbarkeit, Kundenkontakt oder Employer Branding sucht, findet hier hochattraktive Plattformen. Und wer über Standortqualität spricht, kommt an diesen Grossanlässen nicht vorbei.
Die Ostschweiz hat keine Weltmetropole. Aber sie hat Events, die nationale Massstäbe setzen.
Text: Stephan Ziegler
Bild: zVg