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Mehr als ein Apéro

Mehr als ein Apéro
Catherine Gisler, Jasmin Wagner, Christian Schmid
Lesezeit: 3 Minuten

Interne Veranstaltungen sind mehr als gesellschaftliche Pflichttermine: Unternehmen setzen sie gezielt ein, um Identifikation zu stärken und strategische Inhalte zu vermitteln. Zwei Beispiele aus der Ostschweiz liefern die Metrohm AG und die Thurgauer Kantonalbank.

Ob Jahresendfeier, Mitarbeiterkonferenz oder Abteilungsausflug: Entscheidend ist nicht das Format, sondern die Funktion. Interne Events übernehmen unterschiedliche Rollen: als Plattform für Information, als sichtbares Zeichen der Anerkennung oder als Raum für Austausch über Bereichsgrenzen hinweg.

Vom Jahresabschluss bis zur Mitarbeiterkonferenz

Für Catherine Gisler, Vizepräsidentin Human Resources der Metrohm AG in Herisau, haben eigene Anlässe einen festen Platz in der Organisationsentwicklung. «Für uns haben interne Events eine grosse Bedeutung», sagt sie. Neben der Wertschätzung spiele insbesondere die bereichsübergreifende Vernetzung eine Rolle. «Solche Events fördern den persönlichen Austausch ausserhalb der Teams sehr.» Gerade in technisch geprägten Strukturen schaffe das informelle Begegnungen, die im Alltag selten entstehen.

Auch die Thurgauer Kantonalbank versteht interne Treffen als strategisches Instrument. HR-Leiter Christian Schmid bezeichnet sie als «wichtiges Element in der Unternehmenskultur». Gleichzeitig seien sie «eine von vielen Möglichkeiten, unsere Mission ‹Mehr als eine Bank› mit Leben zu füllen und wichtige Botschaften zu transportieren». Veranstaltungen sind damit nicht Selbstzweck, sondern Teil der Führungsarchitektur.

«Interne Events fördern den persönlichen Austausch ausserhalb der Teams.»

Bei Metrohm bildet die Jahresendfeier den zentralen Fixpunkt im Kalender. Mit einer Teilnahmequote von 80 bis 90 Prozent gilt sie als stark akzeptiertes Format. «Für uns ist die jährliche Jahresendfeier ein Highlight», so Gisler. Der gemeinsame Rückblick auf das Geschäftsjahr verbinde Information mit Anerkennung und stärke die Identifikation spürbar.

Während der Pandemie entstand zusätzlich ein Adventsanlass im Freien. Obwohl die klassische Jahresendfeier längst wieder möglich ist, wurde das Format beibehalten. «Diese Adventevents kamen so gut bei unseren Mitarbeitenden an, dass wir sie seither weitergeführt haben», erklärt Gisler. Das zeigt: Formate entwickeln sich weiter, wenn sie intern als sinnvoll wahrgenommen werden.

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Wirkung entsteht durch klare Ziele

Die TKB setzt auf ein breit gefächertes Portfolio. Neben individuell organisierten Weihnachtsessen und Abteilungsausflügen ist jährlich eine Mitarbeiterkonferenz anberaumt, mit Fokus auf Geschäftsgang und Strategie. Ergänzend dazu und zu den zahlreichen Schulungsveranstaltungen finden in mehrjährigem Turnus grössere Mitarbeiterfeste statt. Als Plattform dafür können unter anderem Sportveranstaltungen von Sponsoring-Partnern dienen. Die Bandbreite folgt unterschiedlichen Zielsetzungen – von strategischer Information bis zur informellen Vernetzung.

Bei Metrohm steht bei gesellschaftlichen Anlässen die Anerkennung im Zentrum. «Primär möchten wir mit den Mitarbeiterevents den Mitarbeitenden etwas zurückgeben als Zeichen der Wertschätzung», sagt Gisler. Informationsvermittlung erfolge dort, wo sie zum Anlass passe und nicht dominant wirke.

Schmid differenziert stärker nach Zweck: «Je nach Veranstaltung geht es um Information, ums Netzwerken oder aber auch um das Feiern von Erfolgen und das Geniessen schöner Momente.» Entscheidend sei, dass Dramaturgie und Zielsetzung übereinstimmen. Ein Anlass verliere an Wirkung, wenn Botschaft und Format nicht zusammenpassen.

Für Jasmin Wagner, Leiterin Marketingservices und Sponsoring der TKB, entscheidet die Umsetzung über die Wahrnehmung. «Infogehalt, Auftritt des Führungsteams, professionelle Organisation des gesamten Anlasses, attraktives Programm oder die Möglichkeit zum Austausch sind zentrale Faktoren», so Wagner. Erst wenn diese Elemente zusammenspielten, werde ein Event als glaubwürdig und wertschätzend wahrgenommen.

Zwischen Anspruch und Realität

Mit wachsender Unternehmensgrösse steigen die organisatorischen Anforderungen. Metrohm beschäftigt in Herisau über 700 Mitarbeiter in mehreren Gebäuden. Gemeinsame Veranstaltungen schaffen hier einen seltenen Moment der physischen Zusammenführung. «Ein solcher Mitarbeiterevent bietet die Möglichkeit, dass alle an einem bestimmten Datum am gleichen Ort zusammenkommen», sagt Gisler. Gerade in grösseren Strukturen erhalte dieser Aspekt besonderes Gewicht.

Bei der TKB zeigen sich Unterschiede vor allem bei Informationsformaten. Erwartungen variieren je nach Geschäftsbereich, Funktion und Betriebszugehörigkeit. «Kürzere Formate mit klarer Botschaft und anschliessender Austauschmöglichkeit werden heute bevorzugt», erklärt Personalchef Christian Schmid. Rein digitale Live-Events hätten sich nicht dauerhaft etabliert, da der direkte Kontakt als verbindlicher wahrgenommen werde.

Eine isolierte Erfolgsmessung führen beide Un-ternehmen nicht durch. Mitarbeiterevents gelten als Bestandteil eines umfassenderen Kultur- und Führungsverständnisses. «Keine standardisierte Erfolgsmessung, da Mitarbeiterevents nur einer von vielen weiteren Faktoren im Hinblick auf Mitarbeiterbindung darstellen», so Schmid. Die Grenzen formuliert Catherine Gisler klar: «Wenn der Arbeitsinhalt, das Arbeitsumfeld oder die Entlöhnung nicht stimmen, kann der beste Event nichts daran ändern.»

Gerade in Organisationen mit mehreren Standorten oder hybriden Arbeitsmodellen gewinnen physische Begegnungen an strategischer Bedeutung. Interne Veranstaltungen ersetzen keine gute Führung und keine stimmigen Rahmenbedingungen, sie schaffen jedoch jene Momente, in denen Strategie, Anerkennung und Austausch gleichzeitig erlebbar werden.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer, Rebekka Grossglauser

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