LEADER-Hauptausgabe

Comeback im Gründenmoos

Comeback im Gründenmoos
Stefan Kölliker und Patrick Thoma
Lesezeit: 4 Minuten

Die Admicasa Holding AG will im St.Galler Gründenmoos einen Sportpark für 150 Millionen Franken realisieren. Im Verwaltungsrat sitzen der ehemalige St.Galler Regierungsrat Stefan Kölliker und der Thurgauer Immobilienunternehmer Patrick Thoma. Im LEADER-Gespräch erklären sie, weshalb jetzt der richtige Zeitpunkt ist, wie das Projekt finanziert werden soll und warum sie auf eine enge Partnerschaft mit Stadt und Kanton setzen.

Patrick Thoma, Stefan Kölliker, weshalb braucht es geradejetzt einen neuen Anlauf im Gründenmoos?
Patrick Thoma: Der Bedarf an einem Sportzentrum mit nationaler Strahlkraft in der Ostschweiz ist unbestritten. Es fehlt an Flächen und Räumen für Nachwuchs-, Breiten- und Spitzensport. Diese Bedürfnisse nehmen wir mit einem umfassenden Konzept auf, das Sport, Ausbildung und Wirtschaft zusammenführt. Unser Projekt integriert sich in die dezentrale Strategie der Stadt St.Gallen auf lokaler Ebene und ergänzt sie nachfrageorientiert auf regionaler und nationaler Ebene, unter anderem mit regionalen und nationalen Leistungszentren.

Ein vergleichbares Projekt ist mit dem Sportfeld Gründenmoos bereits gescheitert. Wo setzen Sie anders an?
Stefan Kölliker: Wir ergänzen die Sport- und Ausbildungskomponente mit einer starken Mantelnutzung, welche die wirtschaftliche Tragfähigkeit garantiert. Und mit dem Admicasa Real Estate Sports Fund, der bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA zur Bewilligung eingereicht ist, steht ein Finanzierungsgefäss zur Verfügung, das höchsten regulatorischen Ansprüchen genügt. Nach Erhalt der FINMA-Bewilligung und der Unterzeichnung des Strategiepapiers mit Stadt und Kanton St.Gallen werden wir uns unmittelbar und mit voller Energie an die Entwicklung und Realisierung des Projekts machen.

Ein Investitionsvolumen von 150 Millionen Franken ist beträchtlich. Wie ist dieses konkret strukturiert?
PT: Die Investoren des Admicasa Real Estate Fund finanzieren den grösseren Teil des Projekts, aber wir erwarten von Stadt und Kanton St.Gallen ein substanzielles Investment, so wie das bereits für das Vorgängerprojekt angedacht war. Mit einer umfassenden Mantelnutzung können wir die ökonomische Tragfähigkeit gewährleisten und das Risiko stark begrenzen.

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«Es fehlt an Flächen und Räumen für Nachwuchs-, Breiten- und Spitzensport.»

Sie sprechen den Fonds an. Wie funktioniert dieser Sportimmobilienfonds im Detail?
SK: Der Admicasa Real Estate Sports Fund nimmt Gelder von qualifizierten Investoren entgegen, die er ausschliesslich in Immobilien mit Sportbezug investiert, von der Turnhalle bis zum Stadion. Er reagiert damit auf das viel zu kleine Angebot an Sportflächen in der Schweiz, das nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus sozialer Sicht angegangen werden muss. Wir legen grossen Wert auf eine praxistaugliche Umsetzung. Deshalb greifen wir auf einen Beirat mit prominenten Sportvertretern wie NHL-Star Timo Meier zurück, die sich aktiv bei der Beurteilung von Immobilien und Projekten einbringen. Für die wirtschaftliche Tragfähigkeit sorgen passgenaue Mantelnutzungskonzepte. Wir erwarten eine Rendite von 3 bis 3,5 Prozent für den Fonds. Hinzu kommt eine soziale und emotionale Rendite, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt.

Ein solches Zentrum steht und fällt mit der Auslastung.
PT: Die vorhandene Nachfrage ist seit vielen Jahren unbestritten, weshalb auch schon lange über einen Ausbau des Angebots nachgedacht wird. Um langfristig eine hohe Auslastung zu erreichen, braucht es jedoch ein umfassendes Nutzungskonzept, das die Bedürfnisse von Vereinen, Verbänden und Behörden aufnimmt, und zwar auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Dieses aufwändige Verfahren führen wir in den kommenden Monaten durch.

Viele Vereine kämpfen mit knappen Budgets. Wie stellen Sie sicher, dass die Infrastruktur für Vereine und Nachwuchssportler bezahlbar bleibt?
SK: Wir sind uns bewusst, dass die finanziellen Mittel oft beschränkt sind. Deshalb legen wir den Fokus auf eine umfassende Mantelnutzung, die mit Angeboten ausserhalb des reinen Sportbereichs für konstante Geldflüsse sorgt. So schaffen wir Spielraum, damit die sportliche Nutzung tragbar bleibt.

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Ein Projekt dieser Grössenordnung ist ohne die öffentli-che Hand kaum realisierbar. Welche Rolle sollen Stadt und Kanton künftig übernehmen?
PT: Die Realisierung eines solchen Projekts funktioniert nur partnerschaftlich. Das beginnt bei der Finanzierung, erstreckt sich über die Aufnahme der Bedürfnisse von Stadt und Kanton, die Ausarbeitung eines partnerschaftlichen Baurechtsvertrags und die Integration in übergeordnete Sportstrategien der Behörden. Und es endet nicht mit der Fertigstellung, sondern verlangt eine regelmässige Bedürfnisanalyse und entsprechende Massnahmen in eine unbefristete Zukunft hinein.

Im Gründenmoos gibt es weitere Projekte und Interessen, etwa das Nationale Pferdesportzentrum Ostschweiz. Wie verhindern Sie Nutzungskonflikte?
SK: Dazu braucht es eine umfassende Kommunikation mit Vereinen, Verbänden und Gemeinden. Das Projekt Gründenmoos muss sich in die dezentrale Sportstrategie von Stadt und Kanton St.Gallen einfügen. Die Gespräche mit allen relevanten Akteuren haben zum Ziel, das Nutzungskonzept passgenau auf die Bedürfnisse abzustimmen. Auch das Nationale Pferdesportzentrum Ostschweiz wird Teil dieser Gespräche sein. Wir sind überzeugt, dass am Ende Zusammenarbeit und nicht Konkurrenz steht.

«Wir erwarten von Stadt und Kanton St.Gallen ein substanzielles Investment.»

Neben dem sportlichen Mehrwert stellt sich die Frage nach der volkswirtschaftlichen Wirkung. Welche konkreten Effekte erwarten Sie für die Region?
PT: All diese Bereiche werden vom Projekt profitieren. Im derzeitigen Planungsstadium können wir allerdings noch keine konkreten Prognosen machen. Die Effekte hängen wesentlich vom Umfang der Mantelnutzung ab. Je mehr Fläche wir für Angebote ausserhalb des reinen Sportbereichs bereitstellen können, desto grösser wird der volkswirtschaftliche Effekt sein.

Zum Schluss ein Blick nach vorne: Wo sehen Sie den Sportpark in zehn Jahren?
SK: Es soll ein Leuchtturmprojekt werden, das lokale, regionale und nationale Wirkung entfaltet, weil es auf allen drei Ebenen Bestehendes sinnvoll ergänzt und Neues dort anbietet, wo Nachfrage besteht. Dieser Kombinationsgedanke durchzieht das gesamte Projekt, von den berücksichtigten Sportarten bis zu den Formen der Mantelnutzung. Unser Ziel ist die erfolgreiche Verknüpfung unterschiedlicher Bedürfnisse mit einer Sportinfrastruktur, die mehrdimensional nutzbar ist und wirtschaftlich funktioniert.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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