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Unternehmer, Politiker, Präsident

Unternehmer, Politiker, Präsident
Hansjörg Brunner
Lesezeit: 4 Minuten

Nach sieben Jahren an der Spitze des WirtschaftsPortalOst tritt Hansjörg Brunner ab. Im Gespräch blickt der Gründungspräsident auf die Aufbauphase zurück, ordnet die Rolle des WPO im regionalen Gefüge ein und erklärt, weshalb Beziehungen und Vertrauen für den Erfolg entscheidend sind.

Als Hansjörg Brunner im Mai 2019 das Präsidium des neu gegründeten WirtschaftsPortalOst übernahm, war vieles noch Vision. «Die Idee war definiert: Wir wollten die Region als attraktiven, zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort positionieren. Aber wie sich das konkret entwickelt, war offen», sagt er rückblickend. Die Ausgangslage war anspruchsvoll: 22 Gemeinden rund um Wil, unterschiedliche politische Interessen, eine Vielzahl von Unternehmen und Institutionen – und keine gewachsene gemeinsame Plattform. «Diese Vielfalt ist eine Stärke, aber am Anfang auch eine Herausforderung. Es braucht Zeit, bis daraus eine gemeinsame Bewegung entsteht.»

«Wir wollten nie nur Plattform sein, sondern auch Impulsgeber und Stimme der Region.»

Als feste Grösse etabliert

Brunner bringt dafür einen aussergewöhnlich breiten Erfahrungsschatz mit: Als Unternehmer führt er seit Jahren die Fairdruck AG in Sirnach, politisch war er FDP-Nationalrat sowie Thurgauer Kantonsrat. 2010 lancierte Brunner als Hauptinitiator die Lokalzeitung «Regi Die Neue», deren Entwicklung er im Verwaltungsrat und seit 2025 als Präsident aktiv begleitet. Darüber hinaus prägte der zweifache Familienvater als langjähriger Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes sowie als Präsident des Gewerbevereins KMU Hinterthurgau die regionale Wirtschaftspolitik entscheidend mit. Diese Kombination aus unternehmerischer Praxis, politischem Verständnis und Verbandserfahrung hat auch seine Arbeit beim WPO geprägt. «Ich kenne die Perspektiven der Unternehmen ebenso wie die Mechanismen der Politik. Genau diese Schnittstelle ist entscheidend.»

Heute, sieben Jahre später, hat sich das Bild deutlich verändert. Das WPO zählt über 430 Mitglieder aus Wirtschaft, Politik und Institutionen und hat sich als feste Grösse in der Region etabliert. Mit mittlerweile rund 70 durchgeführten Anlässen hat sich ein dichtes Netzwerk entwickelt, das den Austausch über Gemeinde- und Branchengrenzen hinweg fördert. «Wir haben konsequent darauf gesetzt, Begegnungen zu ermöglichen. Denn Innovation und Zusammenarbeit entstehen nicht am Reissbrett, sondern im direkten Austausch», sagt Brunner.

Unternehmertag Vaduz  

Inhaltliche Akzente gesetzt

Zu den prägenden Formaten gehören regelmässige Netzwerkanlässe, Unternehmensbesuche sowie der «WPO-Impuls», bei dem Unternehmen ihre Innovationen präsentieren und sich mit Partnern und Nachwuchskräften vernetzen. Ergänzt werden diese durch themenspezifische Veranstaltungen zu aktuellen wirtschaftlichen Fragen, die gezielt den Wissenstransfer fördern. Gleichzeitig hat das WPO auch inhaltlich Akzente gesetzt und sich aktiv in zentrale Zukunftsprojekte eingebracht. Ein prominentes Beispiel ist das Areal Wil West, für dessen Entwicklung sich die Organisation wiederholt stark gemacht hat. «Wir wollten nie nur Plattform sein, sondern auch Impulsgeber und Stimme der Region.»

Auch konkrete Projekte unterstreichen diesen Anspruch. Mit Initiativen wie einem Kita-Projekt hat das WPO Lösungen für aktuelle Herausforderungen wie den Fachkräftemangel angestossen. «Wenn wir als Region attraktiv bleiben wollen, müssen wir auch die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer verbessern. Dazu gehört die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genauso wie die Verfügbarkeit von Fachkräften», so Brunner.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das breit abgestützte Partnermodell. Neben den Mitgliedern tragen zahlreiche Unternehmen und Institutionen die Organisation finanziell und inhaltlich mit. «Unsere Partner sind mehr als Sponsoren. Sie bringen sich aktiv ein, setzen Themen und tragen Verantwortung für die Entwicklung der Region.» Das Spektrum reicht von regional verankerten KMU bis zu grösseren Unternehmen und Medienpartnern, die für zusätzliche Sichtbarkeit sorgen. «Dieses Zusammenspiel ist entscheidend. Das WPO funktioniert nur, weil viele Akteure gemeinsam am gleichen Ziel arbeiten.»

«Jetzt sind wir angekommen»

Für Hansjörg Brunner liegt genau darin die Stärke der Organisation. «WPO lebt von Beziehungen, von Vertrauen und vom gemeinsamen Willen, unsere Region voranzubringen.» Diese Kultur habe sich über die Jahre entwickelt und sei heute ein eigentlicher Standortfaktor. «Man kennt sich, man tauscht sich aus, man unterstützt sich. Das schafft Dynamik und Verbindlichkeit.»

Den Erfolg misst Brunner deshalb nicht nur an einzelnen Projekten oder Kennzahlen. «Natürlich sind Initiativen und Veranstaltungen wichtig. Aber der eigentliche Wert liegt im Netzwerk, das entstanden ist.» Ein Schlüsselmoment sei für ihn gewesen, als das WPO auch überregional wahrgenommen wurde und als Ansprechpartner für wirtschaftliche Anliegen galt. «Da habe ich gemerkt: Jetzt sind wir als Stimme der Region angekommen.»

Seine Erfahrung aus Politik, Verbandsarbeit und Unternehmertum habe ihm geholfen, diese Entwicklung zu steuern. «Ich wusste, wie politische Prozesse funktionieren, aber auch, was Unternehmen konkret brauchen.» Gleichzeitig habe er gelernt, dass nicht alles planbar ist. «Man braucht Geduld und ein Gefühl dafür, was realistisch ist. Und manchmal auch die Fähigkeit, unterschiedliche Erwartungen auszubalancieren.»

Mit Marc Flückiger steht nun ein Nachfolger bereit, der ebenfalls breit vernetzt ist. Brunner zeigt sich überzeugt von der Wahl. «Marc bringt Erfahrung aus Wirtschaft, Politik und Verbandsarbeit mit. Das ist eine sehr gute Kombination.» Einen Rat gibt er ihm mit auf den Weg: «Dranbleiben, zuhören und die Menschen einbinden. Das ist entscheidend für den Erfolg.»

Was ist Brunners Wunsch für die kommenden Jahre? «Das WPO soll weiterhin Impulse setzen, Netzwerke stärken und als verlässliche Stimme der Wirtschaft auftreten.» Die Basis dafür sei gelegt. «Wir haben in den vergangenen sieben Jahren viel aufgebaut. Jetzt geht es darum, diese Dynamik weiterzuführen, neue Themen aufzunehmen und die Region gemeinsam weiterzuentwickeln.»

Text: Stephan Ziegler

Bild: Marlies Beeler-Thurnheer

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