Warum Sprachkompetenz ein Wettbewerbsfaktor ist
Katja Signer, Sacha Meyer, die HDS ist seit 1954 im Bildungsmarkt der Ostschweiz aktiv. Was ist ihr heutiges Angebot?
KS: Siebzig Jahre sind in der Bildungsbranche keine Selbstverständlichkeit. Wir verstehen uns als persönliche Schule, denn wir kennen unsere Lernenden. Wir begleiten sie individuell, unabhängig davon, ob jemand Deutsch als Zweitsprache lernt, sich auf ein Prüfungszertifikat vorbereitet oder ein Unternehmen seine Mitarbeiter für berufliche Zwecke schulen lässt.
SM: Wir sind überzeugt, dass persönliche Nähe und Qualität langfristig der bessere Weg sind. Das zeigt auch unsere Entwicklung: Seit 2017 sind wir von einem Standort auf heute vier Sprachschulstandorte in der Region gewachsen: St.Gallen, Heerbrugg, Romanshorn und Buchs mit den Ablegern Schaan und Sargans. Jeder neue Standort war eine bewusste Entscheidung: Wo braucht es die HDS und können wir dort das Versprechen der persönlichen Schule auch wirklich einlösen? Das ist für uns ein zentraler Massstab.
Ihr Angebot umfasst heute Sprachkurse für Privatpersonen und Unternehmen sowie einen Staatsauftrag im Kanton Thurgau.
KS: Ja, es reicht von Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache über Englisch bis hin zu weiteren Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Italienisch. Ergänzt wird das Portfolio durch Firmenkurse, Privatunterricht, Vorbereitung auf international anerkannte Zertifikate sowie spezifische Angebote für berufliche Kontexte.
SM: Ein besonderer Mehrwert ist auch unser Beitrag zur sprachlichen Integration: Wir bieten vom Kanton St.Gallen subventionierte Deutschkurse an und an drei Standorten eine Kinderbetreuung. Damit schaffen wir Voraussetzungen, damit möglichst viele Menschen Zugang zu Bildung und beruflichen Chancen erhalten.
«Ein besonderer Mehrwert ist unser Beitrag zur sprachlichen Integration.»
Welche Zielgruppen stehen heute im Fokus?
SM: Wir haben uns von der Handels- und Dolmetscherschule zum Haus der Sprachen gewandelt. Die Zielgruppe ist entsprechend breit: Wir sehen eine anhaltend hohe Nachfrage im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, besonders bei geflüchteten Menschen. Sprache ist hier das zentrale Werkzeug für den Zugang zum Arbeitsmarkt und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Die HDS arbeitet dabei eng mit den Kantonen sowie den Gemeinden und weiteren zuweisenden Stellen zusammen. Ebenso sind Personen mit Migrationshintergrund in allen Deutschkursen vertreten.
KS: Zudem fördern der Bund und die Kantone das Thema Grundkompetenzen von Mitarbeitern in Unternehmen. Nicht alle Mitarbeiter verfügen über Lesen, Schreiben, Rechnen oder digitale Grundfertigkeiten auf dem Niveau, das der Berufsalltag heute erfordert. Die HDS bietet Firmenkunden gezielte Grundkompetenzkurse an, die auf den konkreten Betrieb ausgerichtet sind und über kantonale Förderprogramme mitfinanziert werden können. Wer hier investiert, profitiert von sichereren Abläufen, besserer Kommunikation im Team und weniger Fehlern. Diverse Firmenkunden buchen zudem individuell zugeschnittene Sprachkurse in weiteren Sprachen wie beispielsweise Englisch oder Italienisch. Und nicht zuletzt besuchen auch Privatpersonen die HDS, die Sprachkurse aus Eigeninteresse oder für ihre berufliche Weiterbildung absolvieren.
Die Ostschweiz ist eine exportstarke Region mit vielen international ausgerichteten KMU. Welche Rolle spielt die HDS für diese Unternehmen?
KS: Unternehmen, die täglich mit Kunden, Lieferanten oder ausländischen Ablegern in verschiedenen Sprachen kommunizieren, können sich schlecht kommunizierende Mitarbeiter nicht leisten. Die HDS arbeitet mit massgeschneiderten Firmenkursen, die direkt auf die Branche und die konkreten Kommunikationssituationen ausgerichtet sind. Das reicht von der Produktion über den Vertrieb bis ins Management. Entscheidend ist dabei der Ansatz: Gemeinsam wird der tatsächliche Bedarf analysiert und darauf basierend werden Formate entwickelt, die sich in den Berufsalltag der Mitarbeiter integrieren lassen.
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Welche Bedeutung haben anerkannte Sprachzertifikate und wie positioniert sich die HDS als Prüfungszentrum?
SM: Anerkannte Zertifikate erfüllen mehrere Funktionen. Für die Lernenden sind sie Motivation und Nachweis zugleich. Für Unternehmen sind sie ein wichtiger Faktor in der Personalentwicklung. Im Bereich Integration sind Sprachzertifikate häufig Voraussetzung für den Zugang zum Arbeitsmarkt oder für Bewilligungen und Einbürgerungen.
KS: Die HDS ist seit Jahren als Prüfungszentrum für verschiedene anerkannte Abschlüsse etabliert, darunter telc, fide und SDS. Sie bereitet nicht nur auf die Prüfungen vor, sondern führt diese auch selbst durch. Das schafft Vertrauen und stellt sicher, dass Vorbereitung und Prüfungssituation optimal aufeinander abgestimmt sind. Aus unternehmerischer Perspektive ist das ein klares Qualitätsmerkmal. Auf weitere Sprachprüfungen wie Goethe, Cambridge Exams, DELI oder DELF/DALF wird ebenfalls gezielt vorbereitet.
Wie stellt die HDS sicher, dass das Angebot mit den realen Anforderungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt Schritt hält?
SM: Das ist eine zentrale Führungsaufgabe. Der Markt wird kontinuierlich beobachtet, der Austausch mit Firmenkunden aktiv gepflegt und Rückmeldungen werden systematisch eingeholt. Diese fliessen direkt in die Entwicklung von Kursformaten und Inhalten ein. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind die erfahrenen Kursleiter mit eigener Berufserfahrung in den jeweiligen Branchen. Sie unterrichten nicht nur theoretisch, sondern bringen konkrete Praxiserfahrung ein. Das sorgt für hohe Relevanz im Unterricht, denn die Teilnehmer merken sofort, ob ein Kurs an ihrer Realität ansetzt.
«Die persönliche Schule bleibt das zentrale Fundament.»
Digitale Lernformate, hybride Modelle und KI: Wie geht die HDS mit diesen Entwicklungen um, ohne dabei das Persönliche zu verlieren?
SM: Die Zukunft des Lernens ist flexibel, und genau damit setzt sich die HDS intensiv auseinander. Flexibilität und persönliche Nähe schliessen sich nicht aus, wenn sie richtig umgesetzt werden. Hybride Formate ermöglichen es insbesondere Berufstätigen, kontinuierlich zu lernen. Gleichzeitig bleibt der persönliche Austausch zentral, denn Sprache entsteht durch Interaktion, durch Rückmeldung und durch echte Kommunikationssituationen.
KS: KI-gestützte Tools können diesen Prozess sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen. Ziel ist es, Lernangebote so weiterzuentwickeln, dass sie sich optimal an die Bedürfnisse und Ziele der einzelnen Teilnehmer anpassen.
Wo sieht sich die HDS in zehn Jahren?
KS: Die HDS versteht sich künftig als Sprachschule mit erweitertem Kompetenzkern. Die persönliche Schule bleibt das zentrale Fundament. Sprache und Kommunikation sind eng verbunden mit Integration, gesellschaftlicher Teilhabe und wirtschaftlichem Erfolg. Die HDS will sich als Institution positionieren, die diese Zusammenhänge versteht und daraus konkrete Angebote entwickelt. Bildung basiert auf Vertrauen, und der Mensch steht weiterhin im Zentrum.
SM: Ergänzend dazu gewinnen Zertifizierungen, individuelle Beratung für Unternehmen und öffentliche Stellen, subventionierte Angebote sowie berufsbegleitende Formate weiter an Bedeutung. Ziel ist es, auch in Zukunft als relevanter und verlässlicher Partner in der Region wahrgenommen zu werden.
Text: Stephan Ziegler
Bild: Rebekka Grossglauser