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Starker Franken, starke Folgen

Starker Franken, starke Folgen
Kai Hillebrandt
Lesezeit: 4 Minuten

Hohe US-Zölle, ein starker Franken und ein US-Anteil von rund 70 Prozent am Umsatz: Für die Thurgauer Traditionsmarke Bernina spitzt sich die Lage zu. Nun prüft das Familienunternehmen die Verlagerung eines Teils der Produktion von Steckborn nach Thailand. Was bedeutet das für Standort, Marke und Mitarbeiter? Antworten hat Bernina-CEO Kai Hillebrandt.

Hohe US-Zölle, ein starker Franken und ein Umsatzanteil von rund 70 Prozent in den USA setzen die Thurgauer Traditionsmarke Bernina unter Druck. Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens steht fest: Die Serienfertigung wird vom Standort Steckborn ins bestehende Werk in Thailand verlagert. 27 Mitarbeiter sind betroffen. Entwicklung und Hauptsitz bleiben in der Schweiz.

Der starke Schweizer Franken sei für das Unternehmen zwar kein neues Phänomen, erklärt Kai Hillebrandt. «Wie die meisten Schweizer Industrieunternehmen hat Bernina zahlreiche Schocks absorbiert. Dank unserer klaren Positionierung als Qualitäts- und Innovationsleader konnten wir in einem globalen, kompetitiven Markt erfolgreich sein und an unserer Schweizer Fertigung festhalten.»

Inzwischen habe sich die Situation jedoch strukturell verändert: «Heute ist ein Punkt erreicht, an dem sich die Fertigung in Steckborn wirtschaftlich nicht länger rechtfertigen lässt. Wir müssen unternehmerisch verantwortungsbewusst handeln und unsere Zukunftsfähigkeit sichern. Aus diesem Grund wurde entschieden, die Serienfertigung von Steckborn ins bestehende Werk Bernina Thailand zu verlagern.»

Konkret betrifft der Schritt die Montage des Modells Bernina 990 sowie Teile der mechanischen Fertigung. Prototypenbau, Entwicklung, Qualitätsmanagement, Testabteilungen sowie das zentrale Logistikzentrum für Zubehör und Ersatzteile verbleiben in Steckborn. Weltweit beschäftigt die Bernina-Gruppe rund 1200 Personen, davon weiterhin über 300 am Standort Steckborn.

USA als Schlüsselmarkt – aber nicht alleiniger Pfeiler

Mit rund 70 Prozent Umsatzanteil bleibt der US-Markt entscheidend. Hillebrandt erklärt die starke Stellung so: «In den USA spielen für uns mehrere Faktoren ideal zusammen: Die USA gehören zu den weltweit wichtigsten Märkten für Haushaltsnähmaschinen mit einer besonders hohen Dichte engagierter Hobbynäherinnen. Vor allem das Quilten hat im angelsächsischen Raum eine lange Tradition und setzt auf hochwertige, präzise Maschinen – genau in diesem Segment ist Bernina stark positioniert.»

Eine erfolgreiche lokale Marktorganisation und ein professionelles Fachhändlernetz hätten diese Position zusätzlich gefestigt. Gleichzeitig relativiert Hillebrandt die Wahrnehmung einer einseitigen Abhängigkeit: «Gemessen an der Marktgrösse ist Bernina nicht nur in den USA ausserordentlich erfolgreich, sondern auch in der Schweiz. Hier sind wir gemessen an der Marktgrösse sogar stärker und haben eine dominierende Stellung im relevanten Segment», so der Bernina-CEO.

In Europa strebt das Unternehmen weiteres Wachstum an. Die Expansion in Asien bleibt anspruchsvoller, da dort die Tradition des Nähens als Hobby weniger stark ausgeprägt ist. Märkte mit ausgeprägter Näh- und Quiltkultur bieten naturgemäss bessere Voraussetzungen.

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Sozialplan greift

Von der Verlagerung sind 27 Mitarbeiter betroffen. «Für zwei davon gibt es eine interne Anschlusslösung. Auch für die verbleibenden 25 wird nach Stellen innerhalb und ausserhalb der Bernina Textilgruppe gesucht. Unser Ziel ist es, die be-troffenen Personen bestmöglich zu unterstützen», sagt Hillebrandt.

Zu möglichen Auswirkungen bereits erfolgter Preisanpassungen in den USA will sich Hillebrandt nicht äussern: «Zu den Folgen der Preiserhöhung können wir derzeit noch keine Stellung nehmen.» Auch zu finanziellen Effekten der Produktionsbündelung macht Bernina keine Angaben. «Bernina als Familienunternehmen kommuniziert keine Finanzkennzahlen. Wir nehmen auch keine Stellung zu Skaleneffekten oder Kostenvorteilen.»

Warum Thailand?

Die Wahl fiel nicht auf einen neuen Standort, sondern auf das seit 1990 bestehende Werk in Thailand. Dort produziert Bernina bereits seit Jahrzehnten einen grossen Teil des Volumens. «Mit dem Werk Thailand sind wir für die globalen ökonomischen Herausforderungen bestens gerüstet», sagt Kai Hillebrandt. Das Werk wurde laufend modernisiert und erweitert, befindet sich im Besitz von Bernina und steht unter Schweizer Leitung. «Es produziert seit vielen Jahren den mengenmässig grössten Anteil unserer Nähmaschinen – in der Qualität, für die Bernina bekannt ist. Aus unserer Sicht ist es das fortschrittlichste Werk für Haushaltnähmaschinen der Welt.»

Damit setzt das Unternehmen auf Kontinuität statt auf einen radikalen Standortwechsel in noch günstigere Produktionsländer. Die industrielle Infrastruktur ist vorhanden, Prozesse sind eingespielt, Qualitätsstandards etabliert.

Steckborn bleibt Herz und Hirn

Trotz der Verlagerung betont Bernina die klare Verankerung in der Schweiz. «Die DNA von Bernina ist und bleibt schweizerisch. Am Standort Steckborn befinden sich unsere komplette Entwicklung, das Qualitätsmanagement und eine grosse Testabteilung. Wir beschäftigen hier auch nach der Verlagerung mehr als 300 Personen», so Hillebrandt.

Die Marke bleibt im Premiumsegment positioniert. «Wir stehen für Schweizer Präzision, Langlebigkeit und Innovation und wenden uns mit unseren Produkten an qualitätsbewusste Näherinnen.» Unterm Strich handle es sich weniger um einen Rückzug vom Standort Schweiz als um eine Neugewichtung der industriellen Wertschöpfung: «Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung bleiben am Bodensee, während die Serienfertigung stärker international gebündelt wird», sagt Kai Hillebrandt. Die strategische Botschaft dabei ist eindeutig: Die Marke bleibt Premium – die Produktion wird globaler.

Text: Stephan Ziegler

Bild: zVg

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