Schwerpunkt Switzerland Innovation Park Ost

Eine durchaus freundliche Übernahme

Eine durchaus freundliche Übernahme
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Die Switzerland Innovation Park Ost AG hat die Fusion mit wesentlichen Teilen von Startfeld beschlossen. Inzwischen hat der Innovationspark auf dem Campus Lerchenfeld auch seine operative Tätigkeit aufgenommen.

Die Switzerland Innovation Park Ost AG als Trägerin des sechsten eigenständigen Standorts des Schweizerischen Innovationsparks hat Nägel mit Köpfen gemacht: Am 15. Juni wurde an der ausserordentlichen Generalversammlung der Switzerland Innovation Park Ost AG und an Mitgliederversammlungen der Vereine Startfeld und Startfeld Innovationszentrum eine neue, einfachere und vor allem gemeinsame Struktur genehmigt. Die verschiedenen Tätigkeiten werden nun effizient gebündelt.

Kongruente Ziele

Auch wenn die Vermutung in der Luft lag: Es war nicht von Anfang an klar, dass Startfeld weitgehend im Innovationspark aufgehen würde. Vertiefte strategische Überlegungen zeigten aber auf, dass Startfeld und SIP Ost die gleichen Ziele verfolgen: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und Verbesserung der Attraktivität der Ostschweiz. Beide Organisationen setzen dabei auf Innovation. Startfeld fördert innovative Einzelprojekte, der SIP Ost soll nun die Innovationstätigkeit systemisch fördern. Diese beiden Ansätze sollen sich nun gegenseitig befruchten.

Das pragmatische Vorgehen beim Entwickeln der künftigen Strukturen konnte erwartet werden, haben doch die Startfeld-Aktivitäten wie der Switzerland Innovation Park Ost (SIP Ost) weitgehend die gleichen Gründer und Partner als Träger. Insbesondere Stadt und Kanton St.Gallen, die Empa, die HSG und die Fachhochschule Ost engagieren sich schon beim Startfeld und jetzt auch beim Innovationspark. Wäre der Innovationspark völlig separat aufgebaut worden, dann wären die Überschneidungen der Aktivitäten der beiden Organisationen grösser gewesen als vielleicht ursprünglich erwartet.

«Die Verantwortlichen von Startfeld haben in den letzten Jahren eine grossartige Aufbauarbeit geleistet.»

Roland Ledergerber

Jahrelange Aufbauarbeit eingespart

«Die Verantwortlichen von Startfeld haben in den letzten Jahren eine grossartige Aufbauarbeit geleistet. Es ist ihnen eindrücklich gelungen, ein pulsierendes Jungunternehmer-Ökosystem aufzubauen. Viele Firmen sind entstanden, viele Arbeitsplätze wurden geschaffen und viel unternehmerisches Risikokapital wurde mobilisiert», sagt Roland Ledergerber, Verwaltungsratspräsident der Switzerland Innovation Park Ost AG. «Der Switzerland Innovation Park Ost kann unmittelbar die vorhandene Infrastruktur und das bestehende Ökosystem von Startfeld nutzen und spart dadurch jahrelange Aufbauarbeit ein.»

Durch die Verschmelzung kann nun der Aufbau von Parallel-Strukturen verhindert werden. Und: Der Innovationspark kann die «Time To Market» abkürzen, wenn er auf bereits funktionierenden Strukturen aufbaut. Das freut auch den anfangs Jahr eingesetzten Geschäftsführer der SIP Ost AG, den Physiker Hans Ebinger: «Die Ostschweiz hat mit dem Startfeld ein tolles Asset, wir würden uns etwas vergeben, wenn wir das nicht in den Innovationspark integrieren würden.»
Die bisherigen Aktivitäten werden aber gezielt ergänzt: «Das Neue, mit dem der Innovationspark das Startfeld ergänzt,
ist die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung. Gäbe es Startfeld nicht schon, müssten wir auch diesen Bereich neu aufbauen.»

Wären Innovationspark und Startfeld nebeneinander aufgetreten, wären sich die beiden Organisationen in verschiedenen Bereichen gegenseitig in die Quere gekommen, gerade auch, was die Ertragsquellen betrifft, die von der Vermietung von Infrastruktur über spezifische Beratungstätigkeit und Veranstaltungen bis zum Einwerben von Sponsoren reicht. Die Bewirtschaftung und Weitervermietung der Flächen im Campus Lerchenfeld, die von der Liegenschaftsbesitzerin Gartenhof Immobilien gemietet werden, erfolgt nun aber weiterhin effizient aus einer Hand. Die Start-up-Förderung wird neu beim Innovationspark angesiedelt, arbeitet aber auch in Zukunft unter dem gut eingeführten Namen Startfeld.

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Fusion per 1. Juli 2022

Die bisherigen Aktivitäten des Startfelds wurden von drei Körperschaften getragen, die nun zum Teil verschwinden, während der Brand Startfeld weiter erhalten bleibt:

  • Der Verein Startfeld hat sich der Unterstützung und Begleitung von Start-ups verschrieben. Diese Tätigkeit wird künftig vom Innovationspark wahrgenommen, der Brand Startfeld bleibt. Die Bilanz des Vereins wird gesplittet, die SIP Ost AG übernimmt die Start-up-Assets im Wert knapp 20´000 Franken. Der Verein wird umbenannt und als Verein Smartfeld sich noch um die MINT-Workshops für Schüler kümmern.
  • Die Stiftung Startfeld, die für die Finanzierung von Start-ups eingerichtet wurde, bleibt in der jetzigen Form erhalten. Die Stiftung wurde von der St.Galler Kantonalbank bis heute mit zehn Millionen Franken ausgestattet.
  • Der Verein Startfeld Innovationszentrum, der Büroräume und weitere Infrastruktur im Innovationszentrum betreut und vermietet, wird mit einem Vermögen von etwa 70´000 Franken in die SIP Ost AG fusioniert.
  • Das von Startfeld eingebrachte Vermögen von in Summe 90´000 Franken kommt vollumfänglich der Start-up-Förderung zugute.

Diese neue Struktur gilt bereits ab 1. Juli 2022. Damit dies so rasch angepasst werden konnte, hatten die Aktionäre der SIP Ost AG bereits vorgängig einem verkürzten Verfahren zugestimmt. So können die schon im Voraus geprüften Dokumente mit den gültigen Beschlüssen nun dieser Tage beim Handelsregisteramt eingereicht werden.

Die bisher von Startfeld angestellten Mitarbeiter werden vom Innovationspark übernommen.

«Gäbe es Startfeld nicht schon, müssten wir auch diesen Bereich neu aufbauen.»

Hans Ebinger

Kapitalerhöhung über private Firmen

Mit der Gründung der Gesellschaft Switzerland Innovationspark Ost AG und der Fusion mit den Startfeld-Aktivitäten nimmt der SIP Ost seine operative Tätigkeit auf, was unter anderem heisst, viele Gespräche mit Partnern und Forschungsinstitutionen zu führen.

In einem nächsten Schritt soll nun die Trägerschaft der SIP Ost AG verbreitert werden. Bisher gehören der öffentlichen Hand mit Aktien für 1,85 Millionen Franken 54 Prozent der Gesellschaft, wichtigster Aktionär mit einem Anteil von 500’000 Franken ist dabei der Kanton St.Gallen. Private Unternehmen halten aktuell Aktien für 1,6 Millionen Franken, was 46 Prozent entspricht. Die Privaten sollen nun einen wesentlichen Teil der genehmigten Kapitalerhöhung von
1,55 Millionen zeichnen. Damit sollen sie künftig 60 Prozent, die öffentliche Hand noch 40 Prozent der SIP Ost AG kontrollieren.

Im Moment sind 21 Aktionäre an der SIP Ost AG beteiligt. Neben dem Kanton St.Gallen als Ankeraktionär sind dies
auf Seite der öffentlichen Hand die Stadt St.Gallen, das Fürstentum Liechtenstein und die Kantone Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, die HSG, die Empa, das Kantonsspital St.Gallen und künftig auch die Fachhochschule Ost. Unter den privatwirtschaftlichen Trägern figurieren bisher unter anderem die St.Galler Kantonalbank, der Textilverband Swiss Textiles, die SFS Group AG, die Dr. Risch Holding und die beiden Industrie- und Handelskammern St.Gallen-Appenzell und Thurgau.

Der Zeitplan für die nächsten Jahre sieht vor, dass nun erst einmal die neue Struktur gelebt und etabliert werden soll, bald sollen erste Showcases, also Fallbeispiele, illustrieren, wie der Innovationspark wirken kann. Bis 2025 dann soll der SIP Ost sein volles Leistungsvermögen aufbauen, und bis 2031 auch mit Erträgen aus den Dienstleistungen und Vermietungen die Gewinnschwelle erreichen, somit selbsttragend sein. Dann nämlich läuft die Anschubfinanzierung vom Kanton St.Gallen in der Höhe von total zehn Millionen Franken aus.

Ausbauprojekte im Lerchenfeld

Die Flächen, die der Innovationspark Ost mit der Zeit im Lerchenfeld anbieten kann, sollen deutlich mehr sein als heute. Eine räumliche Reserve war eine der Bedingungen für die Aufnahme als Netzwerkstandort, im St.Galler Dossier
sind solche Reserven dokumentiert. Die ehemalige Zollikofer-Immobilie ist schon heute ein immer wieder ergänzter Gebäudekomplex, für die absehbare Zukunft sind verschiedene weitere Anbauten und Aufstockungen vorgesehen.
Als Erstes soll ab etwa 2025 ein Ergänzungsbau Richtung Norden gut 6000 Quadratmeter Nutzfläche bringen – also noch einmal etwa so viel, wie Startfeld heute an diesem Standort belegt.

Weitere Ausbauten im Osten und im Westen des Gebäudekomplexes werden für die Zeit nach 2030 angedacht. Vorher schon soll mit einer Aufstockung eines bestehenden Flügels Raum für die Fachhochschule Ost entstehen, als Ersatz für Räume im heutigen Ost-Campus Waldau. Der Innovationspark Ost wiederum wird mit der Zeit einen Ableger
bei der Fachhochschule Ost im Campus Buchs haben. Beim früheren Neu-Technikum Buchs soll ein Zentrum für Sensortechnik entstehen.

Wachsendes Team

Der Innovationspark Ost wird im angepeilten Ausbaustand von einem 15 bis 20 Mitarbeiter umfassenden Team betrieben werden. Aktuell haben neben Dr. Hans Ebinger, dem Geschäftsführer der SIP Ost AG, Bärbel Selm als Leiterin Networking Center und Urs Sidler als Leiter Transfer Center ihre Arbeit im Lerchenfeld aufgenommen. Dazu kommen die Personen,
die bisher in verschiedenen Funktionen im Startfeld tätig sind: Peter Frischknecht, Geschäftsführer Vereine Startfeld und Startfeld Innovationszentrum, künftig Leiter des Campus Lerchenfeld und Leiter Start-up-Förderung sowie Stellvertreter des SIP-Ost-Geschäftsführers; Dr. Cornelia Gut-Villa; Geschäftsführerin Stiftung Startfeld, künftig auch Geschäftsführerin des Vereins Smartfeld; Anissa Kuster, Marketing und Kommunikation; Beda Meienberger, Delegierter Fachhochschule Ost; Bernd Schneider, Delegierter Universität St.Gallen; Michael Deuber, Leiter Zentrumsbetrieb; Isabelle Lehmann, Empfang und Zentrumsbetrieb; Sophie Herpich, Trainee Start-up-Förderung. Die Start-up-Förderung wird insgesamt mehr Ressourcen benötigen. Christoph Lanter, bisher in einem Teilzeitpensum Leiter der Start-up-Förderung, verlässt die Organisation, weil er aufgrund anderer Projekte nicht mehr Kapazität aufbringen kann.

Dem Verwaltungsrat der Switzerland Innovation Park Ost AG gehören folgende Persönlichkeiten an: Roland Ledergerber (Präsident), Präsident des VR der St.Galler Kantonalbank und Präsident der IHK St.Gallen-Appenzell; Andrea Berlinger Schwyter, VR-Präsidentin der Toggenburger Medizinaltechnikfirma Berlinger; Gian-Luca Bona, ehemaliger Direktor der Empa; Andreas Christen, Mitglied der Geschäftsleitung der Lantal Textiles AG; Beat Hirt, Anwalt und CEO der Ostschweizer Treuhandfirma Provida; Thomas Hirt, Chief Technology Officer bei der Liechtensteiner Medizinaltechnikfirma Ivoclar; Stefan Scheiber, CEO des Uzwiler Technologiekonzerns Bühler; Gabriela Senti, Direktorin Forschung und Lehre am Universitätsspital Zürich; Paul Sevinç, Mitgründer der Onlineplattform Doodle.

Text: Philipp Landmark

Bild: Reto Martin

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