St.Gallen

Wie eine Nacht auf der Strasse den Blick verändern kann

Wie eine Nacht auf der Strasse den Blick verändern kann
Die CEOs und das Team von Endlesslife
Lesezeit: 2 Minuten

Eine Nacht ohne Dach über dem Kopf, ohne Geld, ohne Sicherheit: Sieben Führungskräfte haben sich in St.Gallen dieser Realität ausgesetzt und erlebt, wie schnell gewohnte Sicherheiten verschwinden. Der sogenannte «CEO Sleepout» führte sie mitten in eine Lebenswelt, die im Alltag oft übersehen wird.

Text: stz.

Initiiert wurde die Aktion von Claudio Minder und Karl Müller, den Co-CEOs von Kybun Joya. Gemeinsam mit Roland Sagan/Clu Swiss Security AG, Christian Willi/Canal B, Moritz Waldschock/Auximo Tech GmbH, Hassan Hjaij/KMU Upgrade GmbH und Oliver Martin/Winnox Consulting AG verbrachten sie eine Nacht im öffentlichen Raum. Ausgestattet lediglich mit Schlafsack, etwas Wasser und dem Nötigsten, waren sie gezwungen, sich selbst zu organisieren, Essen zu beschaffen und einen geschützten Ort für die Nacht zu finden.

Was als bewusst gewähltes Experiment begann, entwickelte rasch eine eigene Dynamik. Die Teilnehmer berichten von Momenten der Unsicherheit, von Kälte und Orientierungslosigkeit, aber vor allem von einer Erfahrung, die unter die Haut geht: Wer am Boden sitzt, wird oft gemieden oder schlicht ignoriert. Diese Unsichtbarkeit trifft viele Betroffene stärker als die physischen Entbehrungen.

In Gesprächen mit Menschen auf der Strasse und mit Streetworkern wurde zudem deutlich, wie schnell Lebenswege aus dem Gleichgewicht geraten können. Krankheit, Trennung oder der Verlust der Arbeit reichen oft aus, um in eine Situation zu geraten, aus der es kaum ein Zurück gibt.

Auch die eigenen Erfahrungen hinterliessen Spuren. Essen organisieren, Abfallcontainer durchsuchen oder stundenlang in der Kälte ausharren, all das wurde als entwürdigend empfunden. Gleichzeitig wurde den Teilnehmern bewusst, dass ihnen ein entscheidender Vorteil blieb: Sie wussten, dass diese Situation nach 24 Stunden endet.

Begleitet wurde die Gruppe durch Vertreter des Verein Endlesslife, darunter Thomas Feurer und Sandro Rüegg, die Einblicke in die tägliche Gassenarbeit vermittelten und den Kontakt zu Betroffenen herstellten.

Trotz kritischer Stimmen im Vorfeld zieht die Gruppe ein positives Fazit. Es gehe nicht darum, Obdachlosigkeit zu simulieren, sondern hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen. Der CEO Sleepout habe dazu beigetragen, Perspektiven zu verschieben und das Bewusstsein für soziale Realität zu schärfen.

Neben dieser Erfahrung wurde auch ein konkretes Zeichen gesetzt: Insgesamt konnten 20'000 Franken gesammelt werden. Die Mittel fliessen in die Gassenarbeit von Endlesslife in St.Gallen sowie in ein Förderprogramm für angehende Unternehmer in Burkina Faso, das von Compassion Schweiz Suisse Svizzera getragen wird.

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