Wenn die letzte Meile zur Kostenfalle wird
Text: pd/stz.
Die dritte Ausgabe der Logistikmarktstudie Schweiz 2026 rückt die Güterversorgung abseits der grossen Zentren in den Fokus. Herausgegeben wird sie von GS1 Switzerland, wissenschaftlich erarbeitet vom Institut für Produktions- und Supply Chain Management der Universität St.Gallen. Grundlage bilden unter anderem 21 Experteninterviews mit Vertretern aus Logistik, Detailhandel, Bahn, Infrastruktur und öffentlicher Hand.
Wie anspruchsvoll die Versorgung sein kann, zeigt Zermatt: Waren gelangen zunächst nach Visp, werden dort auf die Bahn umgeschlagen und im autofreien Ferienort mit Elektrofahrzeugen verteilt. Lange Transportwege, topografische Hindernisse und saisonale Nachfrageschwankungen prägen auch andernorts die Logistik.
Die Forscher identifizieren sechs Handlungsfelder. Sendungen sollen gebündelt und Transporte unternehmensübergreifend neutral geplant werden. Zudem empfehlen sie, Schiene und Seilbahnen stärker einzubinden, Rückfahrten für Warentransporte zu nutzen und regionale Umschlagplätze auszubauen. Gemeinsame Datenstandards, ein verlässlicher Datenaustausch sowie geregelte Zuständigkeiten und Finanzierungsmodelle sollen die Zusammenarbeit ermöglichen.
«Die Versorgung der Peripherie ist weit mehr als eine Frage effizienter Transportplanung», halten die Studienautoren Julia Arlinghaus, Ludwig Häberle und Simon Waibel fest. Sie beeinflusse auch die Lebensqualität, die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen und die Attraktivität von Wirtschafts- und Tourismusstandorten.
Die Studie untersucht zudem den Logistikarbeitsmarkt. 2024 waren schweizweit rund 196'000 Personen in Logistikberufen tätig. Bis 2030 erwarten die Forscher einen moderaten Anstieg auf rund 203'000 Erwerbstätige. Künstliche Intelligenz dürfte vor allem administrative und kaufmännische Aufgaben verändern. Fahr- und Lagertätigkeiten sind davon deutlich weniger stark betroffen.