Maestrani baut aus – und auf Flawil
Ein Minörli zum Kaffee, ein Munz-Prügeli für unterwegs, ein Schokokuss, wie es heute etwas verschämt heisst, als Belohnung: Die Produkte von Maestrani gehören für viele zum Alltag. Hinter diesen vertrauten Artikeln steht ein Unternehmen, das sich weiterentwickelt: Der Schokoladenhersteller will in Flawil ausbauen, erweitert sein Angebot und erschliesst Absatzmöglichkeiten im Ausland. Neue Produkte und Märkte bringen zusätzliche Chancen für die Marken und ihren Herkunftsort.
Für Christoph Birchler gehört dieser Zusammenhang zum unternehmerischen Rezept. «Wachstum ist für uns Teil der Lösung», sagt der CEO. Gemeint ist ein Weg, auf steigende Kosten zu reagieren und Handlungsspielraum zu gewinnen. «Maestrani sucht diesen Spielraum mit eigenen Entwicklungen, gezielten Übernahmen und der Nähe zu seinen Kunden.»
«Wer seine Lieblingsschokolade kennt, findet einfacher Zugang zu neuen Varianten.»
Flawil bleibt das Fundament
Die Ausbaupläne am Hauptsitz verleihen dieser Strategie eine regionale Dimension. Hier entstehen heute die Produkte der Marken Munz, Minor, Avelines und Chocolat Ammann. «Hier sitzen die Menschen, die Rezepturen entwickeln, Anlagen beherrschen und jeden Tag dafür sorgen, dass aus einer Idee ein verlässliches Qualitätsprodukt wird», fasst es Birchler zusammen. Eine stärkere internationale Präsenz kann diese Arbeit zusätzlich gefragt machen; mehr Reichweite soll auch der Wertschöpfung in Flawil zugutekommen. Ein Schritt war die Integration von Chocolat Ammann. Für die Aufnahme der Schokokuss-Produktion wurde 2025 in der bestehenden Produktionshalle in Flawil eine zusätzliche Ebene eingezogen und damit Platz für die neue Produktionslinie geschaffen.
Die Vorbereitung bei weitgehend laufendem Betrieb war anspruchsvoll: Ein erfahrenes Maestrani-Team plante den Transfer der Produktionslinien aus Heimberg BE; drei Schlüsselmitarbeiter von Ammann wechselten nach Flawil und brachten ihr Wissen mit. «Solche Veränderungen gelingen nur, wenn technische Planung und menschliche Erfahrung zusammenkommen», sagt Birchler.
Auch die bestehenden Anlagen werden weiterentwickelt; so etwa mit einer schrittweisen Modernisierung einer langjährig eingesetzten Schokoladenverpackungsanlage. Dabei werden einzelne Komponenten erneuert und Arbeiten in bestehende Produktionspausen gelegt. Die Ziele sind handfest: zuverlässige Technik, einfachere Reinigung und weniger Unterbrechungen. «Wachstum braucht ebenso die sorgfältige Arbeit am Bestehenden wie Platz für Neues», begründet Birchler.
Vertraute Marken, neue Produkte
Die Erweiterung des Sortiments folgt einer ähnlichen Idee: Munz und Minor bringen Bekanntheit und emotionale Verbundenheit mit, die Genfer Pralinenmarke Avelines ergänzt die Markenfamilie seit 2022, und mit Chocolat Ammann kam 2025 eine weitere eigenständige Spezialität hinzu. Damit wächst die Auswahl für die Kunden, und Maestrani kann im Handel mit einem vielseitigeren Angebot auftreten. «Dank unseres breiten Sortiments und unseren vielfältigen Abnehmern – Detailhandel, Gastronomie, Private – reduzieren wir unsere Abhängigkeit von einzelnen Absatzkanälen und Grosskunden», sagt Christoph Birchler.
Zugleich entwickeln sich die etablierten Marken weiter; Beispiele sind die Munz-Prügeli-Tafel oder «Minor Crunchy» mit karamellisiertem Haselnusskrokant. Sie greifen vertraute Geschmackswelten auf und übersetzen sie in neue Produkte. «Wer seine Lieblingsschokolade kennt, findet einen einfachen Zugang zu einer neuen Variante», ist Birchler überzeugt. So bleiben die Marken lebendig und laden dazu ein, sie wiederzuentdecken.
Hinzu kommen Bio-Schokoladen und Spezialitäten für unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten. Gerade im Ausland hilft diese Vielfalt, sich zu positionieren. Neben der Schweizer Herkunft zählen Geschmack, Zutaten, Format und Anlass. «Die eigenen Stärken müssen im jeweiligen Markt verstanden und geschätzt werden», fasst Birchler die Grundgedanken hinter jeglicher Expansion zusammen.
«Die eigenen Stärken müssen im jeweiligen Markt verstanden und geschätzt werden.»
Belgien erweitert die Möglichkeiten
Einen wichtigen Schritt nach Europa machte Maestrani im Juni 2025 mit der Übernahme von Delafaille. Der belgische Hersteller von Pralinen und Schokoladenspezialitäten kam im Rahmen einer Nachfolgeregelung zur Gruppe. Zur Transaktion gehörte auch Ostrapack im tschechischen Ostrava, ein Unternehmen für Verpackungsdienstleistungen. Damit erhielt Maestrani zusätzliche Kompetenzen und eine stärkere Präsenz in der EU.
Der Zusammenschluss verbindet zwei Schokoladentraditionen mit eigenem Profil; Delafaille wird als eigenständiges Unternehmen in Beveren weitergeführt. «Zwei Länder, zwei Stärken – vereint unter einem Dach», fasst Christoph Birchler die Idee zusammen. Gemeinsamkeiten bestehen in der familiären Prägung, dem Qualitätsanspruch und der Erfahrung der Teams. Potenzial sieht die Gruppe insbesondere «in der Zusammenarbeit bei Vertrieb und Logistik».
Für Flawil ist dabei der Zugang zum internationalen Verkaufsnetz wichtig: Auch die Schweizer Marken sollen davon profitieren. Birchler formulierte die Herkunftsstrategie so: «Belgische Schokolade wird auch weiterhin in Belgien hergestellt, Schweizer Schoggi in der Schweiz.» Die Standorte tragen unterschiedliche Spezialitäten zum Angebot bei. Ihre jeweilige Herkunft gehört zum Wert der Produkte und damit zu dem, was die Gruppe im Markt attraktiv macht.
Mit eigenem Profil in die USA
Wie sich Schweizer Kompetenz für andere Konsumgewohnheiten nutzen lässt, zeigt etwa «Magic Chocolate», die extra für die USA entwickelt wurde. Die Marke verbindet Schweizer Schokoladenhandwerk mit veganen Rezepturen und Rohstoffen aus regenerativem Bio-Anbau. Zum Angebot gehören dunkle Schokolade, Varianten auf Haferbasis und Trüffelriegel; «Geschmack und verantwortungsvolle Herkunft geben den Produkten ein erkennbares Profil», so der CEO.
Im Frühjahr 2026 konnte Birchler einen ersten US-Erfolg verbuchen: Die bei Maestrani entwickelte und produzierte «Salted Candied Hazelnut Truffle Layer Bar» von Magic Chocolate wurde an der Messe «Natural Products Expo West» in Kalifornien mit einem Nexty-Award ausgezeichnet. «Das zeigt uns, dass wir mit neuen Produktideen und unserem Schweizer Schokoladen-Know-how den amerikanischen Geschmack treffen. So wird sichtbar, wie Produktentwicklung und internationale Marktarbeit ineinandergreifen», sagt Birchler.
Der US-Markt verlangt allerdings auch Beweglichkeit: Die Zollunsicherheit hatte Maestrani 2025 zeitweise dazu veranlasst, Lieferungen auszusetzen. Der Auftritt an der Expo West 2026 zeigt, dass das Unternehmen den Ausbau seines US-Geschäfts aber konsequent weiterverfolgt. «Ein unterscheidbares Angebot, lokale Kenntnisse und die Fähigkeit, auf veränderte Bedingungen zu reagieren, bleiben dabei entscheidend», ist Birchler überzeugt.
«Wachstum ist für uns Teil der Lösung.»
Zukunft entsteht mit dem Team
Ausbau, neue Produkte und internationale Partnerschaften ergeben dabei ein nachvollziehbares Bild: Maestrani schafft neue Perspektiven für die Zukunft. Der Standort Flawil und das Wissen seiner Belegschaft spielen darin eine zentrale Rolle.
«Im Zentrum unseres Tuns stehen ganz klar die Menschen hinter Maestrani», betont Birchler denn auch. Auch für nächste Wachstumsschritte brauche es Menschen, die ihr Handwerk verstehen und Verantwortung übernehmen. Auf diesem Können baut Maestrani auf. Und mit ihm trägt das Unternehmen ein Stück Ostschweiz weiter in die Welt.
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer