Wie ein Pyjama-Projekt zu schlaflosen Nächten führte
Text: stz.
Thomas Sallmann, ISA Sallmann steht seit Jahrzehnten für Textilkompetenz und Qualität aus Amriswil. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Andreas Caminada?
Sallmann: Durch Zufall und etwas Glück. Ein befreundeter Textilunternehmer, der häufig bei den Caminadas zu Gast ist, brachte Anfang 2025 Andreas ins Spiel: Dieser betreibe auch Hotelzimmer und brauche für seine Gäste hochwertige Pyjamas. Das wäre doch eine ideale Kooperation für ISA, dachte ich mir. Ich kannte Andreas zwar aus den Medien, nicht aber die regionalen Produkte und Kooperationen des Ateliers Caminada. Wir schickten ihm eine Auswahl aus unserem Sortiment und baten um einen Termin auf Schloss Schauenstein in Fürstenau. Der Pitch funktionierte, das Projekt nahm rasch Fahrt auf. Das Timing war perfekt, denn Andreas dachte schon länger über einen Pyjama für seine Hotelgäste nach.
Was verbindet denn einen Drei-Sterne-Koch mit einem Thurgauer Textilunternehmen?
Sallmann: Beim ersten Treffen merkten wir sofort, dass die Chemie stimmt. Trotz unterschiedlicher Branchen haben unsere Familienunternehmen viel gemeinsam: Wir denken langfristig, sind innovationsfreudig und legen Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Andreas setzt auf regionale Erzeugnisse; wir produzieren als eines der letzten Unternehmen der Wäschebranche noch einiges in der Schweiz. Uns verbinden zudem zeitloses Design und kompromisslose Qualität. Ob Küche oder Textilproduktion: Erstklassige Zutaten, Können und Erfahrung machen den Unterschied. Gerade diese Verbindung von regionaler Verankerung und internationalem Anspruch macht den besonderen Reiz aus.
Andreas Caminada, welche Ihrer Werte passen besonders gut zu ISA Sallmann?
Caminada: Mich beeindruckt die Geschichte von ISA bodywear. Dahinter steht ein Familienunternehmen, das mit Leidenschaft und klarer Vision geführt wird. Wir teilen zentrale Werte, arbeiten unkompliziert zusammen und haben kurze Entscheidungswege. Ob Nachtwäsche oder Gericht: Die Grundzutaten müssen stimmen, bei der Qualität darf es keine Kompromisse geben. Das Projekt verbindet Ästhetik mit Qualität und macht Freude.
Ein Koch denkt an Geschmack, Zutaten und Atmosphäre. Was können Sie zum Schlafkomfort beitragen?
Caminada: Auf Schloss Schauenstein ist das Gesamterlebnis entscheidend. Der Gast kommt an, erkundet den Ort und geniesst das Essen. Doch auch danach muss die Qualität stimmen: bei Kissen, Bett, Duvet und Pyjama. ISA verantwortet diesen Teil; ich sorge gewissermassen für seine Einbettung ins Gesamterlebnis. Dabei geht es nicht um Luxus als Selbstzweck, sondern um Aufmerksamkeit für jedes Detail. Jeder Gast soll die Sorgfalt, die er beim Essen erlebt, auch im Zimmer spüren. Gute Nachtwäsche ist für uns deshalb kein Nebenschauplatz, sondern Teil der Gastfreundschaft.
«Aufgrund des Erfolgs bereiten wir bereits eine klar abgegrenzte Premiummarke vor.»
Hand aufs Herz: Ist «Sleep like a Caminada» ein schöner Werbegag, oder steckt tatsächlich ein gemeinsamer Entwicklungsprozess dahinter?
Sallmann: Schon beim ersten Treffen wurde klar, dass Andreas kein blosser Werbebotschafter sein, sondern das Produkt mitentwickeln wollte. Meine Designerin war verblüfft, wie intensiv er sich mit jedem Detail beschäftigte. Bei einer Sitzung stand er auf, kam mit einer Schere zurück und passte den Schnitt selbst an. Auch die Akzentfarben von Kordel und Stickerei tragen seine Handschrift. Vom Design bis zur Verpackung war er in jeden Schritt eingebunden. Seine Ideen haben uns inspiriert und gefordert. Der Prozess war kurz, aber intensiv, weil wir vor Weihnachten 2025 lancieren wollten. Normalerweise benötigen wir doppelt so viel Zeit. Das bereitete mir einige schlaflose Nächte, ausgerechnet bei einem Pyjama-Projekt (lacht). Am Ende ging aber alles auf.
Wie lief die Zusammenarbeit konkret ab?
Sallmann: Pragmatisch und «hands-on». Material und Grundfarbe waren rasch bestimmt. Aus bestehenden Schnitten und den Vorstellungen von Andreas entwickelten wir Prototypen, die er selbst testete und detailliert beurteilte. Viel Zeit beanspruchten die Akzentfarben, die Kordel, die Stickerei, die Logos und die Verpackung. Wir betrachteten Entwürfe, diskutierten, verwarfen und entschieden schliesslich über jedes Detail. Parallel entwickelten wir Markenwelt, Bildsprache und Verkaufsunterlagen. Dass Andreas mit seinen Söhnen auf Schloss Schauenstein vor der Kamera stand, wurde zu einem wichtigen Teil der Geschichte.
Was unterscheidet «Sleep like a Caminada» von klassischer Nachtwäsche aus Ihrem Haus?
Sallmann: Die Schnitte sind lockerer und lässiger als bei unserer klassischen Nachtwäsche. Verarbeitet wird eines unserer feinsten Materialien: 90 Prozent Micromodal und zehn Prozent Elasthan. Seine temperaturregulierenden Eigenschaften sorgen auch in warmen Nächten für angenehmen Schlafkomfort. Hinzu kommen Kragenband, dezente Stickerei, Co-Branding und edle Kordeln. Aussergewöhnlich ist auch die vollständig in der Schweiz hergestellte Magnetbox. Die Nachtwäsche wird zudem in versiegeltes Seidenpapier eingeschlagen und mit einer Grusskarte von Andreas ausgeliefert. Herstellung und Konfektionierung sind deutlich aufwendiger als bei Standardprodukten.
Andreas Caminada, Sie verbinden traditionell Luxus mit Bodenständigkeit. War das auch der Anspruch an die Kollektion?
Caminada: Ja. Die Kollektion sollte meine Handschrift tragen und sich nach «mir» anfühlen. Zur Farbe Navy habe ich eine enge Beziehung, denn alle Köche in unseren Betrieben tragen sie. Diese Verbindung sichtbar zu machen, war mir wichtig. Das Ergebnis ist hochwertig und eigenständig, aber zurückhaltend und alltagstauglich.
Und für wen ist die Kollektion primär gedacht?
Sallmann: Sie richtet sich auch an Caminada-Fans, grundsätzlich aber an alle, die Wert auf Qualität, Komfort und Gestaltung legen. Für ISA öffnet sie den Zugang zu einer neuen Zielgruppe im Premiumsegment und zu einem Preisniveau, das unsere Standardprodukte bisher nicht abgedeckt haben. Wir konnten neue Kunden und Handelspartner ansprechen und profitierten dabei von Andreas’ Bekanntheit und Image. Zugleich zeigten wir, was ISA bei Entwicklung, Materialqualität und Verarbeitung leisten kann. «Sleep like a Caminada» hat bewiesen, dass das Premiumsegment zu einem wichtigen Standbein werden kann.
Welche Erwartungen verbinden Sie mit der Partnerschaft?
Sallmann: Die Aufmerksamkeit war wichtig. Vorrangig wollen wir uns aber bei neuen Kundengruppen etablieren. Aufgrund des Erfolgs bereiten wir bereits eine klar abgegrenzte Premiummarke vor. Hier sehen wir erhebliches Potenzial. Die Partnerschaft war der erste wichtige Schritt in diese Richtung.
Andreas Caminada, was muss bei Nachtwäsche stimmen, damit echter Schlafkomfort entsteht?
Caminada: Ein Menü muss nicht nur harmonisch sein; es darf geplante Unstimmigkeiten enthalten. Komponenten, Texturen, Temperaturen und Farben müssen funktionieren und Spannung erzeugen. Bei Nachtwäsche ist entscheidend, dass ich schnell einschlafen und meine Gedanken loslassen kann. Dafür müssen Temperatur und Tragekomfort stimmen. Ebenso wichtig sind Langlebigkeit und einfache Pflege. Erst dann entsteht ein Produkt, das man wirklich gern trägt.
Text: Stephan Ziegler
Bild: Marlies Beeler-Thurnheer