Appenzell Innerrhoden

Das Paradies bekommt einen neuen Gastgeber

Das Paradies bekommt einen neuen Gastgeber
Fabian Duss und Hansjörg Hinrichs
Lesezeit: 5 Minuten

Fabian Duss übernimmt die Appenzeller Reiseboutique Pacific Society; Gründer Hansjörg Hinrichs begleitet die Nachfolge über mehrere Jahre. Die beiden sprechen über ein Geschäftsmodell, das von Beziehungen lebt, Reisen für kleinste Gruppen und die Frage, was Gäste für über 100’000 Franken erwarten dürfen.

Text: stz.

Fabian Duss, warum haben Sie nach knapp sieben Jahren an der Spitze von MAAG Moments Pacific Society übernommen – und was verbindet diese beiden Welten?
Duss: Mich reizten der Schritt in die Selbständigkeit und die Möglichkeit, als Inhaber wieder nahe am Gast zu arbeiten. Beide Welten schaffen bleibende Erlebnisse – in unterschiedlichem Massstab: MAAG Moments erreichte jährlich mehrere Hunderttausend Menschen; Pacific Society begleitet pro Reise vier bis sechs Gäste. Persönliche Beziehungen ermöglichen hier eine ganz andere Tiefe und Intensität.

Hansjörg Hinrichs, wie übergibt man ein Lebenswerk, das so eng mit der eigenen Person verbunden ist?
Hinrichs: «Panta rhei» – Alles fliesst: Das Leben lehrt, dass wir nichts behalten können; ich bin mittlerweile 77. Nun geht es für mich ums Loslassen und Weitergeben. Fabian hat sich seinen Entscheid fundamental überlegt. Philosophie und Werte von Pacific Society entsprechen porentief seiner Lebensvision. Gewachsene Beziehungen kann ich ihm nicht einfach überreichen. Wir werden sie in den kommenden Jahren gemeinsam pflegen und weitergeben. Darauf freue ich mich.

Wie funktioniert die Übergabe konkret?
Duss: Seit September bin ich Inhaber und Geschäftsführer. Hansjörg bleibt als Senior Consultant an Bord, ebenso das bestehende Team. Bereits im Oktober 2026 werden wir gemeinsam mit Gästen unterwegs sein.
Hinrichs: Praxisbezogen, Step by Step. Fabian wird vor Ort selbst erleben, wie wir reisen, wie Begegnungen entstehen und was unseren Gästen und Gastgebern wichtig ist. Dieses Wissen erschliesst sich unterwegs, nicht am Schreibtisch.

wiw 2026  OD  

Was bietet Pacific Society konkret an?
Hinrichs: Eine exklusive, bereichernde Lebenserfahrung: Traumreisen in die Südsee, zu den schönsten Inselgärten der Welt. Mit dabei: Südamerika, Ozeanien, Japan und Hawaii. Wir gehen privat eigene Wege, wo immer möglich, abseits der Masse. Weit jenseits von Internet und KI zählen darum persönlicher Kontakt und Expertise. Im gemeinsamen Austausch gestalten wir, was wirklich zählt und freut. Unsere Gäste schätzen unser Angebot seit vielen Jahren als hochwertige Investition in ihr Leben. Dies mit bestem Gegenwert und langer, nachhaltiger Wirkung.

Auch andere bieten massgeschneiderte Reisen. Was unterscheidet Sie?
Hinrichs: Die exklusive, ganz persönliche Beratung, basierend auf unserer Expertise und über 40 Jahren Erfahrung vor Ort. Dies meist abseits touristischer Hotspots, dafür nah am Puls von Land und Leuten. Wir verweilen, wo andere vorbeireisen. Auch dort, wo es kaum Internet gibt, sind wir zuverlässig vernetzt. Persönliche Kontakte verleihen unserem Netzwerk Sicherheit, Stärke und besondere Zugänge.
Duss: Unsere Reisen verstehen wir als dynamische Projekte, die unterwegs laufend optimiert und situativ erweitert werden können. Sie sind massgeschneiderte Unikate, konsequent auf die Wünsche unserer Gäste ausgerichtet. Daraus entsteht ein hochwertiges Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.

«Wir geben dem Reisen Sinn und Wert zurück.»

Was heisst Luxus bei Ihnen: möglichst viele Hotelsterne?
Duss: Während meiner Jahre in der Spitzen-Hotellerie habe ich erlebt, wie Luxus verstanden werden kann. Bei uns ist das Luxusverständnis tiefer und sinniger – das entspricht durch und durch meinen Vorstellungen.
Hinrichs: Wir logieren mitunter an den besten Adressen der Welt, jedoch auch in einfacheren, sorgfältig ausgewählten Unterkünften, wo das Erlebnis zählt. Diese Kombination mit unserem Servicekonzept bildet den Rahmen für wahre Luxuserfahrungen: Am richtigen Ort sein, inmitten grandioser Landschaftsszenarien. Entspannt Raum und Zeit geniessen, loslassen, spüren, was einem guttut, sein eigenes Paradies fühlen, Kulturen, Land und Leuten authentisch begegnen, wahre Werte erleben. Etwas mit nach Hause nehmen, das lange Herz und Seele erwärmt. Wir geben dem Reisen Sinn und Wert zurück.

Sie verlangen bis zu 110’000 Franken pro Person. Was darf der Gast erwarten?
Duss: Der Preis bildet ein Gesamtarrangement von oft rund 30 Tagen ab: die kleine Gruppe, die persönliche Begleitung und die komplexe Organisation über zahlreiche Stationen hinweg. Ein attraktives Programmkonzept, Vollservice und umfassende Dienstleistungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft ergeben eine Reise, die sich nicht standardisieren lässt.
Hinrichs: «Eigentlich sind die Reisen von Pacific Society unbezahlbar», meinte einmal ein Gast. Uns freut immer wieder, dass unser Engagement und unsere Leistungen von erfahrenen Gästen sehr wohl erkannt und respektiert werden.

Lichterzauber  Thurgauer Lehrlingstag  

Wen sprechen Sie damit an? Vermögende Unternehmer im Ruhestand?
Hinrichs: Solvente Leute mit genussorientiertem Lebensverständnis. Sie leisten sich die Musse, auf besondere Art zu reisen. Oft wird damit ein bedeutender Anlass gefeiert: der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, ein Firmenverkauf oder ein Familienereignis.
Duss: «War das schon alles…?», hören wir oft im Erstgespräch mit unseren Gästen. Unsere Reiseprojekte beflügeln Menschen, die ihrem Leben noch einmal neue Akzente verleihen, geniessen und sich etwas Besonderes gönnen wollen. Sie verstehen Reisen nicht als Konsumgut, sondern als bereichernde Lebenserfahrung.

Wie begleiten Sie die Individualität Ihrer Gäste?
Hinrichs: Unser Angebot wirkt selektiv, spricht weltoffene, reisebewusste Leute an. Während der Vorbereitung samt gemeinsamem Infoabend findet man sich. Unterwegs bleiben Raum und Zeit für Individualität. Toleranz, gemeinsame Interessen und erlebte Reisefreuden verbinden weit über die Reise hinaus.

Sie beschreiben einzelne Reisen als expeditionsartig. Müssen Ihre Gäste besonders sportlich sein?
Hinrichs: Normale Gesundheit, körperliche Beweglichkeit und ein positiv geprägtes Lebensverständnis sind erwünscht und genügen in jedem Falle. Unser Angebot reicht von sanft bis aktiv, von einfach bis luxuriös. Im Mittelpunkt steht immer das Erlebnis. Mass aller Dinge sind die Wünsche und Möglichkeiten unserer Gäste.

«Wir verweilen, wo andere vorbeireisen.»

Über 80 Prozent der Gäste reisen mehrmals mit Ihnen. Was sagt das über Ihr Geschäft aus?
Duss: Das ist für mich der stärkste Qualitätsbeweis. Es zeigt, wie wichtig Vertrauen und persönliche Erfahrung sind. Wer sich mit und bei uns gut aufgehoben fühlt, beginnt beim nächsten Mal nicht wieder bei null. Jede erneute Buchung ist eine Bestätigung – und zugleich ein Auftrag, unseren Anspruch wieder einzulösen.

Wie viel Veränderung verträgt diese persönliche Handschrift?
Duss: Ich übernehme kein austauschbares Reisegeschäft. Deshalb beginnt Weiterentwicklung für mich mit Zuhören und Verstehen. Mit Hansjörg und dem Team will ich bewahren, was unsere Gäste schätzen. Zudem will ich meine Erfahrung als Unternehmer und Gastgeber sorgfältig und zukunftsorientiert einbringen.
Hinrichs: Pacific Society ist für mich ein lebendiger Organismus mit klarer Identität und verbindlichen Werten. Fabian verfügt über beste Voraussetzungen für eine organische Transformation.

Und warum liegt die Basis für diese Weltreisen ausgerechnet in Appenzell?
Duss: Pacific Society bleibt in Appenzell Meistersrüte verwurzelt; der Ort ist Teil unserer Identität. Gleichzeitig betreuen wir Gäste aus der ganzen Schweiz und dem angrenzenden Ausland. Für persönliche Gespräche und die Reisevorbereitung treffen wir sie beispielsweise in Zürich oder dort, wo es für sie am besten passt.
Hinrichs: Unsere «Südseeinsel im Appenzellerland» ist ein stimmungsvoller Ort der Begegnung und Vorfreude mit einer spezialisierten Bibliothek und einem grossen Bildarchiv. Hier haben schon viele Reisen lange vor dem Abflug begonnen.

Text: Stephan Ziegler

Bild: Rebekka Grossglauser

Auch interessant

Maestrani baut aus – und auf Flawil
Wirtschaft

Maestrani baut aus – und auf Flawil

Der Marktschreier 2.0
Wirtschaft

Der Marktschreier 2.0

Die Ostschweiz bewegt auch über den Wolken
Wirtschaft

Die Ostschweiz bewegt auch über den Wolken

Schwerpunkte