St.Gallen

Wenn aus Fichte «Eiche» gemacht wird

Wenn aus Fichte «Eiche» gemacht wird
Aaron Scheiwiller (links) und sein Vater Paul Scheiwiller, die gemeinsam die Geschäfte der Holzimprägnierwerk AG leiten
Lesezeit: 2 Minuten

Für Hausbesitzer ist es eine wichtige Frage: Wie können Holzhäuser einem Brand standhalten? Die Antwort könnte in Waldkirch zu finden sein und lautet «Burnblock».

Text: Christof Lampart

Es klingt ein wenig vollmundig, doch in den Ohren mancher Holzhausbesitzenden umso besser, wenn Paul Scheiwiller, Inhaber und CEO der Holzimprägnierwerk AG aus Waldkirch, erklärt: «Wir machen, was den Brandschutz anbelangt, durch das Verfahren ‚Burnblock’ aus Fichte sozusagen Eiche.»

Einzige Anlage in der Schweiz

Für Laien sei kurz erklärt, was damit gemeint ist: Während Fichtenholz aufgrund seiner geringen Dichte schnell brennt und sich so hervorragend für das Anheizen eines Cheminées eignet, entzündet sich Eiche nur zögernd und führt zu langsamen Glutbränden.

Dies war ein Grund, weshalb die in Weinfelden beheimatete Netzwerkorganisation Lignum-Ost, welche die gesamte Wertschöpfungskette Holz abbildet, anfangs Oktober ihre Mitglieder zum Informationsanlass nach Waldkirch in die Holzimprägnierwerk AG einlud. Denn die «Burnblock»-Anlage in Waldkirch ist die einzige im gesamten deutschsprachigen Raum.

Die Informationsveranstaltung von Lignum Ost bei der Holzimprägnierwerk AG in Waldkirch stiess insbesondere wegen des «Burnblock»-Referats auf ein grosses Interesse
Die Informationsveranstaltung von Lignum Ost bei der Holzimprägnierwerk AG in Waldkirch stiess insbesondere wegen des «Burnblock»-Referats auf ein grosses Interesse

«Sie können ein paar Schlucke trinken»

Das Prinzip des «Burnblock»-Verfahrens ist einfach. Bei der Brandschutzimprägnierung wird im Brandfall verhindert, dass Sauerstoff das behandelte Holz erreicht. Damit dies gelingt, wird dem trockenen, zu behandelnden Holz die in Wasser aufgelöste «Burnblock»-Substanz – in trockenem Zustand ein weisses Pulver, das im Wesentlichen aus Phosphor besteht –, dem Holz injiziert.

Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeit, deren Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind und keine toxischen Stoffe enthalten. Auch sei das Produkt, so Paul Scheiwiller, zu 100 Prozent biologisch abbaubar und pH-neutral. «Wenn Sie wollen, können Sie mit der Substanz eine Fingerprobe machen oder ein paar Schlucke trinken; sie ist absolut ungiftig», so Paul Scheiwiller.

Holzbauingenieur Hermann Blumer schwärmt vom «Burnblock»-Verfahren als einen «Quantenschutz in der Brandverhütung»
Holzbauingenieur Hermann Blumer schwärmt vom «Burnblock»-Verfahren als einen «Quantenschutz in der Brandverhütung»

Rauchentwicklung wird rasch verhindert

Durch die Behandlung des Holzes entsteht eine wirksame Barriere, die Holz schwer entflammbar werden lässt. Denn bei einer gewissen Hitze sondern die Burnblock-Ablagerungen im Holz ein Gas ab, das dem Feuer den Sauerstoff entzieht, den es zum Brennen braucht.

Für den renommierten Holzbauingenieur Hermann Blumer, Waldstatt, der mit Architekten wie Shigeru Ban, Peter Zumthor oder Herzog & de Meuron, zusammenarbeitet, ist das Verfahren ein «Meilenstein in der Brandverhütung». Denn durch die Brandschutzimprägnierung könne Holz die Schweizer Brandschutzklassifizierung RF2 erreichen.

Auch aus einem weiteren Grund sei die Imprägniermethode ein «Quantensprung», so Blumer, denn «wird ein Feuer schnell gelöscht, so entsteht praktisch kein Rauch und die Fluchtwege bleiben somit länger offen. Das ist deshalb wichtig, weil die meisten Menschen bei einem Brand nicht wegen des Feuers sterben, sondern wegen der Rauchentwicklung», so Hermann Blumer.

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