TKB-Millionen sollen in Digital-Campus fliessen
05.03.2020

TKB-Millionen sollen in Digital-Campus fliessen

Mit den 127 Millionen aus dem Erlös der TKB-Partizipationsscheine will die FDP Thurgau die Standortattraktivität des Kantons verbessern. Das erklärten Vertreter von Parteileitung und Fraktion kürzlich an einer Medienkonferenz. Mit dem Geld sollen der geplante Digital-Campus, die Wiedereinführung eines Progymnasiums und die Berufsbildung unterstützt werden.

Vertreter aus Parteileitung und Fraktion zeigten an der Medienkonferenz im Murg-Auen-Park in Frauenfeld auf, wie sowas konkret funktionieren kann, berichtet das Onlineportal eastdigital.ch. «In der Regel hat man eine Vision, aber das Geld fehlt», bringt Kantonsrat Daniel Eugster das einmalige Thurgauer Dilemma auf den Punkt. Mit dem seit 2014 parkierten Reservekapital von 127 Millionen Franken aus dem Verkauf der TKB-Partizipationsscheine sei es genau umgekehrt, findet der FDP-Kantonsrat. «Den Mut für Visionen haben, offen und nachhaltig auch für die nächsten Generationen denken und Leuchttürme schaffen», wünscht sich Daniel Eugster. Mit dem vor einigen Tagen erschienenen Grundlagenpapier legt der Regierungsrat nun die Projektvoraussetzungen und Beurteilungskriterien für das bis Ende 2021 mit einem Ausgabenmoratorium belegte Kapital fest. «Das geplante Vorgehen ist sinnvoll», findet Daniel Eugster. Kantonsrätin Kristiane Vietze ergänzt: «Unserer Forderung, das Tafelsilber nicht einfach zu verscherbeln, beziehungsweise in die laufende Rechnung einfliessen zu lassen oder weitere Ruhekissen in Form von Reserven zu bilden, wird damit Rechnung getragen».

Braindrain entgegenwirken
Mit dem von der IHK Thurgau angestossenen Projekt «Digital Campus» sieht die FDP-Fraktion viel Potenzial. Kantonsrätin Kristiane Vietze betont: «Es ist enorm wichtig, dass in unserem Kanton Lehr- und Lernangebote für digitales Wissen und digitale Transformation entwickelt und an die passenden Zielgruppen vermittelt werden.» Damit könnte überdies auch dem Fachkräftemangel und dem Braindrain erfolgreich entgegengewirkt werden. Stark will sich die FDP-Fraktion auch für die Wiedereinführung eines Progymnasium machen. «Wir wollen unsere Jugend ihren Begabungen entsprechend optimal ausbilden.» Eine Anschubfinanzierung aus dem Kleinprojektefonds für die Arbeit einer solchen Projektgruppe würde die FDP begrüssen. «Die Führung des Progymnasiums wäre dann selbstverständlich über das ordentliche Staatsbudget abzuwickeln», macht Kristiane Vietze, Mitglied der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission des Grossen Rates deutlich.

Überbetriebliche Kurse – der dritte Lernort
Kantonsrätin Brigitte Kaufmann ist überzeugt: «Unser duales Berufsbildungsangebot ist ein Erfolgsmodell und zusammen mit einer akademischen Ausbildung auf hoher Stufe von grosser wirtschaftlicher Bedeutung.» Der Kanton Thurgau sei ein typischer KMU-Kanton. Neben der betrieblichen Ausbildung und der Berufsfachschule wären die obligatorischen überbetrieblichen Kurse (ÜK) der sogenannte dritte Lernort in einer Berufslehre. «Ein moderner ÜK-Campus, der mehrere Berufsarten unter einem Dach vereint und dadurch Synergien ermöglicht, unterstreicht den Willen der FDP, die Wirtschaft mit guten Rahmenbedingungen zu unterstützen», macht Brigitte Kaufmann deutlich. «Damit könnten wir den Thurgau für die mittelständische Wirtschaft noch attraktiver und junge Menschen in der Ostschweiz noch fitter für die Zukunft machen», stellt sich Brigitte Kaufmann vor.

Unter der Federführung des Thurgauer Gewerbeverbandes (TGV) haben verschiedene Berufsverbände bereits die Interessengemeinschaft «Berufsbildungscampus Ostschweiz» (IG BCO) gebildet. In dieses Projekt, welches mit einem Investitionsvolumen von 30 Millionen Franken rechnet, möchte die FDP-Fraktion einen Teil der zur Verfügung stehenden Gelder fliessen lassen.

Standort Thurgau
Anders Stokholm sieht für den Kanton Thurgau noch weitere Möglichkeiten im Bildungsbereich. Denn es gebe viele Gelände, die einer neuen Nutzung zugeführt werden könnten. «Vor allem solche mit einer industriellen Vergangenheit», präzisiert der Frauenfelder Stadtpräsident und spannt dabei den Bogen zum Murg-Auen-Park, in welchem in den nächsten zehn Jahren eine dynamische Gebietsentwicklung stattfinde. «Der Thurgau sollte die Chance nutzen, die Fachhochschule Ost, welche sich aktuell vor einer Neuorientierung befindet, als zusätzlichen Standort für spezifische Angebote zu positionieren. Wenn der Kanton Thurgau zusammen mit Partnern wie beispielsweise der Stadt Frauenfeld sowie privaten Liegenschafteneigentümern gute Infrastrukturen entwickelt und diese Hochschule zu tragbaren Konditionen zur Verfügung stellt, können zukunftsweisende Perspektiven entstehen», konkretisiert Anders Stokholm.

Bildung und Innovation
Parteipräsident David H. Bon fasst zusammen: «Für uns sind Bildung, Forschung und Innovation zentral und eng miteinander verbundene Themen. Denn der Erfolg unseres Kantons beruht massgeblich auf einem dem Arbeitsmarkt angepassten und hervorragenden Bildungssystem. Deshalb werden wir die von meinen Kollegen vorgestellten Projektideen beim zuständigen Departement für Finanzen und Soziales zur Weiterbearbeitung empfehlen. Wir fordern von der Regierung konkrete Schritte und mutiges, fortschrittliches Handeln.»

So viel Geld soll fliessen
35 Millionen Franken sollen gemäss FDP in den Digital-Campus investiert werden. Dabei handelt es sich um ein Zentrum für Lehr- und Lernangebote für digitales Wissen und digitale Transformation. Das Projekt wird von der IHK Thurgau entwickelt. 30 Millionen Franken will die FDP für den Berufsbildungscampus Ostschweiz ausgeben. An einem noch zu bestimmenden Standort sollen Lehrlinge verschiedener Branchen die überbetrieblichen Kurse besuchen. Heute finden sie an diversen Orten statt. Und last, but not least möchte die FDP 50'000 Franken zur Anschubfinanzierung eines Untergymnasiums verwenden. Der laufende Betrieb würde aus dem ordentlichen Haushalt finanziert mit schätzungsweise 200’000 Franken jährlich. Die Vorschläge der FDP-Vorschläge kosten zusammen 65'050'000 Franken. Das ist rund die Hälfte des TKB-Erlöses.

Auf dem Bild von links: Daniel Eugster, Brigitte Kaufmann, Kristiane Vietze, Anders Stokholm und David H. Bon.