31.05.2018

Thurgau will gesunde Mitarbeiter

BGM steht für «Betriebliches Gesundheitsmanagement». Dafür setzt sich der Kanton Thurgau intern bereits seit einigen Jahren ein. Nun ist er auch der kantonsübergreifenden Trägerschaft Forum BGM Ostschweiz beigetreten und setzt damit ein Zeichen für die Gesundheit der Angestellten im ganzen Kanton Thurgau. Warum, erklärt IHK-Thurgau-Direktor Peter Maag.

Mit dem Beitritt des Kantons Thurgau in die Trägerschaft des Forum BGM Ostschweiz erhält das BGM in der Region einen weiteren Unterstützer. Vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels würden attraktive Arbeitsbedingungen und gesundheitsfördernde Strukturen zu einem Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, sagt Peter Maag (Bild), Direktor der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau. Er ist das frisch gewählte Thurgauer Vorstandsmitglied im Forum BGM Ostschweiz. Und für Regierungsrat Jakob Stark, der das Departement für Finanzen und Soziales führt, ist klar: «Um Gesundheit zu erhalten und zu fördern ist sowohl die Verantwortung jedes Einzelnen als auch das Schaffen gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen zentral.» Es brauche dazu ein koordiniertes Zusammenwirken aller Verantwortlichen. «Das Forum BGM Ostschweiz bietet dazu eine gute Grundlage», erklärt der oberste Gesundheitsverantwortliche des Kantons, Jakob Stark.

Die wichtigste Ressource
Das betriebliche Gesundheitsmanagement bringe den Unternehmen, der Volkswirtschaft und der Gesellschaft leistungsfähige und leistungswillige Mitarbeiter, ist Stark überzeugt. Diese seien die wichtigste Ressource und würden den Unternehmenserfolg sichern. «Leistungsbereitschaft setzt Gesundheit voraus. Eine gute Gesundheit bedeutet demnach nicht nur Lebensqualität für den Einzelnen, sondern führt auch zu einer höheren Produktivität der Wirtschaft und zur Leistungsfähigkeit der 2/5 Gesellschaft», erläutert Stark den Grund, warum der Kanton Thurgau dem Forum BGM Ostschweiz beigetreten ist.

Das Forum BGM Ostschweiz
Der Verein Forum BGM Ostschweiz ist ein Forum für alle Fragen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Ostschweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Es vereint das Wissen und die Erfahrungen aus dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement aus Forschung und Praxis. Dieses Know-how stellt es den Unternehmen, Betrieben und Organisationen gegen einen Mitgliederbeitrag zur Verfügung. Der Kanton Thurgau zahlt einen jährlichen Trägerschaftsbeitrag von 17‘500 Franken.

Der Verein Forum BGM ist 2007 auf Initiative des Kantons St.Gallen gegründet worden. Seit Mai 2009 wird er auch vom Kanton Appenzell Ausserrhoden und seit Mai 2011 vom Fürstentum Liechtenstein aktiv unterstützt. Seit Januar 2018 sind zusätzlich der Kanton Appenzell Innerrhoden und der Kanton Thurgau dazugekommen.

Interview mit dem Thurgauer Vorstandsmitglied im Forum BGM Ostschweiz, Peter Maag

Peter Maag, als Thurgauer IHK-Direktor beschäftigen Sie sich schon viele Jahre mit dem Thema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Erfahren Sie manchmal noch Überraschendes?
Maag: Definitiv. Regelmässig bin ich davon überrascht, wie weit einige Firmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung sind. Sie haben etwa Fachpersonen eingestellt, die ausschliesslich für die Gesundheit der anderen Mitarbeiter zuständig sind. An einem Anlass lernten wir beispielsweise die Happiness and Community Managerin der Firma Blackroll in Bottighofen kennen. Zu deren Aufgaben gehört, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter glücklich, gesund und motiviert sind. Von solchen Stellenprofilen hatte ich bis dahin noch nicht gehört.

Anfang Jahr ist der Thurgau als Trägerkanton dem Forum BGM Ostschweiz beigetreten. Sie vertreten den Kanton im Vorstand. Gibt es Themen, die Sie speziell fördern möchten?
Maag: Obwohl es immer mehr Firmen gibt, die in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement investieren, muss das Thema in der Öffentlichkeit bekannter werden. Zudem gibt es viele Firmen, die zwar etwas für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun, eine Systematik oder ein Konzept fehlt aber oftmals. Das zu ändern ist mein Ziel. Ich möchte die betriebliche Gesundheitsförderung etwa stärker an Veranstaltungen der IHK thematisieren. Eine Möglichkeit ist, Firmen, die ein betriebliches Gesundheitsmanagement haben, dabei als gute Praxisbeispiele vorzustellen. So lernen in diesem Bereich unerfahrenere Unternehmen, welche Massnahmen sich bewähren. Auf diese Weise wird wichtiges Know-how weitergegeben.

Welche Priorität hat ein betriebliches Gesundheitsmanagement in den Betrieben?
Maag: Bei den meisten Firmen hat ein betriebliches Gesundheitsmanagement nicht die oberste Priorität. Aber es ist fast überall ein Thema, etwa wenn es darum geht, zunehmenden Absenzen der Mitarbeiter oder der Fluktuation entgegenzuwirken. Grosse Firmen stellen dann häufig externe Coaches an. Kleinere Firmen suchen intern nach Lösungen.

Würden Sie sagen, betriebliches Gesundheitsmanagement befindet sich im Aufwind?
Maag: Ja. Es ist im Interesse der Firmen, dass es ihren Mitarbeitern gut geht. Ausserdem fehlen immer mehr Fachkräfte. Attraktive Arbeitsbedingungen und gesundheitsfördernde Strukturen sind für die Unternehmen zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil geworden. Auch hat der Alltagsstress durch die ständige Erreichbarkeit zugenommen und es wird immer schwieriger, Privates und Arbeit zu trennen. Ein gutes Arbeitsklima und speziell geschulte Ansprechpersonen in den Unternehmen wirken dem entgegen.

Wie greifen Sie seitens der IHK Thurgau solche Entwicklungen auf?
Maag: Als beispielsweise Burnout in der Öffentlichkeit immer mehr diskutiert wurde, haben wir zu dem Thema eine Tagung organisiert. Wir wurden damals mit Anmeldungen überhäuft. Ein aktuelles Beispiel sind die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse. Seitens der IHK sind wir unzufrieden mit der Art, wie Arztzeugnisse ausgestellt werden. Zusammen mit dem Thurgauer Gewerbeverband und der Ärztegesellschaft Thurgau haben wir uns daher um eine gemeinsame Lösung bemüht.

Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?
Maag: Unser Ziel ist, den Austausch zwischen Arbeitgebern und Ärzten zu stärken. In komplexen Krankheitsfällen könnte der behandelnde Arzt ein detailliertes Arztzeugnis erstellen und dieses mit Zustimmung des Patienten dem Arbeitgeber zustellen. Durch diese Zusammenarbeit werden den Patienten eine möglichst optimale Rekonvaleszenz und eine rasche und gesicherte Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess ermöglicht.

Durch die so koordinierte Zusammenarbeit sollen Arbeitsausfälle, aber auch Gesundheitskosten reduziert werden. Prioritär sind die Gesundheit der Arbeitnehmer sowie die Erhaltung des Arbeitsplatzes.

Gibt es Unterschiede in den verschiedenen Branchen bezüglich der Betrieblichen Gesundheitsförderung?
Maag: Die Industrie und Landwirtschaft sind im Thurgau stärker als in der übrigen Schweiz vertreten. Auch haben wir gute Kliniken und einen starken Reha-Bereich. Es ist naheliegend, dass die Gesundheitsbranche in der betrieblichen Gesundheitsförderung weiter ist als etwa die Industrie. Aber je mehr Vorbilder es gibt, desto mehr können wir auch die übrigen Firmeninhaber von den Vorteilen überzeugen. Für ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement braucht es nicht zwangsläufig grosse Investitionen.

Welche Projekte möchten Sie als Nächstes fördern?
Maag: In diesem Jahr planen wir einen Gesundheitsanlass, an dem wir Firmen und ihr betriebliches Gesundheitsmanagement vorstellen möchten. Ausserdem werden wir einen Leitfaden präsentieren für Arbeitgeber, wie sie mit Absenzen umgehen sollen. 5/5 Dritter Schwerpunkt ist, die Ärzte stärker für die Vorteile des detaillierten Arztzeugnisses zu sensibilisieren. Es bringt nichts, wenn ein Arbeitnehmer so lange am Arbeitsplatz fehlt, dass er nicht mehr integriert werden kann. Es braucht einen stärkeren Dialog zwischen Behandelnden, Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Persönlich möchte ich diese Themen in den Publikationen der IHK und des Gewerbeverbandes und an diversen Anlässen und aufgreifen.

Dritter Schwerpunkt ist, die Ärzte stärker für die Vorteile des detaillierten Arztzeugnisses zu sensibilisieren. Es bringt nichts, wenn ein Arbeitnehmer so lange am Arbeitsplatz fehlt, dass er nicht mehr integriert werden kann. Es braucht einen stärkeren Dialog zwischen Behandelnden, Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Persönlich möchte ich diese Themen in den Publikationen der IHK und des Gewerbeverbandes und an diversen Anlässen und aufgreifen.