Startups nicht vergessen!
25.03.2020

Startups nicht vergessen!

Die Liquiditätsquellen für Startups sind wegen der Coronakrise versiegt. Wenn die Schweiz auch nach dieser Krise noch ein Startup Ökosystem haben soll, dann müsse der Bundesrat unverzüglich handeln und den Pionieren der Wirtschaft unter die Arme greifen, findet unser Gastautor Josip Sunic, CEO der St.Galler AppArranger AG.

In den Aufbau eines starken Schweizer Startup Ökosystems wurde von Akademie, Politik und der Wirtschaft viel investiert. Alleine im Jahr 2018 wurden 1.24 Milliarden Schweizer Franken in Schweizer Startups investiert, 31.8 % mehr als noch im Vorjahr. Die Schweiz ist international eine der führenden Nationen, wenn es um Innovation geht. Halbstaatliche und private Fördervereine spriessen neben den Startups wie Pilze aus dem Boden.

Alle hochtechnologischen und innovativen Startups haben etwas gemeinsam – sie investieren über mehrere Jahre Millionen von Franken in die Produkt- und Marktentwicklung, bevor auch nur ein Franken Umsatz oder Gewinn erwirtschaftet wird. Die Investitionen von Startups werden mit Investorengeldern oder Geldern von risikobereiten Kunden finanziert. Der Zugang zu Investoren erfolgt über entsprechende Anlässe, derjenige zu Kunden über Verkaufsaktivitäten.

Das Veranstaltungsverbot und die hohe Ungewissheit auf Investorenseite führen zum Abbruch von Fundraising-Veranstaltungen und Finanzierungen. Viele Investoren haben die Handbremse angezogen, weil sie die wirtschaftlichen Konsequenzen der angeordneten Coronavirus-Massnahmen für sich selbst nicht einschätzen können. Der Zugang zu Kunden gestaltet sich schwierig, auch haben diese momentan selbst mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Startups sind dafür bekannt, besonders liquiditätssensibel zu sein und von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde zu leben. Von der Initialisierung bis zur Abwicklung einer solchen vergehen schnell mehrere Monate. Die Liquiditätsquellen für Startups sind versiegt. Es wird einige Monate oder länger dauern, bis diese Finanzierungsprozesse wieder in Gang kommen und Liquidität in die Schweizer Startup-Szene fliesst.

Die vom Bundesrat verordneten Massnahmen entlasten einen Grossteil der Wirtschaft. In dieser Wirtschaft geniessen Startups eine Sonderstellung. Sie qualifizieren sich durch die vom Bund verordnete Schablone betrachtet nicht als gesunde Unternehmen. Weder Kurzarbeit noch verbürgte Kredite in Höhe von 10 % des Umsatzes helfen diesen Startups.

Wenn die Schweiz auch nach dieser Krise noch ein Startup Ökosystem haben soll, dann muss der Bundesrat unverzüglich handeln und den Pionieren der Wirtschaft unter die Arme greifen. Fast alle Banken haben Instrumente, Experten und (noch) beschränkte Mittel für die Finanzierung von Startups. Die Inanspruchnahme von Krediten bei Banken muss für Startups vereinfacht werden. Die Banken müssen Startups prüfen und finanzieren. Der Bund muss aber, mindestens einen relevanten Teil des Risikos, mit einer Bürgschaft übernehmen.

Startups sind aufgrund ihrer Skalenmodelle besonders dafür geeignet, die Schweizer Wirtschaft nach dieser Krise wieder anzukurbeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen - sofern es sie dann noch gibt.

Autor: Josip Sunic (Bild), CEO AppArranger AG, St.Gallen