Stadler verkauft 2019 so viele Züge wie noch nie
05.03.2020

Stadler verkauft 2019 so viele Züge wie noch nie

Der Auftragseingang für das Jahr 2019 beläuft sich auf 5,1 Milliarden Schweizer Franken und liegt über 700 Millionen Franken über dem Vorjahr. Dies teilt Stadler mit. Davon sind über 833 Millionen Schweizer Franken im Berichtssegment Service & Components angefallen. Der Auftragsbestand wächst damit auf rekordhohe 15 Milliarden Schweizer Franken.

Das Jahresergebnis von Stadler in Kürze:

  • Rekordhoher Auftragseingang von 5,1 Millarden Franken, davon 833 Miillonen Franken im Bereich Service.
  • 444 ausgelieferte Fahrzeuge (Zuwachs von 80 Prozent), erfolgreiche Zulassungsprozesse und pünktliche Flotten-Inbetriebnahmen in mehreren Ländern.
  • Zuwachs um 23 Prozent auf knapp 11000 Mitarbeitende im Jahresdurchschnitt.
  • Umsatzwachstum um 60 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken.
  • Ebit-Marge von 6.1 Prozent getrieben durch höhere Investitionen in Wachstum, Mehrkosten in Projekten (insbesondere Greater Anglia) und Wechselkursverwerfungen.
  • Anhaltend hohe Investitionen und Mehrkosten im Zusammenhang mit dem Ausbau der Kapazitäten werden die Profitabilität auch im laufenden Jahr beeinflussen.
  • Die mittelfristigen Finanzziele werden bestätigt.
  • Der Verwaltungsrat beantragt zuhanden der Generalversammlung eine Dividende von 120 Millionen Franken (1.20 Franken pro Aktie).

Stadler hat in den vergangenen Jahren in neue Technologien investiert und konnte gleich für mehrere Innovationen viel früher als erwartet Kunden gewinnen. Dies teilt das Unternehmen mit. Dazu zählen Digitalisierungsprojekte, neue Antriebstechnologien mit Akku und Wasserstoff sowie ein komplett neu entwickeltes Strassenbahnmodell.

Investitionen in das Wachstum und Mehrkosten in Projekten (insbesondere Greater Anglia) haben Ebit und Ebit-Marge belastet. Ebenso hatten Wechselkursveränderungen, insbesondere zwischen dem Schweizer Franken und der norwegischen sowie der schwedischen Krone einen negativen Einfluss auf das operative Ergebnis. Infolge des rekordhohen Bestellungseingangs wurde das Ergebnis auch durch höher als ursprünglich erwartete Verkaufsaufwände beeinflusst, heisst es in der Mitteilung.

Nicht nur betreffend Auftragseingang war das Jahr 2019 durch ausserordentliches Wachstum geprägt, so Stadler: Insgesamt wurden im vergangenen Geschäftsjahr 444 Züge und Lokomotiven ausgeliefert. Das entspreche einer Steigerung um rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr, schreibt Stadler weiter. Wesentlicher Bestandteil der Auslieferungen seien sieben Fahrzeugflotten, die nach Erhalt der Zulassung in verschiedenen Ländern den regulären Fahrgastbetrieb aufgenommen haben; darunter befinden sich der Hochgeschwindigkeitszug Giruno für die SBB und der Doppelstockzug für Mälardalstrafik in Schweden.

Umsatz kräftig gesteigert
Stadler erzielte im Geschäftsjahr 2019 ein Umsatzwachstum von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf rund 3,2 Milliarden Schweizer Franken (Vorjahr 2 Milliarden Schweizer Franken), schreibt das Unternehmen «Aufgrund von Verschiebungen in Projekten (primär Greater Anglia) fällt der Umsatz in der Berichtsperiode jedoch tiefer aus als erwartet, was sich ebenfalls auf das Ergebnis auswirkt», so Stadler weiter.
 
Der Auftrag Greater Anglia stelle Stadler vor besondere Herausforderungen in mehrfacher Hinsicht: Einerseits habe das Kamerasystem eines britischen Zulieferers nicht den Erwartungen an Leistungsfähigkeit und Stabilität entsprochen. Andererseits sei die Infrastruktur in dieser Region in die Jahre gekommen, was bei der Einführung der bimodalen FLIRT zu Störungen geführt habe. Die Zulassung für die bimodalen (BMU) und elektrischen (EMU) Triebzüge sei jedoch in Rekordzeit erreicht worden.

Ebit-Marge von 6.1 Prozent
Das operative Ergebnis auf Stufe Ebit konnte ebenfalls gesteigert werden. Die Ebit-Marge lag mit 6,1 Prozent unter dem Wert des Vorjahres und unter den eigenen Erwartungen, schreibt Stadler. Verschiebungen und Mehrkosten bei einzelnen Aufträgen hätten das Ergebnis massgeblich beeinträchtigt. Infolge des rekordhohen Bestellungseingangs wurde der Ebit auch durch Verkaufsaufwände belastet, die höher als erwartet ausgefallen seien. Ebenso hätten Wechselkursveränderungen, insbesondere zwischen dem Schweizer Franken und der norwegischen sowie der schwedischen Krone, einen negativen Einfluss auf das operative Ergebnis.

Kapazitätsausbau nötig
«Um die Auslieferung der im vergangenen Jahr bestellten Fahrzeuge in der bewährten Qualität sicherstellen zu können, ist an mehreren Standorten ein Kapazitätsausbau und ein Aufbau speziell geschulter Fachkräfte nötig», schreibt Stadler. Stadler sei im vergangenen Jahr gruppenweit um 2044 Mitarbeitende gewachsen (durchschnittliche Anzahl FTE), was einem Zuwachs von rund 23 Prozent entspricht. Im Jahr 2019 arbeiteten im Schnitt über 10 900 Mitarbeitende bei Stadler.

«Insbesondere die Einarbeitung der neuen Mitarbeitenden hat zu höheren Aufwänden bei einigen Aufträgen geführt», hält Stadler fest. Zu einem weiteren Ausbau von Kapazität und Mitarbeitenden komme es neben der Schweiz insbesondere in Deutschland, Spanien und Weissrussland. Nach wie vor sei die Schweiz mit über 3900 Mitarbeitenden die grösste Division in der Gruppe.
 
«Mit dem neuen Werk in St. Margrethen wurden optimale Bedingungen geschaffen, um auch aus dem Hochlohnland Schweiz heraus in einem stark umkämpften Markt wettbewerbsfähig bleiben zu können», sagt Stadler. Am Standort St. Margrethen betrage die Investition in den Werkplatz Schweiz, verteilt über mehrere Jahre, über 86 Millionen Schweizer Franken. Auch im Jahr 2019 seien an verschiedenen Standorten signifikante Investitionen zur Erweiterung der Kapazitäten getätigt worden.
 
Der Netto-Geldfluss aus Betriebstätigkeit beläuft sich nach wachstumsbedingt überdurchschnittlich hohen Investitionen in das Nettoumlaufvermögen sowie Verzögerungen in einzelnen Projekten auf -186,8 Millionen Schweizer Franken (gegenüber -193,3 im Vorjahr).

Neue Märkte
Stadler war in Asien in zweifacher Hinsicht erfolgreich, heisst es in der Mitteilung: Erstens konnten 34 dieselelektrische Lokomotiven nach Taiwan verkauft werden. Zudem habe Stadler im September 2019 einen Joint-Venture-Vertrag mit PT Inka in Indonesien abgeschlossen, um auf dem asiatischen Kontinent Fuss zu fassen. Stadler sieht in der Basis in Indonesien die bestmögliche Voraussetzung, um in dieser Region profitabel zu wachsen.

Seit Anfang Jahr sind die ersten US-FLIRT in Dallas Fort Worth im Fahrplanbetrieb. Am 13. Mai konnte das neue Montagewerk in Salt Lake City (Utah) feierlich eingeweiht werden. Anfang Juni konnte der erste Servicevertrag in den USA gewonnen werden: Der Auftrag zur Lieferung von acht Zügen des Typs FLIRT für Dallas Rapid Transit (DART) beinhalte auch die Planung eines Service-Depots, so Stadler. Im November haben die Metropolitan Atlanta Rapid Transit Authority (MARTA) und Stadler den Vertrag für die Lieferung von 127 METRO-Zügen mit zwei Optionen für je 25 weitere Züge unterschrieben. «Für Stadler ist dies die grösste Einzelbestellung von Fahrzeugen in der Geschichte des Unternehmens und es markiert auch den ersten grossen METRO-Auftrag in den USA», schreibt Stadler.

Ebenfalls im November konnte sich Stadler den ersten Vertrag für einen mit Wasserstoff betriebenen Zug sichern. Für die San Bernardino County Transportation Authority (SBCTA) baut Stadler den ersten FLIRT H2, der ab dem Jahr 2024 im Fahrgastbetrieb eingesetzt werden soll.

Servicegeschäft legt rasant zu
Der Auftragseingang im Berichtsegment Service & Components liegt im Jahr 2019 bei 833 Millionen Schweizer Franken und liegt damit deutlich über Vorjahresniveau, teilt Stadler mit. Im Mai konnte Stadler einen Vertrag für die Instandhaltung von über 100 Zügen des Bahnbetreibers Vy in Norwegen abschliessen. «Es ist die grösste Einzelflotte, die Stadler je unter Vertrag genommen hat», hät das Unternehmen fesst.

Im Bereich Modernisierung und Refit konnte Stadler in Deutschland zwei grosse Aufträge von Bogestra und Netinera gewinnen. Volumenmässig eher kleinere, aber strategisch wichtige Aufträge vor dem Hintergrund der Digitalisierung sind die Aufträge zum Einbau des Stadler Diagnosesystems (RDS-System), so Stadler. 
 
Am neu eröffneten Service-Standort in Herne, Deutschland, werde Stadler im Auftrag des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) 41 Fahrzeuge der neuen Flotte für die S-Bahn Rhein-Ruhr über einen Zeitraum von 32 Jahren instand halten. Und in UK übernehme Stadler nach der Lieferung der 52 neuen METRO­-Züge für Merseytravel in Liverpool auch für 35 Jahre die Verantwortung für die Instandhaltung der Züge im hochmodernen neuen Depot in Liverpool-Kirkdale. Für die nach Schleswig-Holstein verkauften neu entwickelten FLIRT Akku sei Stadler Service über einen Zeitraum von 30 Jahren für die Instandhaltung verantwortlich, heisst es in der Mitteilung weiter.

Etablierung im Signallinggeschäft 
Seit 2016 ist bei Stadler der kontinuierliche Auf- und Ausbau des Signalling-Bereichs im Gang. Am Signalling-Standort Wallisellen arbeiten mehrere Teams von hochqualifizierten Ingenieuren an der Umsetzung der Signalling-Strategie für die Produkte Vollbahnen, Nebenbahnen und Metro, schreibt Stadler.

Erste Erfolge hätten sich bereits letztes Jahr eingestellt: Das von Stadler mit Mermec im Joint Venture AngelStar entwickelte ETCS-Zugbeeinflussungssystem GUARDIA habe 2019 die generische Zulassung erlangt und komme bei den neuen FLIRT-Zügen der BLS zum Einsatz, die in diesem Sommer zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Aktuell laufen entsprechende Projekte auch in Polen, Ungarn, Slowenien, Italien und Deutschland, schreibt Stadler. «Darüber hinaus zeichnen sich weitere Projekte ab und die länderspezifische Zulassung für Stadler GUARDIA wird stufenweise bis 2022 in zehn Ländern erwirkt», so das Unternehmen weiter. Anfang 2020 ist Stadler Signalling in eine eigene Firma überführt worden.  

Änderungen im Management 
Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung haben im Jahr 2019 einige Änderungen erfahren, die grösstenteils Konsequenz eines von langer Hand geplanten Generationenwechsels waren. So habe Jure Mikolčić am 1. Februar 2019 die Leitung der Division Deutschland übernommen. Markus Bernsteiner hat am 1. Juni 2019 Markus Sauerbruch als Leiter des Werks in Altenrhein abgelöst. Vertriebschef Peter Jenelten hat im Mai sein Amt an Ansgar Brockmeyer übergeben und habe nach 19 Jahren bei Stadler in die PCS Holding in Frauenfeld gewechselt.

An der Generalversammlung im März 2019 wurde Barbara Egger-Jenzer, ehemalige Berner Regierungsrätin, als erste Frau in den Verwaltungsrat von Stadler gewählt. Mitte Juli musste Stadler leider vom Tod seines überaus geschätzten, langjährigen Verwaltungsratsmitgliedes Dr. Werner Müller (seit 2003), ehemaliger deutscher Bundeswirtschaftsminister, Kenntnis nehmen. Zuhanden der Generalversammlung am 30. April 2020 schlägt der Verwaltungsrat Doris Leuthard, ehemalige Schweizer Verkehrsministerin, zur Wahl in den Verwaltungsrat vor. Friedrich Merz stelle sich nicht mehr zur Wiederwahl.

Erfolgreicher Börsengang
Seit dem 12. April 2019 ist die Stadler Rail AG an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange notiert. «Der stark beachtete Börsengang kann als grosser Erfolg verbucht werde», hält Stadler fest. Der Kurs habe sich seit dem ersten Handelstag erfreulich entwickelt. Gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Franken erhöhte er sich um über 27 Prozent per 31. Dezember 2019, so Stadler weiter. Die Aktie sei sehr breit gestreut: Per 31. Dezember 2019 zählte Stadler über 30 000 Aktionärinnen und Aktionäre, darunter ein grosser Anteil Kleinaktionäre. Rund 20 Prozent der Aktionäre besitzen nicht mehr als 50 Aktien.
 
Nach Ausübung der Mehrzuteilungsoption seien im Zuge des Börsengangs von Stadler insgesamt 40 250 000 bestehende Aktien und damit 40,25 Prozent des Aktienkapitals platziert worden. Das Platzierungsvolumen entsprach 1,53 Milliarden Franken. «Peter Spuhler hält direkt und indirekt über die PCS Holding AG 39,9 Prozent des Aktienkapitals von Stadler», heisst es in der Mitteilung. Weitere zehn Prozent halte die deutsche RSBG SE (vollständig im Besitz der RAG-Stiftung). Die Kosten für den IPO-Prozess gehen voll zu Lasten des verkaufenden Aktionärs.
 
Ausblick
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Stadler bei einer stabilen Währungssituation wiederum ein zweistelliges Umsatzwachstum und rechnet mit einem ähnlichen Ergebnis wie 2019. «Anhaltend hohe Investitionen und Mehrkosten im Zusammenhang mit dem Ausbau der Kapazitäten werden die Profitabilität auch im laufenden Jahr beeinflussen», schätzt Stadler. Die mittelfristigen Finanzziele würden klar bestätigt.

Der Verwaltungsrat beabsichtige, zuhanden der Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2019 eine Dividende von 120 Millionen Schweizer Franken (1,20 Franken pro Aktie) zu beantragen. Für das Geschäftsjahr 2020 sieht Stadler die Auszahlung einer Dividende in Höhe von circa 60 Prozent des Konzernergebnisses vor.