Stadler baut Hybridloks für die Rochers-de-Naye-Bahn
Text: pd/stz.
Für Stadler wächst das Modernisierungsprojekt am Genfersee um zwei weitere Fahrzeuge. Die Transports Montreux–Vevey–Riviera (MVR), ein Unternehmen der Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB), hat zwei vierachsige Zahnradlokomotiven des Typs HGem 4/4 bestellt. Sie sollen schrittweise die bisherigen Fahrzeuge für die Instandhaltung der Bahninfrastruktur zwischen Montreux und dem Rochers-de-Naye ersetzen.
Stadler entwickelt die Lokomotiven speziell für die anspruchsvollen Bedingungen auf der steilen Bergstrecke. Gebaut werden sie am Hauptsitz in Bussnang. Die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen, zeitgleich mit den acht neuen Panoramatriebwagen, welche die MVR im Mai 2025 bei Stadler bestellt hat.
Mit Fahrleitungsstrom oder Diesel unterwegs
Die neuen Lokomotiven verfügen über eine maximale Leistung am Rad von 1320 Kilowatt und eine maximale Anfahrzugkraft von 220 Kilonewton. Die 13,5 Meter langen Fahrzeuge sind für eine Spurweite von 800 Millimetern ausgelegt und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h.
Ihr Hybridantrieb ermöglicht den Betrieb sowohl unter der Fahrleitung als auch mit Diesel. Damit bleiben die Fahrzeuge auch für Unterhaltsarbeiten flexibel einsetzbar. Grosse Front- und Seitenfenster verbessern die Sicht für die Lokführer. Bei der Gestaltung der Arbeitsplätze stehen Ergonomie und Funktionalität im Vordergrund.
Fahrzeuge und Signaltechnik aus einer Hand
Die beiden Dienstlokomotiven ergänzen eine umfassende Erneuerung der Bergbahn. Die bereits bestellten acht Panorama-Zahnradtriebwagen werden ebenfalls in Bussnang gefertigt. Die rund 40 Meter langen Züge bieten Platz für jeweils 216 Fahrgäste und sind auf den touristischen Einsatz auf der Strecke mit Blick auf die Alpen und den Genfersee ausgerichtet. Ihr Design stammt von Pininfarina.
Zusätzlich erneuert Stadler die Sicherungsanlagen auf der rund elf Kilometer langen Strecke. Zum Einsatz kommt das CBTC-Signalsystem NOVA Pro, das Funktionen der Zugsicherung, Verkehrssteuerung und Automatisierung übernimmt. Es wird sowohl in den neuen Personenzügen als auch in den Dienstlokomotiven installiert. Dadurch lassen sich Fahrzeuge und Signaltechnik aufeinander abstimmen.
«Die Rochers-de-Naye-Bahn ist ein aussergewöhnliches Projekt», sagt Frédéric Evequoz, Leiter Verkauf Produktsegment Tailormade bei Stadler. Der Auftrag umfasse neben den neuen Panorama-Zahnradtriebwagen auch die Signaltechnik und nun die Lokomotiven für den Streckenunterhalt. «Diese Kombination zeigt sehr schön, wie wir Fahrzeuge und Signaltechnik auf die spezifischen Anforderungen einer Bahn entwickeln.»
Infrastruktur wird ebenfalls erneuert
Für die Betreiberin geht die Modernisierung über die Beschaffung neuer Züge hinaus. Parallel erneuert die MVR die Fahrleitung und die Energieversorgung und führt Arbeiten an Weichen und weiteren Bahnanlagen aus. Diese Arbeiten erfolgen etappenweise bis Anfang 2029.
«Wir erneuern nicht nur unsere Personenzüge, sondern schaffen gleichzeitig die Voraussetzungen für einen zuverlässigen und effizienten Unterhalt der Infrastruktur», erklärt Yves Marclay, Generaldirektor von MOB und MVR. «Gemeinsam mit der neuen Signaltechnik und der Erneuerung der Bahninfrastruktur entsteht so ein Gesamtsystem, das uns für die kommenden Jahrzehnte rüstet.»
Die seit 1892 bestehende Zahnradbahn auf den Rochers-de-Naye befördert jährlich mehr als 110’000 Fahrgäste auf über 2000 Meter Höhe. Mit der Erneuerung von Fahrzeugen, Infrastruktur und Signaltechnik will die MVR den langfristig sicheren, zuverlässigen und effizienten Betrieb dieses bahnhistorischen Erbes gewährleisten.