Holcim prüft Muschelschalen als Rohstoff
Text: pd/stz.
Die Quaggamuschel hat sich im Übergangsbereich zwischen Untersee und Rhein stark ausgebreitet. Nach dem Absterben werden ihre Schalen von der Strömung flussabwärts transportiert und in strömungsarmen Bereichen abgelagert. Besonders zwischen Eschenz und Hemishofen haben sich grosse Mengen angesammelt. Die Kantone Thurgau und Schaffhausen wollen deshalb untersuchen, wie sich die Sedimente entnehmen und sinnvoll verwerten lassen.
Für die letzte Septemberwoche ist eine Entnahme von rund 100 Kubikmetern im Bereich «z’Hose» unterhalb von Stein am Rhein vorgesehen. Der zum Zeitpunkt der Ankündigung sehr tiefe Wasserstand ermöglicht den Einsatz eines Löffelbaggers vom Ufer aus. Das entnommene Material ist für einen Industrieversuch im Holcim-Zementwerk Siggenthal im Kanton Aargau bestimmt.
Im Zentrum steht die Frage, ob die kalkhaltigen Muschelschalen im Zementherstellungsprozess als Ersatz für natürlichen Kalkstein eingesetzt werden können
Entscheidend sind dabei die Stabilität des Produktionsprozesses und die Einhaltung der Qualitätsanforderungen. Parallel laufen Versuche zur Verwendung der Schalen in der Düngemittelindustrie. Die Ergebnisse werden gegen Ende 2026 erwartet.
Eine erfolgreiche Verwertung könnte die Voraussetzung schaffen, um grössere Mengen der Ablagerungen zu entfernen und damit den Weitertransport in tiefere Flussabschnitte zu reduzieren. Grossflächige Ausbaggerungen kommen für die Kantone allerdings nur infrage, wenn sich das Material nachhaltig und zu verhältnismässigen Kosten verwerten lässt.
Grundlage der aktuellen Versuche sind vertiefte Untersuchungen aus dem vergangenen Jahr. Dabei liessen die beiden Kantone die Menge und Verbreitung lebender Quaggamuscheln erfassen sowie die Strömungsdynamik untersuchen. Die Abklärungen sollen erklären, wie das Schalenmaterial transportiert wird und weshalb sich an bestimmten Stellen besonders grosse Ablagerungen bilden. Die Erkenntnisse sind in einem Synthesebericht zusammengefasst.