Spitalkonferenz kritisiert St. Galler Spitalpläne
29.11.2019

Spitalkonferenz kritisiert St. Galler Spitalpläne

Die fünf Spitalstandorte Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschacher bekämpfen als «Spitalkonferenz» das vorgeschlagene Modell der St.Galler zur. Spitallandschaft. In ihrer Vernehmlassungsantwort schlägt die die Spitalkonferenz eine neue Variante vor, die ihren Standorten mehr Gewicht gibt.

Die Spitalkonferenz hat den Vernehmlassungsvorschlag der Regierung zur Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spital- verbunde analysiert und diskutiert, schreibt das Gremium in ihrer Mitteilung. Die Spitalkonferenz komme dabei zu folgenden vorläufigen Ergebnissen:

Die Spitalkonferenz anerkennt, dass eine Weiterentwicklung der Strategie der Spitalverbunde insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen nötig ist. Organisatorische und finanzielle Reformen seien zweifelsohne angesagt.

Namentlich ist die Spitalkonferenz bereit, einen Beitrag zugunsten der wirtschaftlichen Stabilisierung des Kantonsspitals St.Gallen zu leisten. Dieses soll die Zentrumsversorgung mit spezialisierten und hochspezialisierten Leistungen übernehmen, während alle anderen Spitalstandorte eine adäquate Gesundheitsversorgung gewährleisten.

Strategie «4plus5» untauglich
Die seitens der Regierung vorgestellte Strategie «4plus5» mit einem Zentrumsspital (Kantonsspital St.Gallen), drei Mehrspartenspitälern (Grabs, Wil und Uznach) und fünf Gesundheits- und Notfallzentren (Wattwil, Altstätten, Walenstadt, Flawil und Rorschach) erachtet die Spitalkonferenz jedoch als untauglich. Zumal dieser Strategie von Anfang an bestimmte Rahmenbedingungen (bspw. Standortvorgaben) zugrunde lagen, die organisatorisch und wirtschaftlich nie hinterfragt worden seien. Das gelte insbesondere für den Spitalstandort Wil, wo in den kommenden Jahren, nach Aussagen der Regierung, nochmals 170 Millionen Franken investiert werden müssten. Das ist nicht nachvollziehbar, so die Spitalkonferenz.

Die Resultate aus dem Teilprojekt 4 «Alternative Vorschläge» zeigen für die Spitalkonferenz, dass das gewählte Vorgehen nicht den Zusagen des Lenkungsausschusses entspreche. Statt einer vertiefenden individuellen Prüfung der von Seiten der Standortgemeinden eingebrachten Vorschläge, seien diese beispielsweise bei den Standorten Altstätten, Walenstadt und Wattwil über einen Kamm geschert und als gleichwertige Alternativen analysiert und behandelt worden. Auf unterschiedliche Aspekte der Vorschläge wurde nicht eingegangen, sagt die Spitalkonferenz. Dieses Vorgehen bestärke den Verdacht, dass das Teilprojekt 4 lediglich als «Beruhigungspille» für die betroffenen Standorte dienen sollte.

Aus Sicht der Spitalkonferenz sind die regionalen Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) weder zielführend noch überlebensfähig. Allein schon die geplante, minimalistische personelle und medizinische Ressourcenausstattung zeige, dass mit den GNZ keine qualitativ hochstehende Medizin mit teilweiser stationärer Behandlung angeboten werden könne. Solche Gesundheits- und Notfall- zentren (GNZ) könnten weder die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllen noch wirt schaftlich betrieben werden, findet die Spitalkonferenz. Über kurz oder lang müssten solche GNZ mangels Qualität, gutem Personal und wirtschaftlicher Überlegungen schliessen. Die vorgeschlagene «4plus5»- Strategie entpuppe sich daher mittelfristig als untaugliche und nicht gangbare «4plus0»-Strategie.

Medizinisches Basisangebot an allen Spitalstandorten
«Die Mitglieder der Spitalkonferenz erwarten von der Regierung, dass sie ein differenziertes medizinisches Angebot pro Spitalstandort anstelle der vorgestellten standardisierten Lösung ausarbeitet», heisst es in der Mitteilung weiter. Hierbei sollen auch die möglichen Veränderungen der Patientenströme in ausserkantonale Spitäler sowie ins Kantonsspital St.Gallen mitberücksichtigt werden.

Die Spitalstandorte Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach fordern anstelle der Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) pro Standort ein «Medizinisches Basisangebot» (ambulant und stationär) der allgemeinen und inneren Medizin. Dieses solle regionalspezifisch durch verschiedene Zusatzangebote (z.B. Akutgeriatrie, Psychosomatik, Palliativmedizin etc.) ergänzt werden.

Diese «MedPlus-Spitäler» sollen nach dem Vorschlag der Spitalkonferenz in Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten der Region während 24h pro Tag und 365 Tagen im Jahr betrieben werden (walk-in-Notfall), spezialärzt- liche Sprechstunden anbieten und, je nach Standort, über einen Operationssaal für ambulante Eingriffe sowie über mehrere Dutzend Betten verfügen. Ein solches Angebot wäre auch auf die demografische Entwicklung ausgerichtet, wünschen viele ältere und betagte Menschen doch eine sinnvolle und wohnortnahe medizinische Betreuung, so die Spitalkonferenz weiter.

Pilotversuch für Spitalstandort Wil
Sollte ein Gesundheits- und Notfallzentrum (GNZ) dennoch ein Thema sein, könnte nach Ansicht der Spitalkonferenz allenfalls – da die Spitalregion Fürstenland-Toggenburg (SRFT) als nicht überlebensfähig beurteilt wird – in Wil ein Pilotversuch vorgesehen werden, um mehr Wissen und Erfahrungen über die Nutzung, die Kosten, das benötigte Personal und die Verschiebungen der Patientenströme zu erhalten.

«Mit der Publikation dieser Eckwerte, die an einer Sitzung der Stadt- und Gemeindepräsidenten ausgearbeitet wurden, gibt die Spitalkonferenz ganz bewusst eine erste gemeinsame Einschätzung zu den ungenügenden Vorschlägen der St.Galler Regierung ab», schreibt die Spitalkonferenz. 

Die Arbeiten werden in den nächsten Wochen weiter vertieft. Jede Gemeinde werde auch eine eigene Stellungnahme zuhanden der Regierung ausarbeiten und einreichen. «Dies mit dem Ziel, die Spitalzukunft St.Gallen im Sinne der Bevölkerung mit spezifischen und finanzierbaren medizinischen Angeboten pro Standort weiterzu- entwickeln», so die Spitalkonferenz

Bildlegende: Spital Flawil