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Soziale Faulheit: Ein modernes Problem fordert moderne Lösungen

Soziale Faulheit: Ein modernes Problem fordert moderne Lösungen
Lesezeit: 3 Minuten

In der heutigen Arbeitswelt macht sich immer mehr das Phänomen der sozialen Faulheit breit. Damit Arbeitgeber auf die Zeichen der Zeit reagieren können und mögliche Lösungsvorschläge haben, führte der AGV Rheintal eine HR-Arena durch.

Text: Fabian Alexander Meyer/leaderdigital.ch

«Messen. Anerkennen. Sichtbar machen» unter diesem Motto fand die diesjährige AGV HR-Arena auf dem Firmengelände von Stadler Rail in St.Magrethen statt. Behandelt wurde die sogenannte soziale Faulheit und wie man ihr in der heutigen Zeit begegnen kann, ohne Mitarbeiter zu demotivieren.

 

Soziale Faulheit

Annamaria Oehri, Arbeits- und Organisationsentwicklung Stadler Rail Schweiz AG, vergleicht die Leistung eines Teams mit Seilziehen. «Acht Personen ziehen gemeinsam ein Auto. Was denken Sie, wie viel Leistung erbringt eine einzige Person?» Das Ergebnis erstaunt: «Jede Person leistet knapp 50% davon, wozu sie fähig ist.»

Dahinter steckt ein Phänomen, das zwar schon lange bekannt ist, allerdings nach wie vor wenig Beachtung bekommt. «Die soziale Faulheit. Wir erleben es auch heute im Arbeitsleben. Je grösser eine Gruppe oder ein Team ist, desto kleiner ist die Leistung der Einzelnen.» Da lasse man sich schnell mal von der Masse treiben und «nickt bei Meetings beispielsweise einfach mit, auch wenn man nicht aufpasst. Oder keiner antwortet im WhatsApp-Gruppenchat, weil jeder denkt, dass der Kollege antwortet.»

Wie also kann man diesem Phänomen entgegenwirken? Die kurze Antwort: Mit Sichtbarkeit. Die längere Antwort: Mitarbeiter sollen ihre Leistungen sichtbar dargelegt bekommen; beispielsweise mit Zielvereinbarungen oder klaren Aufgabenteilungen. Auch das Verkleinern von Gruppen wirkt der sozialen Faulheit entgegen. Ganz nach dem Motto «Leistung braucht Sicherheit.» 

Oehri: «Eine klare Aufgabenteilung und klare Zuständigkeiten schaffen nicht nur ein Gefühl der Verantwortung, sondern setzen auch voraus, dass sich jeder Mitarbeiter mit seiner eigenen Leistung auseinandersetzt.»

Annamaria Oehri, Arbeits- und Organisationsentwicklung Stadler Rail Schweiz AG
Annamaria Oehri, Arbeits- und Organisationsentwicklung Stadler Rail Schweiz AG

Zahlreiche Lösungen

Unternehmen haben laut Maurus Oehler, ebenfalls von der Stadler Rail Schweiz AG, verschiedene Möglichkeiten, die Leistungen der Mitarbeiter sichtbar zu machen, respektive Kennzahlen zu ermitteln. Die eine richtige Lösung gebe es allerdings nicht. Vielmehr soll durch verschiedene Fragestellungen das gewünschte Ergebnis ermittelt werden.

Diese Fragestellungen reichen von einfach bis detailliert. Beispielsweise die Frage danach, warum die Daten überhaupt ermittelt werden sollen, respektive wie dieses Ziel erreicht werden soll. «Auch im direkten Austausch mit anderen Unternehmen kann man Lösungswege eruieren.»

Mahlwerk  
Maurus Oehler, Stadler Rheintal AG
Maurus Oehler, Stadler Rheintal AG

Ein Gipfeltreffen am Morgen

Einer, der das Sichtbarmachen von Leistungen förmlich studiert hat, ist Tobias Wolf, CEO Wolf Storen AG. Das Unternehmen hat sich dem Motto verschrieben, die schönsten Schattenseiten zu erzeugen. Hinter dem KMU steckt eine Menge Start-up-Mentalität, was gerade in den unsicheren Zeiten sehr positiv ist.

«Gerade in Zeiten, in denen sich die Welt rasant verändert – man beachte den Aufstieg von KI – ist es wichtig, dass man sich als Unternehmen mitwandelt.» Wolf Storen hat die Zeichen der Zeit erkannt und ermuntert die Mitarbeiter auf verschiedenste Art zu Höchstleistungen, statt einfach nur Dienst nach Vorschrift zu erwarten. 

«Wir haben beispielsweise ein Pferderennspiel. Bei neuen Projekten werden klare Zwischenschritte definiert und einmal im Monat kontrolliert. Erreicht man einen bestimmten Meilenstein, wandert das Pferd ein Feld weiter zum nächsten Feld. Ist man am Ende angekommen, bekommt man ein Metallstück, welches man gegen eine einmalige Bonuszahlung eintauschen kann.» Das allein motiviere die Leute bereits sehr.

«Weiter führen wir auch sogenannte Gipfeltreffen durch. Wir treffen uns jeweils an einem Morgen bei Kafi und Gipfeli und lauschen einem Vortrag. Das kann ein Mitarbeiter sein, ich als Chef oder auch eine externe Person wie beispielsweise ein Comedian. Die letzten fünf Minuten des halbstündigen Anlasses werden damit verbracht, das Gehörte auf das Unternehmen und dessen Prozesse zu übertragen.»

Tobias Wolf, CEO Wolf Storen AG
Tobias Wolf, CEO Wolf Storen AG

Inspirationen und Lösungswege

Auch wenn an der HR-Arena keine abschliessende Komplettlösung für soziale Faulheit im eigenen Unternehmen gegeben werden konnte, so bekamen die Teilnehmer dennoch eine Inspiration und mögliche Lösungswege an die Hand, um die Probleme der heutigen Zeit bewältigen zu können. Beispielsweise mit kleineren Teams, klaren Aufgabestellungen und einer gesunden Portion Kontrolle, ohne dass es nach Überwachung aussieht.

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