St.Gallen

Senn gewinnt internationalen Speaker Award

Senn gewinnt internationalen Speaker Award
Hermann Scherer und Patrick Senn
Lesezeit: 3 Minuten
120 Teilnehmer aus 18 Ländern, vier Minuten Redezeit – und am Ende steht ein St.Galler auf der Bühne: Patrick Senn gewinnt am Internationalen Speaker Slam in Mastershausen den «Excellence Award». Der ehemalige tvo-Chefredaktor überzeugt mit einem Thema, das selten Applaus garantiert: Krisenkommunikation.

Text: stz.

Patrick Senn, wie muss man sich einen Speaker Slam vorstellen?
Ähnlich einem Poetry Slam: Alle Teilnehmer haben ein begrenztes Zeitfenster, bei uns waren es vier Minuten, um ihre Botschaft ans Publikum heranzutragen. Dann gibt es Feedback von der Jury – in meinem Fall sogar vom deutschen Marketing-Guru Hermann Scherer persönlich.

Was meinte er?
Das Feedback ist für interne Zwecke, wörtlich kann ich ihn nicht zitieren. Aber er war recht euphorisch und fand, meine Geschichte sei wie ein Krimi gewesen und gehöre unbedingt auf die grosse Bühne.

Worum ging es denn inhaltlich?
Krisenkommunikation und -management – also nichts, das alle 15 Sekunden für einen Lacher sorgt. Was mich ein bisschen besorgte, denn meistens werden die Lustigen besonders gut bewertet. Aber natürlich kann man mit dem Thema gut Spannung erzeugen – mein Alltag ist ja auch davon geprägt, dass man mit Situationen konfrontiert ist, in denen verschiedene Akteure handeln, aber man weiss nicht, wie.

Und wie macht man daraus eine Rede?
In der Vorausscheidung hatte ich den Fall des Eishockey-Nationaltrainers Patrick Fischer analysiert. Beziehungsweise, was in der Kommunikation und im Krisenmanagement schiefgelaufen war und wie man Fischer allenfalls hätte retten können.

Hätte man?
Das kommt darauf an, zu welchen Schlüssen ein professionelles Krisenmanagement gekommen wäre. Nur zwei Beispiele: Es hätte zwingend abgeklärt werden müssen, ob dem Team und Fischer durch die Untersuchung des Weltverbandes tatsächlich noch Ungemach drohen könnte, z.B. Sanktionen unmittelbar vor oder während der Heim-WM. Das hätte von den Sportjuristen abgeklärt werden müssen. Und dann wären natürlich auch Absprachen ganz wichtig gewesen: Der Dolchstoss durch das Statement von Swiss Olympic hätte zum Beispiel niemals passieren dürfen – solche Dissonanzen regelt man nicht in der Öffentlichkeit, sondern hinter den Kulissen. Und natürlich noch bevor der Fall öffentlich wird.

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Der ehemalige tvo-Chefredaktor ist heute Experte für Krisenkommunikation
Der ehemalige tvo-Chefredaktor ist heute Experte für Krisenkommunikation

Unterdessen ist der Fall ja auch für SRF eine Krise geworden?
Ja, und auch die Chefredaktion von SRF kann Krisenmanagement nicht, wie sich zeigte. Und damit sind wir bei meiner Kernbotschaft, auch am Speaker Slam: Wer eine Krise professionell bewältigen will, muss sich entsprechend vorbereiten. Leider vernachlässigen viele diese Vorsorge und stellen sich nicht rechtzeitig für heikle Situationen auf.

Aber es sind auch nicht alle gleichermassen exponiert! Und so viele Krisen passieren ja dann auch wieder nicht?!
Also alleine in der Schweiz hatten wir in den ersten vier Monaten 2026 schon vier grosse Krisen: Crans-Montana, Kerzers, den Gondelabsturz der Titlisbahnen und jetzt den Fischer-Skandal. Es gibt eben mehr Ereignisfälle und Krisen, als man denkt. Auch wenn nicht jede auf der Frontseite vom «Blick» landet.

Was gehört denn zu einer guten Krisenvorsorge?
Dass man ein professionelles Krisenmanagement aufstellt, mit einem Krisenstab und einem vordefinierten Stabsarbeitsprozess. Und dass man die Infrastruktur beschafft, die man in der Krise braucht.

Es braucht spezielle Infrastruktur für eine Krise?
Es kommt natürlich wieder auf die individuelle Situation an. Ein Beispiel: Ich war vor kurzem bei einem meiner Kunden in Wien, einem Museum. Wir spielten dort verschiedene Szenarien durch. Eines davon: Bei Bauarbeiten passiert ein tödlicher Arbeitsunfall, und weil eine tragende Mauer zusammenbricht, müssen alle Exponate aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. So etwas will definitiv im Vorfeld überlegt sein.

Sind Krisenstäbe nicht etwas für grosse Organisationen?
Man skaliert Krisenorganisationen. Ein Beispiel: Die SBB haben ein Dutzend verschiedenster Stäbe, je nach Ereignis. Bei einer Kinderkrippe besteht der Krisenstab vielleicht nur aus drei oder vier Leuten. Aber auf die muss ich dann eben schnell zugreifen können, wenn es so weit ist. Wichtig ist auch, rechtzeitig zu überlegen, wer z.B. den Medienschaffenden gegenüber Red und Antwort stehen würde. Und das sollte man besser einmal üben, bevor die Hütte schon in Vollbrand steht. Dafür gibt es Medientrainings.

Zurück zum Speaker Slam: Wie geht es nach dem «Excellence Award» weiter?
Tatsächlich sind es gerade intensive Zeiten. Ich war schon am Montag und Dienstag wieder im Gespräch mit dem «Team Scherer», welche nächsten Schritte wir angehen, um das Thema weiter in die Management-Etagen zu tragen. Drei Referate sind bereits gebucht und wir verhandeln aktuell sehr konkret über ein Buchprojekt.

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