St.Gallen

Schweizer Robotik spielt in Weltspitze

Schweizer Robotik spielt in Weltspitze
Künstliche Intelligenz gibt der Robotik neuen Schub
Lesezeit: 3 Minuten

217 Unternehmen, rund 7000 Arbeitsplätze und eine starke Verbindung zur Hochschulforschung: Die Schweizer Robotik hat sich international eine Spitzenposition erarbeitet. Eine neue Analyse von Raiffeisen Economic Research zeigt, dass das Land sowohl bei der Entwicklung als auch beim Einsatz von Robotern gut aufgestellt ist. Zur zentralen Herausforderung wird die Frage, wie aus vielversprechenden Start-ups grosse Unternehmen werden, deren Wertschöpfung in der Schweiz bleibt.

Text: pd/stz.

Fredy Hasenmaile
Fredy Hasenmaile

Die Gründungsdynamik hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Seit 2020 entstanden 50 neue Unternehmen, allein von 2023 bis 2025 waren es jährlich mindestens zehn. Auch international fällt die Schweiz auf: Seit 2020 erhielten hierzulande 3,8 Robotik-Startups pro Million Einwohner Risikokapital. Gemessen an dieser Kennzahl liegt sie deutlich vor den USA, Grossbritannien und den weiteren untersuchten europäischen Ländern.

«Die Verbindung von Hochschulforschung und Industrie schafft nicht nur viele neue Unternehmen. Robotik-Start-ups finden in der Schweiz auch früh Investoren und gute Voraussetzungen für ihr Wachstum», erklärt Hasenmaile.

Anspruchsvoll bleibt allerdings der Schritt vom jungen Technologieunternehmen zum international tätigen Anbieter. Rund 87 Prozent der Schweizer Robotikfirmen beschäftigen weniger als 100 Personen. Für grosse Wachstumsschritte sind sie zunehmend auf ausländisches Kapital angewiesen. Bei Finanzierungsrunden von mehr als 100 Millionen US-Dollar stammen laut Analyse lediglich zwölf Prozent der Investitionen aus der Schweiz, während 54 Prozent aus den USA kommen.

Das Interesse ausländischer Investoren und die zahlreichen Schweizer Niederlassungen internationaler Robotikunternehmen belegen die Attraktivität des Standorts. Gleichzeitig wächst das Risiko, dass erfolgreiche Firmen übernommen werden und Wertschöpfung ins Ausland verlagert wird. Für die Schweiz wird deshalb entscheidend sein, ihren Unternehmen auch in späteren Entwicklungsphasen Wachstum zu ermöglichen und sie langfristig im Land zu halten.

 

Das Schweizer Robotik-Ökosystem besteht aus 217 Unternehmen mit rund 7000 Arbeitsplätzen
Das Schweizer Robotik-Ökosystem besteht aus 217 Unternehmen mit rund 7000 Arbeitsplätzen

Die Ausgangslage im weltweiten Markt ist dynamisch. Mit mehr als fünf Millionen eingesetzten Robotern ist die Industrierobotik bereits ein Massenmarkt. Gleichzeitig gewinnen Anwendungen ausserhalb der Fabrikhallen an Bedeutung. 2025 wurden weltweit rund 207’000 professionelle Serviceroboter ausgeliefert. Sie kommen unter anderem in der Logistik, Medizin, Landwirtschaft, Reinigung und Inspektion zum Einsatz.

Besonders sichtbar wird die Entwicklung bei Robotaxis, die in Kalifornien seit Anfang 2026 monatlich mehr als zehn Millionen Personenkilometer zurücklegen. Der Boom rund um künstliche Intelligenz und humanoide Roboter löst zusätzliche Investitionen aus. Eine treibende Kraft ist China: Auf das Land entfallen mehr als die Hälfte der weltweiten Neuinstallationen von Industrierobotern und fast 90 Prozent der ausgelieferten humanoiden Roboter.

Die Schweiz gehört auch bei der Anwendung zur Spitzengruppe. Mit rund 29 Industrierobotern auf 1000 Industriebeschäftigte zählt sie weltweit zu den zehn führenden Ländern. Beim Einsatz professioneller Serviceroboter liegt sie gemäss der Raiffeisen-Analyse unter den europäischen Ländern an der Spitze.

Mit dem zunehmenden Arbeitskräftemangel gewinnt diese technologische Stärke an Bedeutung. Mehr als 30 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten in Berufen mit überdurchschnittlichem Einsatzpotenzial für Robotik. Daraus folgt allerdings nicht, dass ihre Arbeitsplätze wegfallen: Gerade Berufe mit hohem Fachkräftemangel verlangen häufig spezialisiertes Wissen und menschliche Interaktion. Roboter dürften die Beschäftigten deshalb meist unterstützen und nur selten ersetzen.

«Roboter können Fachkräfte entlasten», betont Hasenmaile. Sie könnten Unternehmen dabei helfen, die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu steigern. Für den langfristigen wirtschaftlichen Nutzen sei jedoch auch die Entwicklung des Standorts ausschlaggebend: «Entscheidend ist, dass Schweizer Unternehmen wachsen und ihre Wertschöpfung im Land halten können.»

Die Analyse stammt von Raiffeisen Economic Research. Raiffeisen ist die zweitgrösste Bankengruppe der Schweiz und unterhält mehr als drei Millionen Kundenbeziehungen, darunter zu über 200’000 Unternehmen. Zur Gruppe gehören 208 rechtlich eigenständige, genossenschaftlich organisierte Raiffeisenbanken mit mehr als zwei Millionen Genossenschaftern. Raiffeisen Schweiz übernimmt die strategische Führung und Aufsicht der Gruppe. Zu den zentralen Geschäftsfeldern zählen das Hypothekargeschäft, die Vermögens- und Vorsorgeberatung sowie das Firmenkundengeschäft.

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