Psychische Gesundheit beim Berufseinstieg
Text: pd/mew
Der Dialog Schule–Wirtschaft zeigte einmal mehr wie wichtig kurze Wege zwischen Schulen, Lehrbetrieben, Berufsberatung und Fachstellen sind. Für den veranstaltenden Industrie- und Handelsverein (IHF) der Region Frauenfeld stärkt diese Zusammenarbeit nicht nur die Jugendlichen auf ihrem Weg ins Berufsleben, sondern auch die Berufsbildung und die Nachwuchssicherung.
Vor dem offiziellen Programm nutzten die Gäste die Gelegenheit für eine Führung durch die Laborräume des Bildungszentrums für Technik (BZT). Dabei erhielten sie auch Einblick in MINT4kids, ein Angebot zur Förderung des Interesses von Kindern und Jugendlichen an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Das erklärte Wirkungsziel von MINT4kids ist, dass alle Schüler im Kanton Thurgau während ihrer Schulzeit mindestens einmal an einem entsprechenden Angebot teilnehmen können und damit einen praxisorientierten Einblick in die Thematik gewinnen.
Psychische Gesundheit: Veränderungen wahrnehmen und ansprechen
Im Zentrum des Abends stand das Thema psychische Gesundheit am Übergang von Schule zu Beruf. Psychische Belastungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben in den vergangenen Jahren zugenommen.
Der Einstieg in die Berufswelt fällt in eine Lebensphase, in der sich für Jugendliche vieles verändert – von neuen Bezugspersonen und längeren Arbeitstagen bis hin zu Leistungsanforderungen, Berufsfachschule und überbetrieblichen Kursen.
Zahlen, die aufhorchen lassen
Wie verbreitet die Problematik ist, zeigen aktuelle Zahlen aus dem Nationalen Gesundheitsbericht Obsan: Rund ein Fünftel der 16- bis 25-Jährigen zeigt mittelschwere bis schwere Depressionssymptome. Bei den 11- bis 15-Jährigen war 2022 fast die Hälfte von wiederkehrenden psychoaffektiven Beschwerden wie Traurigkeit, Müdigkeit oder Ängstlichkeit betroffen.
Veränderung als Frühwarnung
Roman Bernhard, Teamleiter und Case Manager bei Sulser & Partner, zeigte im Hauptreferat des Abends auf, woran Schulen und Lehrbetriebe mögliche Belastungen erkennen können. Entscheidend sei weniger ein einzelnes Verhalten als eine Veränderung gegenüber dem bisherigen Muster – etwa ein Leistungsabfall, zunehmende Absenzen, Rückzug, Konzentrationsprobleme oder ein verändertes Sozialverhalten.
Solche Beobachtungen seien keine Diagnose, wohl aber ein Anlass, das Gespräch zu suchen: Lehrpersonen und Berufsbildende müssen nicht therapieren, ihre Aufgabe ist es, Veränderungen wahrzunehmen, sie anzusprechen und bei Bedarf fachliche Unterstützung beizuziehen.
Breites Netzwerk an Anlaufstellen
Im Thurgau steht Jugendlichen, Eltern, Schulen und Lehrbetrieben dafür ein breites Unterstützungsnetz zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem das Case-Management Berufsbildung (CMBB) sowie medizinische und spezialisierte Fachstellen. Bei akuten Krisen ist Hilfe unter folgenden Nummern rund um die Uhr erreichbar: 147 für Kinder und Jugendliche, 143 für Erwachsene und im Notfall 144.