Partei- und Verbandsspitzen wollen mehr Kandidaturen
23.01.2019

Partei- und Verbandsspitzen wollen mehr Kandidaturen

Unschlüssig zeigten sich die verschiedenen Partei- oder Verbandsleitungen am kürzlich abgehaltenen Ausserrhoder Präsidententreffen. Und zwar auf die Frage, ob ausbleibende Kandidaturen auf verschiedene politische Ämter in Ausserrhoden ein Frauenproblem oder doch eher ein grundsätzliches Gesellschaftsproblem seien. Diskutiert wurde diese Thematik auf Initiative des Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden.

Dieser lädt seit vier Jahren die Vorsitze der Parteien sowie verschiedener Verbände zu einem Treffen ein. Anwesend waren Gewerbeverband, Industrieverein, Hauseigentümerverband, Bauernverband, Gastro Appenzellerland, Hotelierverein, Gewerkschaftsbund, Frauenzentrale sowie die Stiftung zur Förderung der Ausserrhoder Wirtschaft. Von der politischen Seite waren die Präsidenten von CVP, SP, FDP, SVP und Parteiunabhängige vertreten.

In einem Referat führte Jennifer Abderhalden (links im Bild) von der Frauenzentrale AR aus, welche Gründe Frauen von einer Kandidatur abhalten würden. Fehlende Zeitressourcen erwähnte sie dabei ebenso wie der fehlende Mut oder eine zu geringe Entschädigung. Ob es sich dabei jedoch um ein reines Frauenproblem handle, konnte die Vertreterin der Frauenzentrale nicht abschliessend beantworten. Mindestens genauso seien es auch die Erwartungen der Gesellschaft, welche die Frauen zur Zurückhaltung bewegen würden, so Abderhalden. Seitens der politischen Vertreter wie auch der Verbände wurden die Erkenntnisse der Frauenzentrale zur Kenntnis genommen. Die Lösung – und das wurde am Präsidententreffen deutlich – scheint jedoch nicht so einfach zu finden sein.

Angemessene Entschädigung gefordert
Ob Anpassungen der Gemeindestrukturen Auswirkungen auf die Hemmschwelle vor Kandidaturen haben könnten, bezweifelte Inge Schmid. Die Präsidentin der Gemeindepräsidentenkonferenz referiert zu diesem Thema. Nicht zuletzt sei es eine Frage der Entschädigung. Die Tätigkeit im Gemeinderat solle aus finanzieller Sicht kein Jobersatz sein, sie dürfe aber auch nicht so tief entschädigt werden, dass die Mehrheit zum vornherein abwinkt, so Schmid.

Der Gewerbeverband als Initiant und Organisator des Präsidententreffens beabsichtigt mit diesem alljährlichen Treffen, verschiedene Themen zu diskutieren, welche die Gesellschaft, die Verbände und die Politik gleichermassen betreffen. Das nächste Treffen findet im Januar 2020 statt.