23.07.2018

Ostschweizer Know-how für AC-Labor

Die weltweit einzigartige Vertikalschockprüfanlage im bundeseigenen AC-Labor in Spiez bedurfte einer kompletten Sanierung. Das führte die Hydraulikspezialisten der Romanshorner Girmatic AG an die Grenze des physikalisch Machbaren.

Vor rund 30 Jahren hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) eine sogenannte Vertikalschockprüfanlage (VESPA) im Labor Spiez in Betrieb genommen. Sie diente anfangs vor allem der Qualitätskontrolle von Schutzraumkomponenten und -einrichtungen. Aufträge aus der Industrie lasten die Anlage inzwischen bereits zu mehr als der Hälfte aus.

Ein Wassereinbruch, der im Jahr 2015 praktisch alle elektronischen Komponenten sowie Teile der komplexen Hydraulik in arge Mitleidenschaft gezogen hatte, erforderte eine umfassende Sanierung. Die damit beauftragte Girmatic AG aus Romanshorn war herausgefordert, nicht nur die Steuerung komplett neu zu entwickeln, sondern auch spezielle Bauteile zu konstruieren oder zu beschaffen.

Darüber hinaus galt es, bestehende Bauteile zu revidieren, zum Beispiel die beiden Mega-Servo-Ventile, die einen Volumenstrom von je 20'000 Liter pro Minute regeln, oder ein Hochdruckspeicher, der einem Druck von über 300 bar standhalten muss. Drei Jahre lang dauerten die Arbeiten zur Sanierung der VESPA. Das Auftragsvolumen überstieg eine Million Franken.

«Es war ein mutiger Entscheid der Girmatic, ja zu diesem Auftrag zu sagen», bestätigte André Zahnd, Chef Kollektivschutz im Labor Spiez, an einer kleinen Feier zur Wiederinbetriebnahme. Besonders freute er sich über eine integrale Lösung mit Schweizer Know-how von A bis Z. Die Anlage kann kurzzeitig bis zu 20 Megawatt Leistung abrufen – soviel wie ein kleines Wasserkraftwerk –, um mittels eines Hydraulikzylinders mit geschmiedeten Titan-Kolben Stösse zu erzeugen.

«Damit bewegen wir uns an der Grenze des physikalisch Machbaren», erklärte Christoph Girsberger, Inhaber und Geschäftsführer der Girmatic AG. Darum sei künftig besonderes Gewicht auf die Wartung dieser einzigartigen Anlage zu legen.

Weltweit einzigartig dürfte die Fähigkeit der Anlage sein, das Tragverhalten von Dübeln und Ankern bei dynamischer Beanspruchung im gerissenen Beton zu untersuchen, sagte Zahnd. So werden zum Beispiel regelmässig Befestigungsanker geprüft. Obwohl die Anlage meistens für Qualifizierungsprüfungen an Produkten für den Schweizer Markt verwendet werde, fänden auch immer wieder Losabnahmeprüfungen zugunsten von Internationalen Schutzbau-Grossprojekten statt. Dadurch reicht der Bekanntheitsgrad der VESPA bis nach Asien.

Auf dem Bild: Marc Cadisch, Leiter des Labors Spiez, Girmatic-Geschäftsführer Christoph Girsberger und André Zahnd, Chef Kollektivschutz im Labor Spiez, vor der erneuerten Schockprüfanlage.