Ostschweiz

New Work: Erwartungen und Realität gehen weit auseinander

New Work: Erwartungen und Realität gehen weit auseinander
Alexandra Cloots, Leiterin des iDNA Instituts für Diversität und neue Arbeitswelten an der OST
Lesezeit: 2 Minuten

Eine Studie des iDNA Instituts für Diversität und neue Arbeitswelten der OST zeigt: Die Erwartungen an New Work sind generationenübergreifend stabil. Nicht die Haltung der Mitarbeitenden ist das Problem, sondern die mangelnde Umsetzung in Führung, Strukturen und Zusammenarbeit. Diese Diskrepanz stand im Fokus des 9. St.Galler New Work Forums.

Text: pd/red

Das Forum wurde im Rahmen des HR-Panels New Work des iDNA Institut für Diversität und neue Arbeitswelten durchgeführt und widmete sich der Frage, wie Arbeit künftig sinnstiftend, fair und generationenübergreifend gestaltet werden kann. Vorgestellt wurden die Ergebnisse einer Jahresstudie, die untersucht, welche Erwartungen Mitarbeiter an ihre Arbeitgeber haben und wo diese im Arbeitsalltag scheitern. «Wir mussten feststellen, dass die Unterschiede zwischen Anspruch und Realität extrem gross sind», sagte Prof. Dr. Alexandra Cloots, Leiterin des iDNA.

Umsetzung scheitert im Alltag

An der quantitativen Online-Befragung nahmen Arbeitnehmer im Alter von 25 bis 60 Jahren teil, die überwiegend wissensintensiven Tätigkeiten in Büro und Industrie nachgehen. Unabhängig vom Alter erwarten sie eine Führung, die Entwicklung ermöglicht, Sinn vermittelt und technologische wie organisatorische Zukunftsfähigkeit sicherstellt. «Mitarbeiter erwarten keine Utopie, sondern verlässliche Arbeitsbedingungen», so Cloots.

Die zentrale Bruchlinie verläuft nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen Erwartung und erlebter Realität. Besonders gross ist die Lücke dort, wo Führungshandeln, Strukturen und Zusammenarbeit den formulierten Ansprüchen nicht gerecht werden. Mit zunehmendem Alter verstärkt sich diese Wahrnehmung. New Work scheitert laut Studie weniger an den Konzepten als an deren Verbindlichkeit. Klare Regeln und gemeinsame Prinzipien wären wirksame Hebel, fehlen jedoch häufig. In vielen Teams werden Erwartungen kaum geteilt und Zusammenarbeit nicht bewusst gestaltet.

Die Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Meinung, New Work sei vor allem ein Thema junger Arbeitnehmer. Die Erwartungen sind vorhanden, ihre konsequente Umsetzung bleibt aus. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind daher weniger neue Konzepte gefragt als verbindliche Praktiken im Alltag. «Gute Arbeit entsteht nicht durch Konzepte allein, sondern in den konkreten Situationen des Miteinanders», sagte Cloots.

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Wenn Kulturen Strategien blockieren

Neben den Studienresultaten prägten mehrere Keynotes das 9. St.Galler New Work Forum. Dr. Georg Wolfgang, Gründer der Culturizer GmbH, kritisierte in seiner Keynote «New Work. Old Leadership.» ein verkürztes Verständnis von New Work. Noch immer werde der Begriff mit Homeoffice, Obstkörben oder Du-Kultur gleichgesetzt. Tatsächlich gehe es um Selbstverantwortung, Potenzialentfaltung und Begegnung auf Augenhöhe. Bestehende Kulturen und Verhaltensmuster sabotierten oft neue Strategien. Veränderung brauche Reflexion, Training und kontinuierliche Führungsarbeit. Kultur lasse sich nicht verordnen, sondern entstehe im Dialog.

Auch Manuela Hartmann, verantwortlich für das Sponsoring bei der Frauenequipe des FC St.Gallen, hob die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle hervor. Mehr Flexibilität in den Strukturen erhöhe nachweislich die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer.

Mut zur Veränderung

Veränderung und Innovation gehen oft Hand in Hand. Dr. Mirjam Jaeger, Senior Managerin bei Avenir, warnte davor, Innovation als Selbstläufer zu betrachten. Neue Ideen seien wertlos, wenn sie nicht umgesetzt würden. Unternehmen müssten bereit sein, den ersten Schritt zu machen, auch ohne alle Antworten zu kennen. «Es braucht eine gewisse Nebelkompetenz», so Jaeger. Veränderung beginne mit dem Mut, ins Ungewisse zu starten.

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