«Momol, nüme nüt»
15.05.2019

«Momol, nüme nüt»

Das Lilienberg Unternehmerforum in Ermatingen kann auf eine 30-jährige bewegte Zeit zurückblicken. Grund genug, dieses Jubiläum im laufenden Jahr mit verschiedenen Aktivitäten zu feiern. Am vergangenen Wochenende war die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Trotz des eher kühlen und regnerischen Wetters folgten gegen 300 Menschen aus Nah und Fern der Einladung.

Als die Mutter ihre kleine Tochter am Ausgang des Lilienberg Zentrums an die Hand nehmen wollte, quengelte die Kleine und verweigerte ihr die Hand. Offensichtlich hatte dem Mädchen der Tag der offenen Tür zum 30 Jahre-Jubiläum so gut gefallen, dass sie nicht gehen wollte. All die blauen Luftballone, das bunte Glücksrad, das Pony reiten oder das Klavierkonzert wollte das Mädchen nicht missen.

Daniel Anderes (links im Bild), Leiter des Lilienberg Unternehmerforums, und Rositha Noebel (rechts), Projektleiterin für den Anlass, eilten am Tag der offenen Türe von Höhepunkt zu Höhepunkt. «Es ist ein Kommen und Gehen. Die Leute aus der Umgebung staunen über die Anlage. Bisher sahen viele an die Aussenmauern, nun können sie die Gebäude von innen sehen», sagte Anderes. Er erzählte von einem Ehepaar, das sich zu seinem 40. Hochzeitstag einen Ausflug auf Lilienberg gönnte. Bratwurst und Bürli, Risotto und Rotwein standen für das Ehepaar sowie für alle anderen Gäste bereit.

Falls das Ehepaar Lust auf Musik hatte und beschwingt ins nächste Ehejahr tanzen wollte, kein Problem: Kurt Lauer und die Swiss-German Dixie-Corporation führten musikalisch in den siebten Himmel. Und das ausgerechnet in der Aula, wo sonst die meisten Lilienberg-Gespräche stattfinden und über ernsthafte Themen gesprochen wird, wie das Grounding der Swissair, Innenstädte, die veröden, oder Künstliche Intelligenz.

Menschliche Intelligenz steht in den drei Erlebnisräumen, dem Lilienbergraum, dem Reichenauraum und dem Ermatingerraum, im Zentrum. Besucher konnten sich in die Situation eines Unternehmers versetzen, der Visionen seiner Firma nachspürt. Das Undenkbare denken, das Ungesagte aussprechen, das Unmögliche wollen – all das gehört zum gelebten Unternehmertum.

Viele Gäste genossen immer wieder den Blick ins Weite des Untersees. Der Herrschaftssitz mit seinem gepflegten Park ist seit 1989 ein Ort für Begegnungen, Gespräche und Bildungsveranstaltungen. Angesprochen sind dort alle unternehmerisch denkenden Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Trägerin ist die Stiftung Lilienberg, gegründet 1987 von Dr. h. c. Walter Reist und seiner Frau Lotti. Lilienberg Rezitale dienen des Weiteren Begegnungen von Persönlichkeiten in einem kulturell gediegenen Rahmen.

Herrschaftlich lebte die preussische Baronesse Caroline von Waldau, die die Villa Lilienberg 1840 nach den Regeln des «Goldenen Schnitts» bauen liess. «Johann, nimmst du den Gästen noch ihre Regenschirme ab, die haben in meinen Räumen nichts zu suchen», sagte eine Schauspielerin in der Rolle der Baronesse. Sie führte die Gäste vom Vestibül in die Küche und von dort in das helle und grosszügige Wohnzimmer. Selbst ins Schlafzimmer gewährte sie einen Einblick.

«Momol, nüme nüt», sagte eine Frau nach der Führung in der Villa. «Gewaltig!», meinte ein Ehepaar, das durch die Parkanlage schlenderte und sich dem Ausgang näherte. Sie kommen aus Kreuzlingen und fuhren schon ab und zu mit dem Fahrrad beim Lilienberg vorbei. «Wir hätten nie gedacht, dass das so eine schöne Anlage ist», meinte der Mann und verabschiedete sich.