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Milchbauern warnen vor dem «letzten Raclette»

Milchbauern warnen vor dem «letzten Raclette»
Am Sonntag, 9. August 2026, traf sich der Vorstand der Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost VMMO auf der Schwägalp zum «Tag des letzten Raclette»
Lesezeit: 2 Minuten

Mit einem bewusst zugespitzten Aktionstag auf der Schwägalp starten die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost ihren Abstimmungskampf gegen die Ernährungsinitiative. Die VMMO sieht bei einem Ja am 27. September die Schweizer Milchproduktion, landwirtschaftliche Investitionen und die Konsumfreiheit unter Druck.

Text: pd/stz.

Damit lancierte die Organisation ihre Kampagne gegen die Ernährungsinitiative, über die das Schweizer Stimmvolk am 27. September entscheidet.

Die Mitglieder des VMMO-Vorstands sind selbst aktive Milchbauern. Sie befürchten, dass eine Annahme der Initiative die Rahmenbedingungen für die Schweizer Milchproduktion grundlegend verändern würde.

Raclette steht für eine ganze Wertschöpfungskette

Das Raclette ist für die VMMO weit mehr als ein beliebtes Schweizer Gericht. Es steht symbolisch für eine landwirtschaftliche Wertschöpfungskette, die bei den Bauernfamilien, ihren Flächen und Tieren beginnt. Kühe verwandeln Gras und Raufutter in Milch, die anschliessend von Molkereien und Käsereien zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet wird.

Die Ernährungsinitiative verlangt, dass der Bund einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt. Dazu soll er insbesondere eine stärker auf pflanzlichen Lebensmitteln basierende Ernährung und eine entsprechend ausgerichtete Land- und Ernährungswirtschaft fördern. Die Vorgaben sollen innerhalb von zehn Jahren umgesetzt werden.

Nach Einschätzung der VMMO liesse sich das angestrebte Ziel nur erreichen, wenn Produktion und Konsum tierischer Lebensmittel deutlich reduziert würden. Der Verband warnt zudem vor höheren Preisen, zusätzlichen staatlichen Eingriffen und mehr Einkaufstourismus.

«Bei einem Ja wird das Raclette natürlich nicht am nächsten Tag verboten. Aber der politische Kompass würde neu ausgerichtet», sagte VMMO-Präsident Reto Schaufelberger. «Das betrifft unsere Betriebe, unsere Investitionen und die Zukunft der Milchproduktion.»

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Um den Gegensatz zwischen politischen Ernährungskonzepten und den natürlichen Bedingungen zu veranschaulichen, pflanzten die Vorstandsmitglieder auf rund 1300 Metern über Meer symbolisch Kartoffeln
Um den Gegensatz zwischen politischen Ernährungskonzepten und den natürlichen Bedingungen zu veranschaulichen, pflanzten die Vorstandsmitglieder auf rund 1300 Metern über Meer symbolisch Kartoffeln

Der Boden soll die Produktion bestimmen

Für die VMMO muss sich die landwirtschaftliche Produktion an Boden, Klima und Topografie orientieren. Wo Ackerbau sinnvoll ist, sollen pflanzliche Lebensmittel angebaut werden. Wo vor allem Gras wächst, könne dieses mithilfe von Kühen in Milch und Käse umgewandelt werden.

Gerade im Berg- und Alpgebiet sei eine Landwirtschaft ohne Nutztiere kaum denkbar. Ohne Bewirtschaftung drohten Flächen zu verbuschen und zu verwalden, wodurch wertvolle Kulturlandschaften verloren gingen.

«Die Schweiz braucht Pflanzenbau und Tierhaltung. Wo Ackerbau sinnvoll ist, sollen wir Ackerbau betreiben. Wo Gras wächst, können Kühe dieses Gras in wertvolle Lebensmittel wie Milch und Käse umwandeln. Eine standortgerechte Landwirtschaft beginnt beim Boden und nicht bei einer politisch gewünschten Menüplanung», betonte Schaufelberger.

Kartoffeln wachsen künftig auf der Schwägalp

Um den Gegensatz zwischen politischen Ernährungskonzepten und den natürlichen Bedingungen zu veranschaulichen, pflanzten die Vorstandsmitglieder auf rund 1300 Metern über Meer symbolisch Kartoffeln.

Die Aktion sollte zeigen, dass sich eine Wiese nicht allein durch politische Vorgaben in sinnvoll nutzbares Ackerland verwandeln lässt. Entscheidend sei nicht, was auf dem Papier möglich erscheine, sondern welche Produktion an einem Standort ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sei.

Auch Bundesrat und Parlament empfehlen die Ernährungsinitiative zur Ablehnung. Sie teilen zwar einzelne Anliegen, halten das Ziel eines Netto-Selbstversorgungsgrads von 70 Prozent innerhalb von zehn Jahren aber für kaum realistisch.

Die VMMO vertritt knapp 4000 aktive Milchproduzenten aus der Ost- und Zentralschweiz. Ihre Mitglieder erzeugen gemeinsam rund einen Viertel der Schweizer Milchmenge.

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