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«Manchmal würden wir gerne einfach wieder chlüttere»

«Manchmal würden wir gerne einfach wieder chlüttere»
Raphael und Daniel Vogel führen PP Autotreff gemeinsam und haben den Betrieb kontinuierlich weiterentwickelt.
Lesezeit: 4 Minuten

Vor 30 Jahren begann PP Autotreff als kleine Garage in Wittenbach. Heute führen Raphael und Daniel Vogel einen Betrieb mit 90 Mitarbeitenden. So gross wollten die Brüder eigentlich gar nie werden. Ein Gespräch über Wachstum, das Loslassen und die Freude daran, gemeinsam etwas weiterzubringen.

30 Jahre PP Autotreff. Was geht Ihnen bei dieser Zahl durch den Kopf?
Raphael Vogel: Gefühlt haben wir erst gerade auf die ersten zehn Jahre zurückgeschaut. Wenn ich daran denke, was wir alles erlebt haben, kommt es mir wie eine Ewigkeit vor. Unser Vater Paul hat 1996 zusammen mit Peter Sternig angefangen. Mit drei Mitarbeitenden an der Arbonerstrasse in Wittenbach. Zwischen damals und heute liegen Welten. Wir dachten einmal: Mehr als 30 Mitarbeitende sollen es nicht werden. Heute sind wir 90 ...
Daniel Vogel: Der Hunger, den Betrieb weiterzubringen, hat uns über all die Jahre begleitet. Und ja: Etwas Glück gehörte auch dazu.

Wie wichtig waren die Menschen auf diesem Weg?
Daniel Vogel: Sie waren das A und O. Ohne sie wäre nichts davon möglich gewesen. Man sieht die Gebäude, die Showrooms und die Fahrzeuge. Dahinter stehen aber Mitarbeitende, die jeden Tag ihre Arbeit machen. Kunden, die wiederkommen. Und Partner, auf die man sich verlassen kann. Ein Unternehmen entsteht nicht einfach, weil zwei Inhaber eine zündende Idee haben.
Raphael Vogel: Wir hatten zu den entscheidenden Zeitpunkten die richtigen Menschen im Betrieb. Solche, die dafür gebrannt haben. Das gilt auch für unsere Partner. Bei der AMAG waren es ebenfalls viele Personen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Solche Beziehungen machen viel aus. Manche Kunden begleiten uns sogar über Generationen. Da kennt man sich. Und weiss, was dem anderen wichtig ist.

«Neue Ideen zu entwickeln und etwas weiterzubringen, gibt uns Energie.»

Raphael, Sie sind 1998 als Automechaniker eingestiegen. Hatten Sie damals schon einen Plan?
Raphael Vogel: Nein. Ich kam aus dem Militär und wollte erst einmal «echli schaffe». Die Berufsmatura hatte ich, aber einen fertigen Plan gab es nicht. 2001 kam ich bereits in die Geschäftsleitung. So ist die Verantwortung Schritt für Schritt gewachsen. 2006 wurde dann zum Schlüsseljahr: Daniel kam dazu, wir übernahmen den Betrieb unseres Vaters und erhielten unseren ersten Händlervertrag von Volkswagen.
Daniel Vogel: Als Raphael in die Geschäftsleitung kam, war ich noch auf Wanderjahren. Unter anderem bei Auto Dünki in Neftenbach. Der Plan, später einzusteigen, bestand damals schon. Mit der Übernahme und dem VW-Erweiterungsbau 2006 stand dann einiges an.

Welcher Schritt war rückblickend besonders wichtig?
Daniel Vogel: Ein wichtiger Schritt gelang uns 2007. Den hat man von aussen vielleicht weniger wahrgenommen. Damals erhielten wir den Zuschlag, vier weitere Garagen mit Fahrzeugen zu beliefern. Wir hatten uns dafür in einer Art Einkaufsgemeinschaft zusammengeschlossen. Das war vielleicht nicht unser mutigster Entscheid. Aber für unsere Entwicklung war er sehr wichtig. Wir sahen damals, welche Möglichkeiten sich mit dem Wachstum eröffneten.
Raphael Vogel: Und dann natürlich der Audi Sport Store. Heute steht das Gebäude da. Man sieht ihm nicht mehr an, wie anspruchsvoll der Weg bis zur Eröffnung 2017 war. Zwischenzeitlich hatten wir sogar die Kündigung des Audi-Servicevertrags auf dem Tisch. Dagegen haben wir uns gewehrt und später den Zuschlag für die Audi-Vertretung erhalten. Es brauchte Geduld, Überzeugungsarbeit und die Bereitschaft, viel zu investieren. Unser Verwaltungsratspräsident Walter Koller hat uns dabei intensiv begleitet. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.

Prematic  OD  

Waren Sie auf dieses Wachstum vorbereitet?
Raphael Vogel: Überhaupt nicht. Wir haben einfach gemacht. Dabei haben wir auch Fehlentscheidungen getroffen. Aber wir haben daraus gelernt. Mit unseren Strukturen waren wir dem Wachstum oft einen Schritt hinterher.
Daniel Vogel: Wir glaubten lange, vieles selber machen zu können. Oder selber machen zu müssen. Irgendwann geht das nicht mehr. Der Betrieb wird grösser, die Aufgaben werden mehr. Man kann nicht überall gleichzeitig sein. Schrittweise kamen ein Betriebsleiter, ein Verkaufsleiter und ein CFO dazu. Die Geschäftsleitung wurde breiter aufgestellt. Rückblickend hätten wir damit früher beginnen können. Aber Loslassen muss man lernen.

Was darf beim Wachsen auf keinen Fall verloren gehen?
Raphael Vogel: Unsere Kultur. Das, was PP Autotreff von Anfang an ausgemacht hat ...

... mit den beiden P im Namen.
Raphael Vogel: Genau. Ursprünglich waren es Peter und Paul, die beiden Gründer. Heute stehen die Buchstaben für «professionell und persönlich». Wir wollen gute Arbeit leisten. Und wir wollen, dass sich die Menschen bei uns gut aufgehoben fühlen. Der Kontakt endet ja nicht mit der Fahrzeugübergabe. Ein Auto begleitet einen über Jahre. Wenn einmal ein Problem auftaucht, zeigt sich, ob die Beziehung trägt.
Daniel Vogel: Dazu gehören auch die Gespräche neben dem eigentlichen Geschäft. Gerade an Ausstellungen trifft man bekannte Gesichter. Jemand erzählt, wie es der Familie geht. Man nimmt sich Zeit. PP Autotreff soll ein Ort bleiben, an dem man gerne vorbeikommt.

OTS 2026  

«Man kann nicht überall gleichzeitig sein. Loslassen muss man lernen.»

Vermissen Sie die kleine Garage manchmal?
Raphael Vogel: Ja. Manchmal würden wir gerne einfach wieder in der Garage stehen, Bremsen wechseln und «bitz ume chlüttere». Da bin ich ehrlich. Unter dem Auto liegen und von all dem anderen nichts mitbekommen. (lacht)

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle in den nächsten Jahren?
Raphael Vogel: Wir möchten, dass das operative Geschäft zunehmend selbstständig läuft. Für uns wird die Pflege der Beziehungen nach aussen wichtiger. Zu Handelspartnern, in Vorständen oder in Arbeitsgruppen der Marken. Gleichzeitig wollen wir ansprechbar bleiben. Für die Mitarbeitenden genauso wie für die Kundschaft.
Daniel Vogel: Das Tagesgeschäft kann müde machen. Neue Ideen zu entwickeln und etwas weiterzubringen, gibt dagegen Energie. Wir wollen die Geschäftsleitung begleiten und coachen. Ihr den Raum geben, Verantwortung zu übernehmen.

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