Mirco Manetsch war über 20 Jahre lang im Journalismus tätig. Unter anderem produzierte er für das rätoromanische Radio und Fernsehen RTR die Kindernews-Sendung «Minisguard». Während dieser Zeit entwickelte sich sein Interesse zunehmend in Richtung Medienpädagogik. 2024 schloss er den CAS Medienpädagogik an der OST – Ostschweizer Fachhochschule ab und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute begleitet und unterstützt er als Mitarbeiter von Art Computer, Abteilung Art Education, Schulen, Lehrer, Kinder sowie Eltern dabei, sich sicher, reflektiert und kompetent in der digitalen Welt zu bewegen.
Medienerziehung: «Verbote bringen nur Scheinsicherheit»
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Text: pd/stz.
Australien hat es vor kurzem beschlossen, Spanien und Deutschland möchten nachziehen, und die Schweiz diskutiert ebenfalls darüber: die Rede ist von einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Es soll Kinder und Jugendliche vor den negativen Auswirkungen von Instagram, TikTok und Co. schützen.
Experten äussern sich jedoch immer wieder kritisch über eine solche Regulierung. Auch Medienpädagoge Mirco Manetsch hält ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige für kontraproduktiv. Es verhindere den rechtzeitigen Erwerb von Medienkompetenz, sagt der Absolvent des CAS Medienpädagogik an der OST. «Wenn Kinder nicht frühzeitig lernen, reflektiert mit diesen Plattformen umzugehen, fehlt ihnen dieses Fundament später komplett.»
Schutz entsteht durch Begleitung
Den Eltern kommt gemäss Manetsch eine überaus wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, die Kompetenz der Kinder und Jugendlichen im Umgang mit Medien zu fördern. Gleichzeitig beobachtet er bei ihnen grosse Unsicherheiten und auch die Sorge, das Kind könnte durch die digitale Welt den Kontakt zur Realität verlieren, eine Konzentrationsschwäche entwickeln oder vielleicht sogar eine Sucht.
In seinen Augen gibt es jedoch noch weitaus grössere Gefahren, die oftmals unterschätzt werden, allen voran das Cybergrooming – eine Art Anbahnungsversuch, bei dem Kinder und Jugendliche gezielt in eine Falle gelockt werden, nicht zuletzt von Pädophilen. Dies passiere häufig auch dort, wo man es gar nicht erwarte, zum Beispiel über die Chatfunktion in Spielen.
Für Manetsch ist klar: Wenn Eltern mit ihren Kindern einen regelmässigen Austausch über die Mediennutzung pflegen und ihnen dabei mit Interesse und Verständnis begegnen, stehen die Chancen gut, dass das Kind ein gesundes Misstrauen entwickelt und sich bei Schwierigkeiten seinen Bezugspersonen anvertraut.
Verbote hingegen bieten gemäss dem Medienpädagogen meist nur eine Scheinsicherheit. «Kinder umgehen technische Sperren oft mühelos, wodurch Eltern jegliche Kontrolle und den Dialog verlieren», erklärt er. «Echter Schutz entsteht nicht durch Riegel, sondern durch Begleitung.»