Konjunkturampel wechselt von Gelb auf Rosarot
09.08.2019

Konjunkturampel wechselt von Gelb auf Rosarot

Die regionale Industrie leidet unter dem Abflachen der Weltwirtschaft, dem eskalierenden Handelskonflikt und den Währungsturbulenzen, weiss die jüngste Konjunkturumfrage von KOF/ETH/SGKB/Ecopol. Die Konjunkturampel wechselt deshalb von Gelb auf Rosarot. Von Grün auf noch grüner wechselt die Farbe in der Bauwirtschaft, auch gefördert durch die expansive Geldpolitik. Der Detailhandel bleib auf Gelb, er ist im Seitwärtstrend gefangen.

Die jüngsten Prognosen für die Weltwirtschaft wurden nach unten angepasst. Bremsend wirken insbesondere der Konflikt im Handels- und Technologiebereich, die geopolitischen Spannungen und der Brexit. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Hochkonjunktur in Deutschlang der Vergangenheit angehört. Was zunächst noch wie ein temporäres Tief aussah, entwickelt sich zu einer andauernden Schwächephase. Die Konjunkturindikatoren lassen erahnen, dass die Lage in den kommenden Monaten noch ungemütlicher wird. Zu schaffen macht der deutschen Wirtschaft nicht zuletzt die Verlangsamung der US-Konjunktur. Der Handelskonflikt hat nicht nur sinkende Exporte der USA, sondern auch eine abgekühlte Konjunktur in China zur Folge, die vor allem in einer schrumpfenden Industrie zum Ausdruck kommt.

Zinsen und Wechselkurse im Fokus
Angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten und tiefer Inflation verschärfen die Nationalbanken ihren Anti-Krisen-Kurs, indem sie die Zinsen weiter senken bzw. Zinssenkungen in Aussicht stellen. Die amerikanische FED hat vor wenigen Tagen erstmals seit 10 Jahren wieder die Zinsen gesenkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Lockerung der Geldpolitik im Visier. Für die Zinsen in der Schweiz bedeutet dies ein weiterer Abwärtsdruck. Denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) hängt schon lange am Rockzipfel der EZB. Erste Schweizer Banken vergeben Hypotheken an Pensionskassen mit negativen Zinsen, welche zu weiteren Preissteigerungen von Immobilien führen dürften, begleitet von steigenden Risiken und entsprechenden Fallhöhen. Die Aussichten auf eine Lockerung der Geldpolitik im Euroraum löst zudem einen Aufwertungsdruck auf den Franken aus. So ist der Franken-Euro-Kurs erstmals seit zwei Jahren wieder unter 1.10 gefallen, was die SNB zu Stützungskäufen animiert. Dennoch gerät ein weiterer Fall des Euro in Richtung Parität wieder in den Fokus der Wirtschaft.

Exporte wachsen noch
Die lahmende Weltwirtschaft und die Frankenstärke zeigen bisher noch wenig Spuren im Aussenhandel. Die Exporte der Region St.Gallen-Appenzell übertrafen im 2. Quartal 2019 den Wert des Vorquartals. Dabei konzentriert sich das Plus vorwiegend auf die USA, während in unsere Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Italien sowie nach China ein Minus zu Buche schlägt. Neben Chemie- und Pharmaprodukten konnten auch die Exporte von Präzisionsinstrumenten, von Nahrungs- und Genussmittel und von Industriemaschinen zulegen. Die Ausfuhren von Kunststoffen, Metallen, Fahrzeugen und der Elektroindustrie schrumpften hingegen.

Industrie von Gelb auf Rosarot
Die internationale Konjunkturentwicklung und Risiken dämpfen das Wachstum in der Industrie. Obwohl sich die Währungsturbulenzen, insbesondere die aktuelle Euroschwäche, noch kaum in den Exprotzahlen zeigen, stellt rund die Hälfte der Industriebetriebe eine Abschwächung der Nachfrage fest.

Eines ist allen Branchen gemeinsam: Sie kämpfen generell gegen den Margendruck und die damit verbundene Verschlechterung der Ertragslage. Angesichts der jüngsten Unruhen an den Devisenmärkten, der Zuspitzung des Handelskrieges und der Verlangsamung der Weltwirtschaft ist kein baldiger Trendwechsel zum Aufschwung zu erwarten.

Ansonsten unterscheidet sich die Entwicklung zwischen den Industriebranchen deutlich. In der Maschinenindustrie ist die Mehrheit mit dem Geschäftsgang zufrieden, obwohl die erwartete Wende zum Besseren ausgeblieben ist. Die rückläufige Produktion führt tendenziell zu Überkapazitäten bei den maschinellen und personellen Beständen. In der Metallindustrie hat sich der Abwärtstrend bestätigt. Auftragsbestand und Geschäftslage entsprechen nicht den Vorstellungen der Unternehmen. In der Elektrotechnik nähert sich die sich angekündigte Wende zum Besseren auf leisen Sohlen und wird sich in den nächsten Monaten durchsetzen können. Während sich die Chemiebranche über eine gute Geschäftsentwicklung freut, harzt es in der Kunststoffindustrie vor allem bei der Nachfrage aus dem Ausland. Wenig erfreulich ist die Entwicklung in der Textil- sowie in der Druck- und Verlagsindustrie. In diesen Branchen kühlt sich das Konjunkturklima weiter ab und die Talfahrt dauert an.

Die Hoffnungen der Industriebranchen liegen vorwiegende auf einem Wachstum der Auslandnachfrage. Angesichts der jüngsten internationalen Entwicklungen könnte sich dieser Hoffnungsanker als Fata Morgana erweisen.

Bauwirtschaft von Grün auf grüner
Die Konjunkturampel ist der Bauwirtschaft steht schon lange auf Grün. Nun aber hat ist aus diesem «einfachen» Grün ein besonders kräftiges Grün geworden. Die Geschäftslage ist hervorragend, so dass der Konjunkturindex der Bauwirtschaft einen neuen Höchstwert erreicht hat. Dem Höhenflug der Bauwirtschaft steht nur ein wirkliches Hemmnis im Weg. Denn die Verfügbarkeit von geeignetem Personal wird zum immer grösseren Engpassfaktor.

Die Baumeister des Hauptgewerbes sind mit der Geschäftslage sehr zufrieden, auch wenn die sich abzeichnende Stabilisierung eingetreten ist. Die aktuellen Entwicklungen auf dem Hypothekarmarkt sind für den Neubau zwar förderlich, gleichzeitig aber werden die zunehmenden Leerbestände die Neubautätigkeit in Grenzen halten. Insbesondere in den Regionen Toggenburg und Rheintal liegen die Baugesuche unter dem langfristigen Durchschnitt.

«Bauen im Bestand» befindet sich hingegen im Aufwind, der noch lange anhalten dürfte. Der Anteil von Umbau-, Ausbau- und Sanierungsprojekten am gesamten Investitionsvolumen war noch nie so hoch wie heute. Vor allem in der Ostschweiz ist eine rege Planung von Umbauprojekten zu beobachten. Davon profitiert insbesondere das boomende Ausbaugewerbe.

Detailhandel bleibt auf Gelb
Schon seit sehr langer Zeit kommt der Schweizer Detailhandel nicht in Fahrt. In der Region St.Gallen-Appenzell war die Umsatzentwicklung etwas besser, lässt aber auch bei uns zu wünschen übrig. Keine Unterstützung kommt von der Konsumentenstimmung, fiel doch der entsprechende Index im Juli unter den langfristigen Durchschnitt.

Regionalen Konjunkturindex steigt leicht an
Der Konjunkturindex für die Region St.Gallen-Appenzell ist im Juli gegenüber dem Vorquartal leicht angestiegen. Dieser Anstieg ist allerdings ausschliesslich der Hochkonjunktur in der Bauwirtschaft zu verdanken. Die Teilindizes für die Industrie und den Detailhandel liegen unter dem Stand des Vorquartals.