09.07.2018

Kohlensäure aus dem Schornstein

Wenn ausgerechnet zur Fussball-WM die Kohlensäure rar wird, wie etwa in England und Norwegen, wird plötzlich klar, dass das jeden Sommer passiert. Das Romanshorner Unternehmen Asco bezieht das CO2 nun direkt aus einem Industriekamin. Seit einem Jahr läuft die Anlage in Sulgen als Pilotbetried.

Die Hochdorf-Milchpulverfabrik (Swiss Nutrition AG) in Sulgen trocknet ihr Milchpulver mit Erd- oder Biogas aus der hauseigenen Anlage. Das dabei emittierte Kohlendioxid wird mittels einer Rauchgas-Rückgewinnungsanlage reduziert. Immerhin werden so rund 2.200 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden. Mithilfe einer neuen Anlagentechnologie entzieht die Asco Kohlensäure AG aus Romanshorn dem Abgas CO2 und reduziert so den CO2-Ausstoss des Unternehmens nochmals um zehn bis 15 Prozent.

Der Nachhaltigkeitsgedanke spiele für immer mehr Unternehmen eine entscheidende Rolle, wenn es darum gehe, Pro und Kontra einer Anlageninvestition abzuwägen, so das Unternehmen in einer Medienmitteilung.

Im ersten Schritt des Verfahrens wird das Prozessgas vom Dampfkessel des Nahrungsmittelherstellers aufgefangen, gekühlt und in einem Gaswäscher vorgereinigt, um gröbste Verschmutzungen und Schwefelverbindungen zu entfernen. Anschliessend wird das CO2 mittels einer speziellen Lösung absorbiert und durch den Einsatz von thermischer Energie wieder resorbiert. In den nächsten Verfahrensschritten wird das Gas komprimiert, weiter gereinigt, getrocknet und verflüssigt, damit es in Tanks gelagert werden kann. Der Rest des Rauchgases – hauptsächlich Wasserdampf, Stickstoff und Sauerstoff – geht zurück in die Atmosphäre.

Ein grosser Teil des recycelten Gases wird in die Produktionsanlage von Hochdorf rückgeführt, unter anderem wird es zur Inertisierung bei der Verpackung von Milchpulver verwendet. Der Vorteil einer Inertisierung mit CO2 liegt in der Elimination des Sauerstoffs. So verhindert Kohlendioxidgas, dass empfindliche Produkte wie Babynahrungspulver oxidieren.