Klinik Stephanshorn wird zum «Friendly Work Space»
07.11.2018

Klinik Stephanshorn wird zum «Friendly Work Space»

Als erste Klinik innerhalb der Privatklinikgruppe Hirslanden und als erstes Akutsomatik-Spital in der Ostschweiz erhält die Klinik Stephanshorn in St.Gallen das Qualitätslabel Friendly Work Space (FWS). Das Qualitätslabel, das von Gesundheitsförderung Schweiz verliehen wird, erhalten nur Unternehmen, die BGM systematisch in ihren Arbeitsalltag einfliessen lassen und damit eine gesunde Betriebskultur fördern und erhalten.

Zum ersten Mal mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) in Berührung gekommen ist die Klinik Stephanshorn, als sie 2009 Mitglied im Verein BGM Ostschweiz wurde. Dank der Mitgliedschaft sammelte die Klinik Erfahrung und besuchte Unternehmen, die aktiv BGM betreiben. Die Inspiration löste den Drang aus, mehr für die Gesundheit der Mitarbeiter zu machen. «Das Wohlergehen und die Gesundheit unserer Mitarbeiter liegt uns besonders am Herzen», sagt Andrea Rütsche, Direktorin der Klinik Stephanshorn. Deshalb beschloss sie 2014 für ihre Klinik eine BGM-Steuergruppe ins Leben zu rufen, die Leitung übergab sie dem Personalleiter, Peter Knechtli. Er stellte das sechsköpfige BGM-Team, mit Vertretern aus der Kommunikation und dem Qualitätsmanagement auf die Beine mit dem Ziel, den Ansprüchen von Gesundheitsförderung Schweiz nicht nur zu genügen, sondern diese zu übertreffen und das Qualitätslabel FWS zu erhalten und weiterzuentwickeln.

«Es soll aber nicht nur ein weiteres Qualitätslabel sein, sondern eines, das spürbar macht, dass wir gezielt an der Gesunderhaltung und am Wohlergehen unserer Mitarbeiter arbeiten», erklärt Andrea Rütsche. Dabei sei dies gar nicht so einfach, meinte sie. Denn aufgrund der heterogenen Berufsgruppen sind verschiedene zielgruppengerechte Angebote nötig. Eine Herausforderung, die es dem BGM-Team nicht gerade leicht machte. Doch nach vier Jahren intensiver Arbeit und einem eingehenden Audit durch externe Assessoren kann die Klinik Stolz auf das Erreichte sein. Bis 2021 darf die Klinik Stephanshorn das Zertifikat tragen, danach muss sie sich neu beweisen.

Die offizielle Feier von Gesundheitsförderung Schweiz fand am 23. Oktober 2018 in Bern statt. Die Klinik feierte zusammen mit den Mitarbeitern am 6. November 2018, zu der Feier war auch Frau Regierungsrätin Heidi Hanselmann eingeladen. Als Vorsteherin des Gesundheitsdepartements des Kantons St.Gallen und als Präsidentin von Gesundheitsförderung Schweiz beglückwünschte sie die Klinik Stephanshorn zu diesem grossartigen Erfolg. Frau Regierungsrätin ist ausserdem Beirätin von BGM Ostschweiz.

Resultate
Um das Label Friendly Work Space® zu erhalten, müssen im Assessment mindestens drei von fünf Punkten erreicht werden. Überdurchschnittlich gut abgeschlossen hat die Klinik Stephanshorn im Bereich der Unternehmenspolitik. Hier geht es unter anderem um Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Umgang mit Absenzen und Massnahmen zur Wiedereingliederung. Verbesserungspotential hat sie in der Zielgruppendefinition und deren Ziele. Der Erfolg und die Wirkung der ergriffenen Massnahmen müssen noch besser messbar gemacht werden, um angestrebte Veränderungen ersichtlich zu machen. Aber auch im Bereich Umweltschutz hat die Klinik Nachholbedarf.

Der Weg zum Label FWS
Die Gesundheitsförderung Schweiz setzt für das Erreichen des Qualitätslabels FWS einen umfassenden Kriterienkatalog voraus. «Wir mussten anhand des Katalogs zuerst eine Standortbestimmung machen», erinnert sich Peter Knechtli, Personalleiter und Vorsitzender des BGM-Teams. Das sogenannte Self-Assessment, das durch eine externe Beraterfirma unterstützt wurde, gab dem sechsköpfigen BGM-Team schnell Aufschluss darüber, wo die Klinik stand. Zusätzlich führte die Klinik eine Gesundheitsbefragung bei allen Mitarbeitern durch. Die Auswertung lieferte wertvolle Erkenntnisse, die dann in Team-Workshops angegangen wurden. Daraus resultierte zum Beispiel, dass die Klinik einen Ruheraum eingerichtet hat oder für einige Abteilungen Luftbefeuchter für ein besseres Raumklima oder Stehpulte anschaffte. Doch das alleine reichte bei weitem nicht aus, um sich für die Zertifizierung FWS anzumelden. Denn die Systematik dahinter fehlte komplett. «Es genügt heute nicht mehr, einfach ein paar Gesundheitsangebote oder Früchte und Gratiswasser zur Verfügung zu stellen», erklärt Knechtli. «BGM ist viel komplexer und alle Massnahmen müssen möglichst messbar sein, um sich kontinuierlich verbessern zu können», sagt er weiter. Gemessen werden aber nicht nur, ob und welche Angebote genutzt werden, sondern auch die Fluktuationsrate, das Austritts-Monitoring oder Krankheitsausfälle werden erfasst und ausgewertet. Weiter hat die Klinik eine Anlaufstelle für Mobbing und sexuelle Belästigung eingeführt.

Psychische Belastungen, Stressbewältigung und Work-Life-Balance sind weitere Themen, die im BGM eingeordnet werden. Auch in diesen Bereichen bietet die Klinik nach Bedarf professionelle Hilfe an. Eine zusätzliche Herausforderung stellen die vielen unterschiedlichen Berufsgruppen dar. Allen gerecht zu werden ist unmöglich, doch gezielte Angebote zu verschiedenen Uhrzeiten zeigen bereits Wirkung. «Heute ist alles dokumentiert und im jährlichen Gesundheitsbericht können unsere Mitarbeiter vieles nachlesen», stellt Peter Knechtli klar. Wichtig ist der Austausch im heterogenen BGM-Team, das viermal pro Jahr tagt und jährlich ein abwechslungsreiches Angebot zur Verfügung stellt. Ob Fitnesslektionen, Ernährungstipps oder Rauchentwöhnungsprogramme, die Klinik nimmt BGM ernst und will es weiterentwickeln und fest etablieren. Schön wäre es, wenn weitere Hirslanden Kliniken oder sogar der Konzern sich das Label FWS zum Ziel setzen würde, das zumindest wünscht sich Peter Knechtli.