Ostschweiz

Jahresbeginn bringt für Ostschweizer Wirtschaft noch keine Entlastung

Jahresbeginn bringt für Ostschweizer Wirtschaft noch keine Entlastung
Fabio Giger, stv. Leiter Research der IHK St.Gallen-Appenzell
Lesezeit: 3 Minuten

Zum Jahresbeginn 2026 zeigt sich die Ostschweizer Wirtschaft weiterhin in einem anspruchsvollen Umfeld, analysiert das Konjunkturboard Ostschweiz. Während die exportorientierte Industrie mit Wechselkursbelastungen und zunehmendem Protektionismus kämpft, hellen sich die Erwartungen leicht auf. Besonders das Baugewerbe stützt mit rekordhohen Auftragsbeständen.

Text: pd/stz.

Die exportorientierte Industrie sieht sich weiterhin mit einem schwierigen internationalen Umfeld, Wechselkursbelastungen sowie zunehmenden protektionistischen Risiken in Europa konfrontiert. Dennoch verbessern sich die Erwartungen für die kommenden Monate leicht.

Im Gegensatz zur Gesamtschweiz, wo die Geschäftslage im Januar erstmals seit rund zweieinhalb Jahren wieder als «gut» eingeschätzt wird, beurteilen die Unternehmen in der Ostschweiz ihre Lage mehrheitlich als «befriedigend». Die Geschäftslage entwickelt sich seitwärts und notiert knapp im positiven Bereich. Der Stimmungsbarometer bleibt unter der Marke von 100 Punkten.

Céline Koster, SGKB-Konjunkturexpertin
Céline Koster, SGKB-Konjunkturexpertin

In der Industrie zeigt sich ein gemischtes Bild. Während die Metallbranche sowie der Maschinen- und Fahrzeugbau weiterhin unter Druck stehen, hellt sich die Situation in der Elektronik- und Optikindustrie auf. Die Kapazitätsauslastung konnte gesteigert werden, und die Bestellungseingänge nehmen zu. Dennoch beurteilen über 40 Prozent der Industrieunternehmen ihren Auftragsbestand weiterhin als zu klein.

Wichtige Impulse aus den Absatzmärkten bleiben vorerst aus. Die Entwicklung in Deutschland bleibt entscheidend, doch ein breiter Aufschwung ist dort weiterhin nicht in Sicht. «Ein breiter Aufschwung in Deutschland lässt weiter auf sich warten und wird durch strukturelle Probleme gebremst. Im Jahresverlauf dürfte das Infrastrukturpaket jedoch erste Impulse setzen», sagt Céline Koster, Konjunkturexpertin bei der St.Galler Kantonalbank. Die nachhaltige Wirkung auf die Ostschweizer Wirtschaft dürfte jedoch geringer ausfallen als ursprünglich erhofft.

Zusätzlich belastet die Währungssituation die exportorientierten Unternehmen. Der Franken bleibt in Zeiten geopolitischer Unsicherheit stark und hat gegenüber dem US-Dollar sowie zuletzt auch gegenüber dem Euro aufgewertet. Dies schwächt die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Ostschweizer Firmen.

Ein weiteres Risiko stellt der zunehmende Protektionismus dar. Diskussionen über industriepolitische Massnahmen in der EU, in China und in den USA könnten die Exportwirtschaft zusätzlich benachteiligen. «Solche Massnahmen senden ein ordnungspolitisch problematisches Signal und können eine erhebliche Benachteiligung für die Ostschweizer Industrie schaffen», sagt Fabio Giger, stellvertretender Leiter Research der IHK St.Gallen-Appenzell.

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Stabilisierend wirkt die Binnenwirtschaft. Im Baugewerbe wird die Geschäftslage positiv eingeschätzt. Die Auftragsreichweite im Bauhauptgewerbe ist auf ein Rekordhoch von über neun Monaten gestiegen, getragen insbesondere vom Wohnbau. Gut gefüllte Auftragsbücher und tiefe Zinsen stützen die Erwartungen einer zunehmenden Bautätigkeit. Gleichzeitig wird der Mangel an Arbeitskräften wieder häufiger als Hemmnis genannt.

Im Detailhandel bleibt die Nachfrage verhalten. Mengenmässig steigen die Absätze, Umsätze und Erträge entwickeln sich jedoch stabil, was auf eine zunehmende Preissensitivität der Konsumenten hindeutet. Der Grosshandel verzeichnet eine Stimmungsaufhellung, insbesondere in konsumnahen Subbranchen, während industrienahe Grosshändler weiterhin mit schwierigen Bedingungen konfrontiert sind.

Die Finanz- und Versicherungsbranche beurteilt ihre Geschäftslage als gut, getragen von einer robusten Nachfrage im Vorsorge- und Hypothekargeschäft. Im Gastgewerbe hingegen hat die Nachfrage zuletzt nachgelassen.

Der Ostschweizer Arbeitsmarkt zeigt sich trotz einer leicht gestiegenen Arbeitslosenquote robust. Im Januar lag die Quote bei 2.4 Prozent und damit knapp über dem langjährigen Durchschnitt. Unternehmen im Bau, Detailhandel und in der Industrie rechnen in den kommenden drei Monaten mit einer stabilen Beschäftigtenzahl.

Die Einschätzungen basieren auf den quartalsweisen Analysen des Konjunkturboard Ostschweiz. Grundlage bilden regelmässige Umfragen in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, an denen zwischen 700 und 800 Betriebe aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden teilnehmen.

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