Industrie 4.0: Sichtbare Zeichen im Rheintal
28.03.2019

Industrie 4.0: Sichtbare Zeichen im Rheintal

Wo sich einst die Holzbretter stapelten, entsteht in Kürze eine Grünanlage. Die Fläche ist ein stiller Zeuge von Ausbau, Progression und Wachstum. Von Veränderungen, die Europas führender Parketthersteller Bauwerk aus St.Margrethen einleitete, um eine neue Form der Wertschöpfung zu finden, die den Standort Schweiz stärkt. Mit Erfolg, denn heute erarbeitet die international tätige Bauwerk-Boen-Gruppe wesentlich mehr Werte in der Schweiz als noch in alten Zeiten.

Der Parketthersteller investierte in den letzten fünf Jahren elf Millionen Franken in das Mutterhaus in St.Margrethen und beschäftigt weiterhin über 230 Mitarbeiter in der Schweiz – Tendenz steigend. Der Zuwachs ist weniger sichtbar als zuvor. Grund dafür ist eine Transformation, die das Rheintaler Unternehmen – stellvertretend für viele Schweizer KMU - mit viel Innovationskraft voran treibt.

Wandel der Wertschöpfung
Wertschöpfung bedeutet heute etwas anderes als noch vor 20 Jahren. Der erste Schritt, um als Schweizer Fertigungsunternehmen überleben zu können, zeigte sich in der Verlagerung von Produktionen ins Ausland, so Patrick Signer, Betriebsleiter der Bauwerk Boen Group in St.Margrethen. Bauwerk suchte den Zusammenschluss mit der norwegischen Parkettmarke Boen und verlagerte die Produktion von Volumenprodukten nach Litauen. „Dies war kein einfacher Schritt, aber ein visionärer“, so Signer weiter. „So blieb Bauwerk marktfähig und generierte überdies den notwendigen Ertrag, um in den Standort Schweiz zu investieren.“

Und das war wichtig, denn Qualitätsparkett ist ein hoch natürliches, aber ebenso technologisiertes Produkt, in dem eine Menge Schweizer Stärken wie Innovationskraft, Fertigungskompetenz und Präzision stecken. Entsprechend investierte der Parketthersteller in St.Margrethen in den Auf- und Ausbau seiner Forschung und Entwicklung, in das Design und die Produktion von technologisch anspruchsvollen, funktionsstarken Produkten, die punkto Design überzeugen. Parkette, die bei gesteigertem Wohngenuss leistungsfähiger und ökologischer sind, weil sie durch ihre hohe technische Performance mit dünneren Echtholzschichten auskommen.

Wohngesundheit und Nachhaltigkeit

Diese Verstärkung der technologischen Basis legte den Grundstein für einen weiteren Schritt, der substanzielle Innovationskraft fordert: den kompromisslosen Einsatz für die Gesundheit von Mensch und Natur. „Wer einen belastenden Fussabdruck hinterlässt, vernichtet Werte, anstatt sie zu schaffen“, so Patrick Signer. Als erstes Industrieunternehmen weltweit liess Bauwerk den Produktionsstandort in St.Margrethen darum nach „Cradle to Cradle“ zertifizieren. Das Ziel: Die Produkte und die Produktion so zu gestalten, dass alles, was das Unternehmen verlässt, die Natur nährt, anstatt sie zu belasten.

Das Konzept ist Garant für wohngesunde Produkte, aber auch eine Antwort auf die Probleme der Konsumgesellschaft. Um den ökologischen Fussabdruck weiter zu verbessern, verlagerte Bauwerk die Rohholzverarbeitung dorthin, wo das Holz wächst. Anstatt feuchte Baumstämme oder Bretter kommen heute trockene Lamellen nach St.Margrethen. Der Transport reduziert sich dadurch um 70 %. Während sich dieser Fortschritt in den Rückbau der Holzlager zeigt, läuft der Ausbau in anderen Bereichen weniger sichtbar ab.

Digitale Transformation: Der direkte Kontakt mit Mensch und Natur gewinnt an Bedeutung
In der digitalisierten Gesellschaft übernehmen Algorithmen, das „Internet of Things“ (IoT) und künstliche Intelligenz viele Funktionen. Doch wird der „Mensch“ und damit sein Arbeitsplatz überflüssig? „Alles andere als das“, sagt Klaus Brammertz, CEO der Bauwerk Boen Group. „Im digitalen Zeitalter ist die menschliche Komponente wichtiger als je zuvor, denn keine Maschine kann den direkten Kontakt mit Mensch und Produkt ersetzen. In der abstrakten digitalen Welt mit seiner Fülle an Informationen brauchen Menschen kompetente Hilfe bei der Auswahl. Kunden wollen natürliche Produkte für ihr Zuhause und diese mit allen Sinnen spüren“, so Brammertz. „Auch wir investieren kräftig in die Digitalisierung. Sie soll Bodenlegerkunden und Mitarbeitende entlasten, damit sie das tun können, worin der Mensch besser ist als die Maschine“, schildert Brammertz die Vision, die Bauwerk Boen als Motor des Wandlungsprozesses versteht.

Beispiele dafür sind die Entwicklung von Machine-Learning-Technologien. Die intelligenten, selbstlernenden Softwares helfen dabei, die Produktion zu optimieren und Maschinenstillstände vorauszusagen. Der Bau eines digitalen Ökosystems mit digitalen Dienstleistungen ist ein weiteres Feld. Das Kernstück ist die neue Bauwerk Website. „Diese wurde gerade aufgrund ihrer innovativen Mehrwerte mit dem ‚Best of Swiss Web’-Award prämiert“, freut sich der CEO.