02.10.2018

HSG will Ruf retten

Die Universität St. Gallen erlaubt ihrem Rektor in Zukunft keine Nebentätigkeiten mehr. Die HSG stand zuletzt wegen Nebentätigkeiten von Rektor und Professoren öfter in der Kritik.

Der Universitätsrat der Universität St.Gallen (HSG) hat an seiner letzten Sitzung beschlossen, die bereits im Frühjahr in die Wege geleitete Verbesserung der Governance und Compliance der HSG voranzutreiben. Ziel sei es, das Erfolgsmodell der HSG mit der unternehmerischen Vernetzung der Professoren und Institute in der Wirtschaft durch eine zeitgemässe Governance und Compliance zu stärken, teilt die HSG mit.

Der Universitätsrat als oberstes Führungsorgan der Universität St.Gallen bedauert die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit unterschiedlichen Tätigkeiten von Dozenten. Diese rücken in ihrer Summe die Universität in ein ungünstiges Licht, das ihrem Ruf schaden kann. Dies umso mehr, als die Universität vor kurzem erneut für weitere fünf Jahre mit dem europaweit wichtigsten Qualitätszertifikat «EQUIS» zur Führung einer Wirtschaftsuniversität ausgezeichnet worden ist. Im Interesse der anerkannten Gesamtleistung von Lehre, Forschung und Weiterbildung in Kooperation mit der Wirtschaft – dem Erfolgsmodell HSG – sowie der Bedeutung für den Standort St.Gallen braucht es deshalb eine gründliche Aufarbeitung und die entsprechenden Schlussfolgerungen.

Universitätsinterne Aufarbeitung
Der Universitätsrat hat die Gewissheit, dass das Controlling-System der HSG funktioniert. Die «Untersuchung zu Spesenbezügen» ist durch die Prüfung im betroffenen Institut der HSG selbst aufgedeckt worden; gegenwärtig läuft eine Administrativuntersuchung, die bald abgeschlossen sein dürfte. Bei den weiteren unterschiedlich gelagerten Vorfällen «Rüegg-Stürm» (Raiffeisenbank), «Stadler» (Audi) und «Bieger» (Jungfraubahn) geht es um Handlungen von Dozenten, die ohne einen direkten Bezug zur HSG sind. Auch diese Fälle werden vom Universitätsrat sehr ernst genommen. Bei Professor Johannes Rüegg-Stürm, der sich aktuell in einem Forschungssemester befindet, wird seine Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank im Zusammenhang mit der Governance von der Bank aufgearbeitet. Professor Rupert Stadler hat auf die Ausübung seiner Honorarprofessur bis zum Abschluss des Verfahrens und der damit zusammenhängenden Klärung des Sachverhalts verzichtet. Bei Rektor Thomas Bieger, in seiner Nebentätigkeit Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn, hat die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) ihre aufsichtsrechtliche Prüfung über die Jahre 2014 bis 2016 abgeschlossen und die Gesellschaft wegen festgestellter Marktmanipulationen gerügt. Diese sind aufsichtsrechtlich unzulässig, aber kein Straftatbestand. Das Unternehmen hat die notwendigen Massnahmen bereits umgesetzt.

Die Universität wird in jedem Fall die eingeleitete universitätsinterne Aufarbeitung dieser Ereignisse analysieren und aus den Ergebnissen die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen.

Verbesserungen der Governance und Compliance
Der Universitätsrat beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Thematik Compliance und Governance. Bereits im Frühjahr 2018 hat er das Rektorat beauftragt, das Reglement zu den Nebenbeschäftigungen der Dozenten zu überarbeiten. Mittlerweile wurde die Überprüfung auf den ganzen Themenkomplex ausgedehnt und systematisiert. Es werden verschiedene Handlungsfelder betreffend Nebenbeschäftigungen, Spesen, Kontrollmechanismen und Finanzflüsse auch im Hinblick auf ihre Transparenz bearbeitet. Unter anderem berät seit diesem Frühjahr namentlich eine Expertin der Wirtschaftsuniversität Wien die Organe der HSG bezüglich Optimierung der Governance und weiteren verwandten Fragen; dies insbesondere auch im Zuge der anstehenden Revision des Universitätsgesetzes. Bereits entschieden wurde bei der Nachfolgeplanung für Rektor Thomas Bieger, dessen Amtszeit Ende Januar 2020 endet, dass der künftige Rektor, die künftige Rektorin auf jede Art von Nebentätigkeiten verzichten muss. Der Universitätsrat ist überzeugt und setzt alles daran, durch klare Schlussfolgerungen im Zuge der Aufarbeitung die zukünftige Führung der Universität St.Gallen und das Erfolgsmodell HSG mit einer zeitgemässen und vorbildlichen Governance und Compliance zu stärken.

Das Erfolgsmodell HSG ist international anerkannt und gut verankert
Die Universität St.Gallen mit ihren Instituten ist eine erfolgreich profilierte, wachsend nachgefragte Wirtschaftsuniversität. Ihr Erfolg beruht unabdingbar auch auf der Vernetzung der Lehrenden und Forschenden mit der Wirtschaft – auch im Rahmen von Nebenbeschäftigungen. Diese Vernetzung trägt massgeblich zum regionalwirtschaftlichen Nutzen am Standort und in der Ostschweiz bei. So leistet die HSG einen Beitrag zur Wertschöpfung und damit zum regionalen Volkseinkommen für die Region Appenzell AR – St.Gallen – Bodensee von jährlich rund 250 Mio. Franken. Mit dem kürzlich verliehenen Gütesiegel EQUIS hat die «European Foundation for Management Development» die Qualität dieses Modells erneut bestätigt. Bestandteil der Akkreditierung ist auch die Überprüfung des Governance-Systems und der Beitrag der Universität zu Ethik, Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit. Die eingeleiteten Massnahmen soll das Erfolgsmodell der HSG als international anerkannte, mit der Gesellschaft und Wirtschaft vernetzte Lehr- und Forschungsstätte nachhaltig weiterentwickeln.