HSG-Studie: Was Börsenriesen geben und nehmen
Text: stz.
Was leisten Konzerne für Kunden, Mitarbeiter, Staat und Umwelt? Und welchen Wert vereinnahmen sie, ohne ihn selbst geschaffen zu haben? Mit diesen Fragen setzt der neue HSG-Report beim Geschäftsmodell an. Anhand von 123 Kennzahlen bewertet er die Werttransfers gegenüber zwölf Anspruchsgruppen und beziffert sie in Geldbeträgen.
Daraus entsteht das «Value Creation Rating», kurz VCr. Ein Wert über 1,00 bedeutet, dass ein Unternehmen für andere mehr Wert schafft, als es ihnen entzieht. Unter dieser Schwelle fällt die Bilanz negativ aus. Das mittlere Unternehmen liegt mit 1,01 nur knapp darüber.
Gesundheit und Technologie liegen vorne
Die höchste Bewertung erreicht das US-Biotechunternehmen Alnylam Pharmaceuticals mit 1,45. Im Branchenvergleich führen Gesundheit mit 1,09 und Technologie mit 1,06. Am schwächsten schneiden Strom-, Gas- und Wasserversorger mit 0,88 ab.
In der Technologiebranche schaffen 82 Prozent der untersuchten Unternehmen mehr Wert, als sie entziehen. Ausschlaggebend ist vor allem die Forschung: Neue Chips und Software stiften einen Nutzen, den ihre Hersteller nicht vollständig selbst abschöpfen können. Auf der anderen Seite stehen unter anderem der Energiebedarf und eine vergleichsweise tiefe Steuerbelastung.
Nvidia schafft Wert, behält aber viel für sich
Beim KI-Chiphersteller Nvidia fällt die Bilanz mit 1,02 positiv aus. Den gesellschaftlichen Nutzen seiner Forschung beziffert das Rating auf rund 14,7 Milliarden US-Dollar. Konkurrenten wie ASML mit 1,19, AMD mit 1,18, Intel mit 1,14 und Broadcom mit 1,12 erreichen jedoch höhere Bewertungen.
Zugleich ordnet der Report rund 7,7 Milliarden US-Dollar als Wertentzug bei den Kunden ein. Dahinter stehen Preisaufschläge, die das Modell auf Nvidias starke Marktstellung zurückführt. Weitere rund 5 Milliarden US-Dollar gelten als Wertentzug beim Staat, weil die effektive Steuerquote unter dem Branchendurchschnitt liegt.
«Ein Unternehmen kann für die Gesellschaft mehr Wert schaffen, als es ihr entzieht, und zugleich einen grösseren Teil seiner Wertschöpfung für sich behalten als seine Konkurrenten», sagt HSG-Professor Martin Nerlinger.
Die genannten Werttransfers sind Modellwerte und keine tatsächlichen Zahlungen. Bei Nvidia beziehen sie sich auf das im Januar 2026 abgeschlossene Geschäftsjahr. Der laufende Ausbau der Rechenzentren ist damit noch nicht abgebildet.
Natur trägt grösste Last
Insgesamt schaffen die untersuchten Unternehmen laut Rating 3,8 Billionen US-Dollar an Wert für andere. Dem steht ein Wertentzug von 3,7 Billionen US-Dollar gegenüber. Am stärksten profitiert die Allgemeinheit, vor allem durch Innovationen. Die grösste Belastung trägt die Natur: Emissionen, Abfall und Wasserverbrauch schlagen im Modell netto mit 1,1 Billionen US-Dollar zu Buche.
Herausgegeben wird der Report von Tomas Casas Klett und Martin Nerlinger. Vorgestellt wurde er am 3. November am Square der Universität St.Gallen.