HSG lanciert Dialogplattform gegen Fachkräftemangel
25.10.2019

HSG lanciert Dialogplattform gegen Fachkräftemangel

Über 180 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung nahmen Anfang Woche am neu lancierten «Career Relaunch» der Executive School der Universität St.Gallen im Forum St.Peter der Credit Suisse in Zürich teil. Das neu entwickelte Format ist eine Dialogplattform zum Thema beruflicher Wiedereinstieg. Damit soll ein Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels auf dem Schweizer Arbeitsmarkt geleistet werden.

Der Chefökonom des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, Simon Wey (Bild), eröffnete den Anlass nach der Begrüssung und präsentierte alarmierende Zahlen und Fakten zum Schweizer Arbeitsmarkt. Es gebe eine zunehmende Lücke zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, bedingt durch die demografische Entwicklung, erläuterte Wey. Auch die Zuwanderung habe im Jahr 2013 seinen Höhepunkt erreicht und sei seither rückläufig oder stagnierend.

Aus diesen Gründen sei es besonders wichtig, das inländische Erwerbspotenzial auszuschöpfen. Das grösste Potenzial liege dabei bei Frauen und älteren Männern. Es stehen sowohl Arbeitgeber und Arbeitnehmer als auch der Staat in der Verantwortung, Lösungen für den Fachkräftemangel zu finden. Schliesslich gebe es über 80'000 Frauen und Mütter, welche gerne im Arbeitsmarkt wieder Fuss fassen wollen, jedoch nicht die geeigneten Rahmenbedingungen vorfänden.

Kreative Lösungen für dieses Dilemma präsentierten Unternehmen wie Ikea, Novartis, Credit Suisse und UBS. Mit gezielten Wiedereinstiegsprogrammen rekrutieren sie fähige Frauen und Männer. Dass der Schritt zurück ins Arbeitsleben mithilfe dieser Programme gelingt – auch mit einer langen Lücke im Lebenslauf – zeigten zahlreiche am Anlass vorgestellte Fallbeispiele. Wiedereinsteiger gaben persönliche Einblicke in ihre Geschichte und motivierten so die Teilnehmer am «Career Relaunch», die zurzeit auf Stellensuche sind. Auch Stadt und Kanton Zürich sehen den Fachkräftemangel mit Besorgnis entgegen. Sie engagieren sich stark im Bereich Wiedereinstieg und bieten Wiedereinstiegsprogramme an.

Auch Hochschulen erkennen die Dringlichkeit dieses Problems und bieten sowohl Programme für Arbeitgeber (Hochschule Luzern), für Forscher (Paul-Scherrer-Institut) als auch Weiterbildungsprogramme für Wiedereinsteigerinnen an (Women Back to Business, Universität St.Gallen). Es wurden auch innovative Formate präsentiert wie das Café Pro, eine Art «Speed Dating» für Firmen und Arbeitsuchende oder das Neustarter- Programm, bei dem berufstätige Personen 49+ mit einem Internship in einem Start-up neue Impulse erhalten sollen.

Die Lancierung des «Career Relaunch» der Executive School der Universität St.Gallen traf mit dieser Thematik den Nerv der Zeit. Bereits ist die nächste Veranstaltung im kommenden Jahr in Planung, um den Dialog fortsetzen zu können.

Patricia Widmer, Leiterin des Women Back to Business Programms und Hauptverantwortliche der Veranstaltung kommentiert: «Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem einzigartigen Anlass in der Schweiz, ein so breites Echo erhalten haben. Es besteht grosses Interesse, sich über die anstehenden Herausforderungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt auszutauschen und gangbare Lösungen für Unternehmen und Wiedereinsteiger zu finden. Besonders freue ich mich im nächsten Jahr auf die Zusammenarbeit mit der Avenir Group. Zusammen werden wir Unternehmen ein Label verleihen, welche sich als fortschrittliche Rekrutierer hervortun und Stellensuchenden mit Ecken und Kanten in ihrem Lebenslauf für offene Positionen berücksichtigen.»